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17.10.2017 : 17:00 : +0200

Die Religionen als Förderband der Evolution

aus dem Dialog Cohen-Wilber in What Is Enlightenment? Juli-August 2006
siehe auch: Integrale Spiritualität ? Erstentwurf

Wilber: Das größte Problem der heutigen Welt besteht darin, dass siebzig Prozent ihrer Bevölkerung in der Ethnozentrik oder auch darunter gefangen sind, und zwar durch den Konflikt zwischen der Religion und der Moderne.

Wissenschaft und Moderne sitzen gewissermaßen auf diesem großen Bereich der traditionellen Weltreligionen oben drauf. Und es gibt diesen gewaltigen Konflikt, der Menschen davon abhält, ihren Glauben von bernsteinfarben (mythisch/ethnozentrisch)  zu orange (rational/weltzentrisch)  zu bringen.

Die religiösen Führer müssen anfangen zu begreifen, dass Religion als ein Förderband wirken kann ? sie holt die Menschen auf der archaischen, magischen und mythischen Ebene ab und kann ihnen dabei helfen, sich zu rational, pluralistisch, integral und noch weiter zu bewegen. Erinnern wir uns daran, dass jeder Mensch, wenn er geboren wird, immer mit dem kleinen 1 x 1  beginnt, und dass er sich durch alle diese großen Ebenen oder Wellen des Bewusstseins hindurch entwickeln muss.   Es wird immer Menschen mit magischen und mythischen Glaubensvorstellungen geben, und das ist in Ordnung. Doch Religion kann wie ein Förderband wirken und Menschen hin zu den höheren Strukturen bewegen, und das kann nur die Religion.

Die Rolle eines Förderbandes ist daher eine Möglichkeit für die Religion in der modernen und postmodernen Welt, an die bisher noch niemand gedacht hat. Ich finde, es wäre ebenso umwälzend wie revolutionär, wenn die Religionen darüber nachzudenken beginnen.

02/2006 -mf-