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24.7.2017 : 6:52 : +0200

Männerbewegung

aus: Eros Kosmos Logos, Krüger 1996, S. 309

Viele Männer zieht es heute gelegentlich in die Wildnis, wo sie Trommeln schlagen und sich den archaischen Bildern wieder anzunähern versuchen - der Mann als Krieger, Jäger, König, Wilder Mann und so weiter -, und manch einer fühlt sich dadurch wirklich bereichert, aufgeladen, neu verwurzelt. Unsere moderne Kultur hat diese archaische Holons zu häufig nur negiert, ohne sie zugleich auf annehmbare, organische Weise zu bewahren, und so ist
dieses ?Zurück zu den Wurzeln? durchaus angemessen und förderlich.

Aber, und darauf kommt es an, diese Männer agieren vom Raum der Rationalität aus, und diese Mythen sind für sie ein Als-ob, das sie spielen. Sie transzendieren die Mythen bei diesem Spiel, und wer das nicht tut, wer die Mythen also ernst nimmt, kann dadurch
in eine sehr unangenehme Lage kommen: Als Mythos ist der ?Wilde Mann? eine Sache; als aktuelles Rollenvorbild eine ganz andere.

Verblüffend finde ich aber, dass praktisch alle Frauen, die ich kenne, und alle Frauen, die über die Männerbewegung schreiben, höchst beunruhigt sind. Sie finden diese Bewegung abscheulich oder widersinnig oder albern oder obszön. Die liberalen Feministinnen sind schockiert, denn sie finden, dass Männer, die im Grunde hauptsächlich Unterdrücker sind, kein Recht haben, sich über irgend etwas zu beklagen; und wenn Männer sich zusammenfinden, was kann da schon anderes passieren, als dass sie die Kunst der Unterdrückung weiter verfeinern? Die radikalen Feministinnen, die sonst soviel Wert auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern legen, haben gerade diesen Unterschied wohl nicht so sehr im Sinn gehabt und winden sich ziemlich, wenn Stellungnahmen zu der ganzen Sache gefragt sind.

Ich sehe hinter all diesen Reaktionen eine durchgängige Befürchtung. Eine Horde Wilder Männer ist für die meisten Frauen, gleich welcher ideologischen Ausrichtung, etwas Erschreckendes, und das mit gutem Grund. Die immer noch körpernahen, instinktnahen, biosphärenahen archaischen Bilder stehen immer noch in engem Zusammenhang mit jenen starken biologischen Universalien, die den biosphärischen Männern immer die Herrschaft über die Frauen gesichert haben (ob sie es auf diese Herrschaft anlegten oder nicht). Nur in der Noosphäre ist Gleichheit überhaupt vorstellbar und auffindbar und durchsetzbar. Der Wilde Mann ist das biosphärische Männchen im Reich der Instinkte, wo der Köper regiert, wo das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern suspendiert ist, wo Kommunikation sich als ein Knurren und ein "Ho!? abspielt.

Und im Klang der Trommel, die aus dem Wald dröhnt, schwingen wohl für moderne Frauen eine Million Jahre der physischen Dominanz mit - kein Wunder, dass sie derartiges nicht gern hören.

02/2004 -mf/mh-