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24.4.2017 : 7:23 : +0200

Künstliche Intelligenz

(aus: Ganzheitlich Handeln, S. 198 Arbor Verlag. Übersetzung Stephan Schuhmacher)

Das Problem mit der Künstlichen Intelligenz und der Roboterwissenschaft ist, dass die meisten ihrer Vertreter naive Psychologen mit einer erstaunlich armseligen Sichtweise des Bewusstseins sind - dessen, was Bewusstsein ist und wie es sich entwickelt. Wenn Sie sich den Oben-Links-Quadranten [im 4 Quadranten Modell] ansehen, können Sie die Geschichte des menschlichen Bewusstseins (und die es konstituierenden Holons) verfolgen: die Aufnahmefähigkeit (Erfassen) von Atomen und Molekülen wird in die Reaktionsfähigkeit von Zellen mit hinaufgenommen und inkorporiert, die wiederum in die Empfindungen von neutralen Organismen inkorporiert werden, die ihrerseits in die Wahrnehmungen von Tieren mit Rückenmark inkorporiert werden. Diese werden dann in die Impulse von Tieren mit Reptilienstammhirn inkorporiert, die dann ihrerseits in die Emotionen und Gefühle von Tieren mit limbischem System inkorporiert werden. Letztere werden dann in die Symbole und Konzepte von Tieren mit einer Großhirnrinde inkorporiert. An diesem Punkt nun kann die komplexe Großhirnrinde in gewissen menschlichen Gehirnen formal-operationales Denken oder Logik hervorbringen. Doch ist jedes einzelne dieser Holons, eingefaltet in seine Nachfolger, ein ganz entscheidender Teil des Endergebnisses, des menschlichen Bewusstseins.

Dennoch neigen Computerprogrammierer dazu, sich auf den Typ des Bewusstseins zu konzentrieren, den sie am besten kennen - nämlich den logischen und mathematischen. Sie "pellen" dann dieses dünne äußere Häutchen von Bewusstsein ab und programmieren einige seiner Regeln und Algorithmen in einen Computer. Und dann meinen sie, diese oberflächliche, entkörperlichte, abstrakte, dissoziierte künstliche Intelligenz sei tatsächlich dasselbe wie menschliches Bewusstsein. Und sie denken natürlich, in weiteren ein bis zwei Jahrzehnten werde man "menschliches Bewusstsein" in Silikonchips herunterladen und ihm dadurch ewiges Leben verleihen können. In Wirklichkeit ist jedoch alles, was da heruntergeladen wird, ihr eigenes dünnes, abstraktes, dissoziiertes Bewusstsein.

Um eine künstliche Intelligenz erschaffen zu können, die wahrhaft der Intelligenz des Menschen gliche, müssten die Techniker der Künstlichen Intelligenz in der Lage sein, das Bewusstsein sämtlicher einzelnen Holons neu zu erschaffen, aus denen sich das SuperhoIon des menschlichen Bewusstseins zusammensetzt. Sie müssten fähig sein, alles zu erschaffen und zu beleben - angefangen bei der Reizbarkeit der Zellen über die Reptilien-Instinkte zu
Empfindungen des limbischen Systems und weiter bis zur Großhirn-Rationalität und Verknüpfungsfähigkeit (eines Großhirns, das über mehr neuronale Verbindungen verfügt als es Sterne im uns bekannten Universum gibt). Die Künstliche Intelligenz ist noch nicht einmal nahe daran, die Reizbarkeit organischer Zellen reproduzieren zu können, weshalb wir für die absehbare Zukunft ihre sonstigen grandiosen Ansprüche ignorieren können. Während
des nächsten Jahrhunderts wird die Roboterwissenschaft auf Verhaltensweisen beschränkt bleiben, die nach Maßgabe gewisser spezifischer Algorithmen, logisch-digitaler Regeln, einiger Arten von Fuzzy Logik und lernfähiger neuraler Netzwerke programmiert werden können; sie werden weiterhin nur die oberflächlichsten Formen von Bewußtsein replizieren können.

Es gibt noch eine andere große Schwierigkeit: Das Bewusstsein ist eine Angelegenheit von vier Quadranten. Die Künstliche Intelligenz versucht nur Verhaltensregeln und Lernmechanismen des Oben-Rechts-Quadranten zu programmieren, und daraus wird niemals das Vier-Quadranten-Etwas entstehen, das wir echtes Bewusstsein nennen. Eine Unterabteilung dieses Arguments stammt von John Searle, der praktisch sagt, das Oben- Rechts-Verhalten werde niemals dasselbe sein wie die Oben-Links-Intentionalität. Er hat damit natürlich recht. Und das Oben-Rechts-Verhalten wird auch niemals intersubjektive kulturelle Wertvorstellungen (Unten Links) hervorbringen.

Schließlich gibt es noch das Argument der tiefen Spiritualität selbst: Bewusstsein ist nicht das Produkt von irgendetwas, sei es das menschliche Gehirn oder seien es Roboter. Vielmehr ist reines Bewusstsein Quelle und Urgrund aller Manifestationen, und wenn Sie meinen, man könne das in einen Computer stecken ... Der Computer ist eine Manifestation des Bewußt-
seins, nicht umgekehrt, und alles, was man in einen Computer hineinbringen (oder aus ihm herausholen) kann, ist wiederum nichts als ein dünnes, partielles, oberflächliches Scheibchen des unglaublichen Kosmischen Kuchens. Nebenbei bemerkt: Diese ganze Vorstellung, man könne Bewusstsein in Mikrochips herunterladen, stammt zumeist von arbeitsgeilen jungen Männern, die keine Frau ins Bett kriegen und deshalb die ganze Nacht aufbleiben
und auf den Computerbildschirm starren, versunken in dissoziierendes, abstrahierendes, entkörperlichtes Denken.

Ich bin selbst arbeitsgeil, also verstehen Sie mich nicht falsch, aber bitte ... Im menschlichen Bewusstsein gibt es mehr Holons als die Künstliche Intelligenz sich träumen lässt.

04/2004 -mf/mh-