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25.9.2017 : 4:47 : +0200

Leere

aus dem Dialog Cohen-Wilber in What Is Enlightenment? Juli-August 2006. Gott spielt eine neues Spiel ? Integrale Spiritualität 

Wilber: Wenn wir sowohl die Zustände wie auch die Stufen des Bewusstseins zu verstehen beginnen, verfeinert sich unser Verständnis der Leere als einem Bestandteil von Gewissheit.

Cohen: Genau!

Wilber: Die Leere muss wirklich leer sein. Und je mehr wir die Stufen verstehen, desto besser verstehen wir, dass einige der Dinge, die wir als Leere betrachtet haben, lediglich die Struktur darstellten, mit der wir identifiziert waren.

Cohen: Und ist nicht der einzige Weg, wie wir diese Dinge jemals herausfinden können, der Weg des Engagements, durch intersubjektive Untersuchungen, durch Dialoge, Fragen und durch Selbstprüfung?

Wilber: Genau. 

Cohen: Es ist der einzige Weg, wo wir uns selbst dabei erwischen können, etwas als ?Leere? zu betrachten, was sich vor dem Hintergrund größerer Zusammenhänge als alles andere als leer herausstellt. Bei dieser Art von Untersuchung ist es beinahe unvermeidlich, dass uns alle möglichen sehr subtilen Konzepte aufgezeigt werden, die leer auszusehen scheinen, aber in Wahrheit das genaue Gegenteil davon sind.

Wilber: Ohne diesen intersubjektiven Kontext würde es einem nicht auffallen, dass man auf eine subtile Weise am Mythos des Vorhandenen festhängt. Und das passiert uns allen. Die Menschen haben den Impuls loszulassen, wenn sie die Leere, den offenen, nichtdualen Seinsgrund erfahren, doch sie bringen dann oft diese radikale Untersuchung nicht weiter voran.

Daher braucht es eine Gruppe Gleichgesinnter, eine Gruppe von Menschen, die auf dem gleichen Weg sind und vielleicht auch schon ein Stück weit voraus. Und jedes Mal, wenn jemand ein Stück weiter zu sein scheint als man selbst, dann sollte man sich dem als Lehrer zuwenden und sich bemühen, das eigene Verständnis auf diese Ebene zu heben, und dies ist ein fortwährender Prozess, weil, noch einmal, die Welt der Formen sich entwickelt.

Die Welt der Formen mag einfach nur leela sein, das göttliche Spiel, doch jedes neue Spiel hat die Eigenschaft, das vorangegangene Spiel zu transzendieren und zu beinhalten. Es gab also ein archaisches Spiel, dann ein magisches Spiel, dann ein mythisches Spiel, dann ein rationales Spiel, dann ein pluralistisches Spiel. Und jetzt spielt Gott ein neues Spiel, ein integrales Spiel, und wir bewegen uns in Richtung eines super-integralen Spiels.

06/2006 -mh/mf-