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27.5.2017 : 9:56 : +0200

Reinkarnation

(aus: Death, Rebirth and Meditation, Collected works vol. 4, Shambhala, S. 340f )

Die Tatsache, dass Reinkarnation durch Erinnerungen gewöhnlich nicht bewiesen werden kann, ist genau das, was wir erwarten: Spezifische Erinnerungen, Gedanken, Wissen usw. gehören zum Geist, [mind] und werden normalerweise bei der 'Seelenwanderung? nicht weitergegeben.
All das wird gewöhnlicherweise beim Tod mit dem Körper zurückgelassen... Was 'wandert?, ist die Seele, und die Seele ist keine Zusammenstellung von Erinnerungen, Gedanken oder Überzeugungen.

Folgt man der Mehrheit der Lehren der ewigen Philosophie, so hat die Seele zwei grundlegende Charakteristika: Erstens ist sie der Verwahrungsort der eigenen Tugenden (oder deren Mangel) ? d. h. des eigenen guten oder schlechten Karmas. Zweitens beinhaltet sie Bewusstseins'stärke', d.h. die Fähigkeit, die phänomenale Welt zu bezeugen - ohne Verhaftung oder Abwehr. Diese zweite Fähigkeit wird auch als 'Weisheit' bezeichnet.

Die Ansammlung dieser zwei Charakteristika -Tugend und Weisheit - bilden die Seele, und nur sie 'wandert' von Leben zu Leben. Wenn also Menschen behaupten, sich an ein vergangenes Leben zu 'erinnern', wo sie lebten, was sie dort taten usw., dann - folgt man den großen Religionen oder Zweigen der philosophia perennis - handelt es sich wahrscheinlich nicht um die Erinnerung irgendeines vergangenen Lebens. Lediglich Buddhas (oder tulkus), so wird gesagt, können sich gewöhnlich an vergangene Leben erinnern ? die große Ausnahme von der Regel. Selbst der Dalai Lama hat gesagt, dass er sich nicht an seine vergangenen Leben erinnert, was denjenigen, die das von sich behaupten, zu denken geben sollte...

Wenn die Seele erwacht bzw. sich im GEIST auflöst, dann 'wandert' sie nicht länger, sie ist 'befreit' bzw. sie erkennt, dass sie als GEIST überall und in allen Dingen reinkarniert ist. Doch wenn die Seele nicht zum GEIST erwacht, d.h. nicht erleuchtet ist, dann reinkarniert sie mit ihrer Ansammlung von Tugend und Weisheit...Und diese Kette von Wiedergeburten setzt sich fort, bis die Erfahrungen von Tugend und Weisheit einen kritischen Punkt erreichen, an dem die Seele erleuchtet wird bzw. befreit ist im GEIST, und die individuelle 'Wanderung' beendet ist...

Die verschiedenen Schulen der philosophia perennis stimmen grundsätzlich über die verschiedenen Stadien des Sterbeprozesses überein, und über die Erfahrungen die mit dem Durchlaufen dieser Stadien einhergehen: Sterben ist ein Prozess, in dem die Grosse Kette des Seins sich für das Individuum auflöst, von unten nach oben. Beim Tod löst sich der Körper in den Geist [mind] auf, der Geist löst sich in die Seele auf, und dann die Seele in den GEIST, wobei jeder dieser Auflösungsschritte durch bestimmte Ereignisse gekennzeichnet ist...

Dann kehrt sich dieser Prozess gewissermaßen um, und es wird - basierend auf den angesammelten karmischen Tendenzen - aus dem GEIST die Seele erschaffen, aus der Seele der Geist, und aus dem Geist der Körper - diese Schritte und Erfahrungen werden vergessen und man findet sich wiedergeboren in einem physischen Körper.

01/2003 -mh-