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Meditation
aus: Halbzeit der Evolution, Goldmann 1990, S. 366
Das ist kurz gesagt genau das, was Meditation bewirken soll: den mental-ichhaften Veränderungen [translation] Einhalt gebieten, damit die Transformation zu den überbewußten Bereichen beginnen kann. Ich habe an anderer Stelle bereits erwähnt, dass auch bei den heutigen Meditierenden Fortschritte gemäß der in diesem Buch zugrunde gelegten Stufenfolge der Bewußtseinsebenen erzielt werden. Das heißt:
Eine erfolgreiche und vollständige Meditation mündet zunächst ein in den psychischen Bereich der Intuition (5), dann in die subtilen Bereiche archetypischen Einsseins, des Lichtes und der Glückseligkeit (6), dann in die kausalen Bereiche der nichtmanifesten Versunkenheit (Samadhi) und durchdringender Erleuchtung (Prajna/Gnosis, Ebene 7), und schließlich in den allerhöchsten Bereich der vollkommenen Auflösung des separaten Ichempfindens in jeder Form, hoch oder niedrig, geheiligt oder profan, und der gleichzeitigen Auferstehung des Allesdurchdringenden Lebens oder GEISTES (der vor dem Ich, Geist, Seele und Welt da war, sie aber alle in einem nichtdualistischen und unverstellten Bewußtsein umfaßt, Ebene 8).
Was ich hier sagen will, ist, dass an der Meditation überhaupt nichts Okkultes oder Spukhaftes, geschweige denn psychisch Krankhaftes ist. Meditation ist einfach das, was ein Individuum im gegenwärtigen Stadium des Durchschnittsbewußtseins tun muss, wenn es sich über dieses Stadium hinaus entwickeln will. Es ist eine einfache und natürliche Fortsetzung evolutionärer Transzendenz: So wie der Körper die Materie transzendierte und der Geist den Körper, so transzendiert die Seele bei der Meditation den Geist, und dann transzendiert der GEIST die Seele.
Wenn wir alle die Evolution der Menschheit fördern und nicht nur die Früchte des Ringens der Menschheit in der Vergangenheit ernten wollen, wenn wir zur Evolution beitragen und nicht nur die Rosinen aus ihr herauspicken wollen, wenn wir an der Überwindung unserer Selbstentfremdung vom GEIST mitwirken und sie nicht einfach verewigen wollen, dann wird Meditation oder eine ähnliche wirklich kontemplative Praxis zu einem absoluten ethischen Imperativ, zu einem neuen kategorischen Imperativ.
Tun wir weniger als das, dann wird unser Leben zwar nicht unbedingt zu einem bösartigen Treiben, aber doch zu einem Zustand, in dem wir einfach die Bewusstseinsebene genießen, die die Helden der Vergangenheit für uns erkämpft haben. Wir leisten selbst keinen Beitrag, wir pflanzen nur unsere Mittelmäßigkeit fort.
02/2004 -mf-/-mh-


