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Meditative Traditionen
aus: Exzerpt D, S. 151
Meditative Traditionen verwenden eine Art struktureller Phänomenologie, wenn sie die Stufen einer meditativen Entwicklung beschreiben. Diese Art des Strukturalismus (eine Landkarte der dritten Person von meditativen Zuständen und Stufen der ersten Person) ist Teil ihrer Aussagekraft und Nützlichkeit (und ihres emanzipatorischen Interesses).
Doch diese meditativen Stufen werden durch ein spezifisches Paradigma hervorgebracht - die Tradition spiritueller Praxis -, aber dieses eine spezifische Paradigma enthüllt jedoch nicht die zahlreichen anderen Entwicklungslinien und ihre Stufen. Aus dem gleichen Grund leisten die Traditionen oft Hervorragendes bei der Betrachtung einer bestimmten Entwicklungslinie (kognitiv, meditativ, spirituell), liefern jedoch nur sehr magere Ergebnisse bei anderen Linien (psychosexuell, affektiv, musisch, mathematisch, soziale Fähigkeiten, intersubjektiv usw.).
Weil andere Linien und deren Ebenen nicht richtig verstanden werden, wird auch das Phänomen "Ebenen und Linien" - wo eine Person in einigen Linien sehr weit entwickelt sein kann, durchschnittlich in anderen, und sehr wenig in wiederum anderen -, kaum verstanden.
Jeglicher Fortschritt wird daher an einer einzigen Entwicklungslinie gemessen, und zwar an derjenigen, welche durch das meditative Paradigma hervorgebracht wird (mit oft schwerwiegenden Konsequenzen). Ähnlich verhält es sich mit dem wichtigen Phänomen der "Zustände und Stufen" (wo Zustände des Bewusstseins durch verschiedene Entwicklungs-stufen interpretiert werden), welches ebenso von keiner der Traditionen erfasst wird.
Außerdem sind die meditativen Stufen im wesentlichen subjektiv, und nicht so sehr intersubjektiv.
Diese meditativen Stufen sind das Ergebnis von Praktizierenden, die das Innere eines individuellen Bewusstseins beobachten, und nicht so sehr das Innere einer Gruppe. Das heißt, die Gruppe selbst wird nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet, sondern die Individuen der Gruppe, und damit wird auch nicht die kulturelle nexus-Agenz beobachtet, sondern nur die individuelle Agenz. Es werden keine interaktiven oder intersubjektiven Fähigkeiten beobachtet, und es wird daher auch nicht der intersubjektive Hintergrund erforscht. Diese können nur erkannt werden, wenn nicht die Individuen, sondern das Verhaltensmuster der Gruppe über einen Zeitraum verfolgt wird, etwas was keine der spirituellen Traditionen getan hat. Darüber hinaus war es für die Traditionen sehr schwierig, kulturelle Kontexte zu erkennen, da in den meisten Fällen jeder Mensch in einer prämodernen Kultur dieser einen Kultur angehörte.
Die phänomenologischen Stufen der Meditation (wie sie von den verschiedenen Traditionen beschrieben werden) sind daher einfach Klassen von inszenierten Phänomenen, Klassen welche - worauf die paradigmatische Erfahrung dieser Traditionen hinweist -, im allgemeinen in einer sequenziellen, stufen- oder wellenähnlichen Weise emergieren (das ist dasjenige, was die Traditionen selbst sagen). Doch dies sagt nichts über die Regeln oder Muster, welche diesen Phänomenen zugrunde liegen. Diese Muster werden durch einen über eine längere Zeit andauernden Ansatz der dritten Person gegenüber Wirklichkeiten der ersten Person erkannt, eine Ansatz den speziell die anspruchsvolleren Formen der modernen Entwicklungspsychologie verfolgen (deren Hauptmangel darin bestand, dass ihre Daten jenseits der zentaurischen Ebene sehr dünn wurden, weil sie am Anfang nicht die höheren Ebenen und Wellen des Bewusstseins studierten; aber diejenigen Stufen, welche sie studierten, wurden auf eine außerordentlich detaillierte Art und Weise erhellt, basierend sowohl auf subjektiven wie auf intersubjektiven Untersuchungen).
Aus all den oben genannten Gründen findet man innere Stufen einer meditativen Entwicklung, so wie sie von der heiligen Teresa, den Yoga Sutren des Pantanjali, den zehn Ochsenbildern des Zen, Abhinavagupta, den Sefirot usw. beschrieben wurden (der Stufenstrukturalismus der Grossen Kette); was man jedoch nicht finden wird, sind die inneren Stufen, wie sie von Jane Loevinger, Lawrence Kohlberg, Clare Graves usw. entdeckt wurden.
Für einen Integral Methodologischer Pluralismus ist all dies wertvoll, und hat seinen Platz in jedem integralen Modell
03/2004 -mf/mh-


