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25.7.2017 : 12:31 : +0200

Weltanschauungen - Ebenen - Integration

(aus: Ganzheitlich Handeln, S. 209, 128 Arbor Verlag, Übersetzung: Stephan Schuhmacher)

Um bei der Diskussion einer ebenenübergreifenden Analyse jegliches eurozentrische Vorurteil zu vermeiden, werde ich mich des Chakra-Systems bedienen. Doch ist diese Analyse für alle Entwicklungsentwürfe anwendbar, von der Spiral Dynamics bis zu Jane Loevinger zu Robert Kegan zu Jenny Wade zu Carol Gilligan. Und da diese grundlegenden Wellen praktisch universal sind, gelten sie gewiss für Menschen aus dem Westen wie aus dem Osten.


Da die sieben Chakras Ebenen der Wirklichkeit darstellen, können sie, wie von uns vorgeschlagen, zur Klassifizierung von Weltanschauungen verwendet werden, je nach dem Chakra, aus dem diese hervorgehen, und zahlreiche Theoretiker haben genau das getan. Um nur einige Beispiele von dem zu geben, was verschiedene Theoretiker vorgeschlagen haben, gibt es: materialistische Weltanschauungen wie die von Hobbes und Marx (sie stammen aus Chakra 1); vitale und pranische Weltanschauungen, etwa die von Freud und Bergson (sie stammen aus Chakra 2); von Macht beherrschte Weltanschauungen, etwa die von Nietzsche (sie stammen aus Chakra 3); rationale Weltanschauungen wie die von Descartes (Chakra 4); Naturmystik wie die von Thoreau (Chakra 5); Gottheitsmystik wie die von Theresia von Avila (Chakra 6); und formlose Mystik wie die von Meister Eckehart (Chakra 7).

So nützlich diese Klassifizierungen nach Ebenen des Bewusstseins auch sind, es gibt da gewisse Probleme, die sofort auffallen. Und der einzige Weg, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen, ist der, etwas einzuführen, was man als ebenenübergreifende Analyse bezeichnen könnte. Denn wir müssen einen Unterschied machen zwischen der Ebene, aus der eine Weltanschauung entsteht, und der Ebene, auf welche sie abzielt. Ein Beispiel: Marx wird oft als Beispiel für eine Form des Materialismus (Chakra 1) genannt, doch Marx selbst kommt nicht aus Chakra 1 oder existiert nicht auf der Ebene von Chakra 1. Auf dieser Ebene gibt es nur Steine, Erde, leblose Materie, die physische Dimension selbst (und die unterste Bewusstseinsebene, die diesem Bereich am nächsten steht, d.h. archaisch-beige). Marx ist ein sehr rationaler Denker. Er kommt aus Chakra 4 oder funktioniert auf der Ebene dieses Chakras. Nach Feuerbach jedoch glaubte Marx, die fundamentalen Realitäten der Welt seien
im wesentlichen materiell: Also kommt er aus Chakra 4, beschränkt seine Aufmerksamkeit jedoch auf Chakra 1. Ähnlich Freud: Sein anfängliches Libidopsychologie-Modell stammt aus Chakra 4, zielt jedoch auf Chakra 2. Sozusagen am anderen Ende haben wir die Deisten, die ebenfalls aus Chakra 4 kommen, jedoch auf Chakra 6 zielen (d.h. einen rationalen Versuch machen, den GEIST zu verstehen), und so weiter.

Mit anderen Worten: Dieses Klassifikationsschema gestattet uns sowohl die Bewusstseinsebenen ausfindig zu machen, auf der das Subjekt steht, als auch die Ebene der Realität (oder die Objekte), der das Subjekt die größte Wirklichkeit zuschreibt. Das bereichert sofort unsere Fähigkeit, Weltanschauungen zu klassifizieren. Darüber hinaus erlaubt es uns eine doppelte Charakterisierung - der Ebene des Subjekts und der Ebenen der Realität, die das Subjekt anerkennt. Man bezeichnet dies manchmal als die "Ebene der Ich-Identität" und die "Ebenen der Wirklichkeit" - oder einfach die Ebene des Subjekts und die Ebene des Objekts ...

