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24.4.2017 : 21:00 : +0200

Ökologisches Bewußtsein

(aus: Exzerpt D: Seite 30 f.)

Entscheidend ist - was in ökologischen Ansätzen oft übersehen wird - , dass wir tatsächlich im Einklang mit der Natur leben können; das bedeutet jedoch, dass die Natur nicht der determinierende Faktor ist, und das wiederum bedeutet, dass ökologisches Bewusstsein nicht durch die Ökologie erklärt werden kann.

Das ist kein trivialer Punkt über ein paar Innerlichkeiten; es betrifft alle bewussten Individuen. Innerliche Landschaften und äußerliche Landschaften sind tatsächlich unterschiedliche Aspekte oder Dimensionen derselben Ereignisse - aber das "Unterschiedliche" ist ebenso real wie das "Gleiche".

Nehmen wir ein relevantes Beispiel: in menschlichen Wesen emergieren die wahren ökologischen Werte erst mit der Welle des grünen Mem der Bewusstseinsentwicklung, und gelangen erst mit Gelb zu ihrer vollen Blüte. Vor diesen Wellen der innerlichen Entwicklung gibt es kein weltzentrisches ökologisches Bewusstsein - es "ist zu hoch" für beige, purpur, rot und blau. Weltzentrische oder globale Ökologie ist dem Stammesbewusstsein des purpurnen Mem "zu hoch", welches - worauf Clare Graves hinweist - "verschiedene Namen für jede Biegung des Flusses hat, aber keinen Namen für den Fluss". Ebenso ist das globale ökologische Bewusstsein jenseits von roter Egozentrik, und auch jenseits von blauer mythischer Gruppenzugehörigkeit. Erst bei Grün emergiert ein derartiges Bewusstsein, und es erblüht erst mit Gelb - und nichts davon wird von der Ökologie selbst erfasst oder erklärt.

Mit anderen Worten: diejenigen Wirklichkeiten, welche die Emergenz des ökologischen Bewusstseins ermöglichen, werden von der Ökologie nicht erfasst. (Was der Grund dafür ist, warum die Reduktion der Wirklichkeit auf Ökologie in Wahrheit die ökologischen Wirklichkeiten zu Grunde richtet.)
Da diese Stufen innerlicher Entwicklung, welche zu der Fähigkeit eines ökologischen Bewusstseins führen, nur durch den Strukturalismus erhellt werden, folgt daraus, dass äußerliche Ökologie - um überhaupt effektiv sein zu können - von innerlichem Strukturalismus abhängig ist.

Ich und meine blauen Innerlichkeiten gehören zum örtlichen Lion's Club; du und deine gelben Innerlichkeiten gehören zum örtlichen Integralen Institut. Wir haben bereits gesehen, dass dies bedeutet, dass du und ich die innerliche Kultur bis hin zur blauen Ebene miteinander teilen; und wir können daher innerhalb eines sinnvollen "wir" Konversation bis zur blauen Ebene betreiben, weil die Zeichen und Bedeutungsträger, welche wir austauschen - bis zum blauen Welt-Raum - ausreichend ähnliche Referenten haben werden (und wir daher kulturelle Solidarität bis zu dieser Ebene miteinander teilen). Doch grüne und gelbe Symbole, Worte und Zeichen werden mir "chinesisch" vorkommen; ihre Referenten sind mir buchstäblich "zu hoch", und haben daher keine wirkliche Bedeutung für mich, wenngleich ich ihre Signifikanten hören kann. Ich befinde mich nicht innerhalb eines "wir", so dass meine Austauschbeziehungen bezüglich der Mustern dieser phänomenologischen Räume nicht intern sind. Ich kann buchstäblich nicht verstehen, worüber du sprichst. Deine gelben Werte beinhalten ein weltzentrisches oder globales ökologisches Bewusstsein; meine blauen Werte nicht. Wir leben im gleichen Ökosystem, aber nur einer von uns hat ein ökologisches Bewusstsein.

Jede wahrhaft integrale Ökologie wird sicher alle diese Tatsachen in Betracht ziehen. Damit nachhaltige Ökonomien im Einklang mit dem Ökosystem leben können, müssen menschliche Wesen über innerliche Ebenen verfügen, welche dieses ökologische Bewusstsein tragen können: es gibt keine nachhaltige äußerliche Entwicklung ohne die entsprechende innerliche Entwicklung; keine äußerliche Landschaft kann ohne die innerliche Landschaft, von der sie getragen wird, überleben.

Es nützt wenig, das weltzentrische Netz des Lebens zu betonen, wenn die Menschen immer noch auf der egozentrischen und ethnozentrischen Ebene ihrer innerlichen Entwicklung stehen - was bei alarmierenden 70% Prozent der Weltbevölkerung der Fall ist.

01/2004 -mf-