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25.5.2017 : 1:18 : +0200

Meme

aus: Ganzheitlich Handeln, Arbor Verlag, 2001 S. 164f.

Ich persönlich glaube, dass die zahlreichen Theorien über "Meme" ausgesprochen wirre Theorien sind. Sie behaupten ja alle im Grunde, Meme seien in den mentalen und kulturellen Bereichen aktive Einheiten einer Art natürlichen Auswahlprozesses, die auf ähnliche Weise übertragen werden wie ein Virus des Geistes, wobei das Überleben als funktionelles Passen wieder einmal die Messlatte ist. Ich habe da zahlreiche Einwände. Zum allgemeinen Gebrauch des Begriffs ist folgendes zu sagen:

sind Meme Einheiten, die in der Es-Sprache der dritten Person erklärt werden, weshalb sie die linksseitigen, innerlichen Quadranten von Ich und Wir nicht erfassen können.


sind Meme an sich klassische Beispiele für subtilen Reduktionismus, und die Verwendung dieses Begriffs schadet einer integralen Sache mehr, als sie hilft. Das hat folgenden Grund: Hat man das Bewusstsein erst einmal auf Es-Einheiten reduziert, dann ist wissenschaftlicher Materialismus und grober Reduktionismus kaum noch zu verhindern.

sind meme, wie sie im allgemeinen dargestellt werden, individuelle mental-kulturelle Einheiten. Daher ist die Theorie der Meme unfähig zu begreifen, dass jede existierende Einheit (anders als Haufen oder Aggregate) ein Holon ist, ein zusammengesetztes Einzelding mit einer darin eingefalteten spezifischen Entwicklung. Tatsächlich ist jedes Mem aus Subholonen zusammengesetzt, die durch eine vertikale Entwicklungsarchäologie und nicht blosss durch eine horizontale Geschichte miteinander verknüpft sind.

sind Meme also einfach die Einheiten des Geistes und der Kultur, wie sie von einer Flachland-Weltanschaung erdacht wurden. Das heisst, Meme sind entstellte und ungenaue zweidimensionale Bilder von vierdimensionalen Holons. Sie werden bildlich dargestellt als eindimensionale Viren, die sich in einer zweiten Dimension der Zeit vorwärtes bewegen und deren Überleben einem Auswahlprozess unterliegt, für welchen das funktionelle Passen das einzige Kriterium darstellt. In Wirklichkeit sind sie jedoch zumindest dreidimensionale Holons, das heisst, sie besitzen die Dimension des Ich, Wir und Es, oder ein Inneres (Ich), ein Äußeres (Es) und ein gemeinsames Inneres (Wir). Sie bewegen sich durch die vierte Dimension der Zeit und werden nach den Gültigkeitskriterien aller drei Dimensionen fürs Überleben ausgewählt, also nach den Gültigkeitensansprüchen der Großen Drei oder, genauer gesagt, denen aller vier Quadranten.

verwirft selbst innerhalb von Flachland die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler das Konzept der Meme, weil es ihm an operationalen Spezifizierungen mangelt.


Dennoch gebrauchen einige Leute den Begriff "Mem" in angemessener Vier-Quadranten-Weise. Don Beck ist einer von ihnen, und da wir hier die Spiral Dynamic vorstellen, muss ich die Terminologie der Meme verwenden. In mancher Hinsicht ist dies bedauerlich, denn wenn die Theorie der Meme einmal nicht mehr die intellektuelle Modeerscheinung sein wird, die sie heute noch ist, dann wird ihr Niedergang vermutlich alle mit ihr in Verbindung gebrachten Theorien mit sich reissen. Aus diesem Grund betone ich immer wieder, dass die Forschung stark die Vorstellung von Stufen oder Wellen der Bewusstseinsentwicklung unterstützt und "Meme" nur ein besonderer und kein besonders glücklicher Weg sind, dieser Forschung einen begrifflichen Rahmen zu geben. Beck geht sehr vorsichtig mit dem Begriff des Meme um, und ich bin mit seinen Formulierungen durchaus einverstanden. Doch ist er eine seltene Ausnahme.
Wann immer ich den Begriff "Mem" verwende, meine ich spezifisch ein mental-kulturelles Holon in einem bestimmten Quadranten.


aus Fussnote 10:

Beck verwendet Mem in einem spezifischen Sinn. Er nennt es ein "Wert-Mem" [original: "value-meme", kurz: v-meme] und definiert dieses als "ein Wertsystem, welches einen Kern bildet, eine Weltanschauung, ein Organisationsprinzip, welches Denkstrukturen, Systeme der Entscheidungsfindung und verschiedenartige Ausdrucksformen der Kultur durchdringt."Das Graves-Beck System unterscheidet nicht klar zwischen vorübergehenden und dauerhaften Strukturen, nicht zwischen grundlegenden und ichbezogenen Strukturen. In meinem eigenen System sind die Grundstrukturen dauerhaft und bleibende Fähigkeiten, die auf allen späteren Stufen voll verfügbar bleiben. Doch die meisten der ich-bezogenen Strömungen (wie etwas Moral, Wertvorstellungen und Ich-Identität) bestehen auf Übergangsstadien, die im allgemeinen durch darauffolgende Stufen ersetzt werden.(Allerdings können Unterpersönlichkeiten auf verschiedenen Ebenen oder in verschiedenen Memen existieren, so dass man in der Tat eine purpurne Unterpersönlichkeit, eine blaue Unterpersönlichkeit und so weiter haben kann. Diese werden oft von bestimmten Kontexten ausgelöst, so dass man recht unterschiedliche moralische Reaktionen, Affekte, Bedürfnisse und so weiter haben kann, je nach der jeweiligen Situation.) Was jedoch das zentrale oder proximative Selbst angeht, so wird es, wenn sein Schwerpunkt etwa Grün erreicht hat, nicht ein rein purpurnes Mem aktivieren, es sei denn, es befindet sich in einer Regression.Doch kann es die korrespondierenden Grundstrukturen des purpurnen Mem aktivieren (nämlich die emotional-phantasmische Ebene) und tut das auch ständig. Aktiviert ein grüner Erwachsener ein purpurnes Mem, dann ist dies nicht dasselbe Mem, das ein zweijähriges Kind besitzt. Für das Zweijährige Kind ist das purpurne Mem die Grundlage seiner zentralen Identität, sein proximatives Selbst (oder "Ich"), während es für den Erwachsenen Teil des distalen Selbst (oder "Mich") ist ........Daher würde ich zumindest zwischen "purpurnen Fähigkeiten" und dem "purpurnen Ich" unterscheiden; erstere sind dauerhaft, letztere vorübergehend. (Siehe auch Integrale Psychologie.)

01/2004 -mh-