Worauf es ankommt, ist folgendes: Vor allem im mittleren Bereich (Chakras 3, 4 und 5) kann das auf der Ebene des jeweiligen Chakras befindliche Subjekt oder Ich jedes beliebige andere Chakra (irgendeine der anderen Ebenen der Wirklichkeit) zum Objekt machen - darüber nachdenken, Theorien darüber bilden, Kunstwerke darüber machen, und das müssen wir berücksichtigen. Wenn wir davon ausgehen, dass sich nur die mittleren Chakras mit ebenenübergreifender Arbeit befassen (die unteren Chakras, beispielsweise Felsen, tun das nicht, und die höheren Chakras tendieren dazu, trans-mental zu sein, und auch wenn sie sicher mentale Theorien aufstellen können, wollen wir diese aus Gründen der Vereinfachung hier nicht beachten), dann bedeutet dies, dass die Chakras 3, 4 und 5 sich jedem einzelnen der sieben Chakras zuwenden können, was in jedem einzelnen Falle zu einer unterschiedlichen Weltanschauung führt. Das ergibt fünfundzwanzig größere Weltanschauungen, die auf den sieben strukturellen Bewusstseinsebenen im menschlichen Körpergeist verfügbar sind (jeweils sieben aus jedem dieser drei, und jeweils eine aus den anderen vier). Der Tatbestand, auf den es ankommt, ist der, dass sieben Ebenen mehrere Dutzend Weltanschauungen tragen können.

Und natürlich ist das erst der Anfang. Wenn die holonische Konzeption "alle Quadranten, Ebenen, Linien, Typen, Zustände und Bereiche" berücksichtigt, dann haben wir eben nur kurz Ebenen der Ich-Identität (oder des Subjekts) und Ebenen oder Bereiche der Wirklichkeit (oder Objekte) diskutiert. Was die Anzahl dieser Ebenen angeht, nenne ich im allgemeinen eine Zahl zwischen sieben (etwa die Chakras) und zwölf. Die genaue Anzahl ist nicht so wichtig wie die bloße Anerkennung einer echten Holarchie des Seins und Wissens.

Doch müssen wir immer noch die Quadranten in jede einzelne dieser Ebenen einbeziehen; die verschiedenen Linien oder Strömungen, die sich durch diese Ebenen erstrecken; die verschiedenen Orientierungstypen, die auf jeder Ebene verfügbar sind; und die vielen veränderten Zustände, die vorübergehend verschiedene Bereiche anzapfen können. Des weiteren erleben Individuen, Gruppen, Organisationen, Nationen, Zivilisationen allesamt verschiedene Arten von Entwicklung in Bezug auf jede einzelne dieser Variablen. Alle oben
genannten Faktoren tragen zu verschiedenen Typen von Weltanschauungen bei, und sie alle müssen berücksichtigt werden, um einen wahrhaft integralen Überblick über verfügbare Weltanschauungen zu liefern...

Oft werde ich gefragt, warum man überhaupt eine Integration der verschiedenen Weltanschauungen versuchen solle. Genügt es nicht, einfach die reiche Vielfalt verschiedener Anschauungen zu preisen und nicht zu versuchen, sie zu integrieren? Nun ja, Vielfalt anzuerkennen, das ist gewiss ein edles Bemühen, und ich unterstütze diesen Pluralismus aus ganzem Herzen. Verharren wir jedoch bloß auf der Stufe des Preisens der Vielfalt, dann fördern wir letztlich Zersplitterung, Entfremdung, Trennung und Verzweiflung. Du machst dein Ding, ich mache meins, und wir beide gehen getrennte Wege. Das ist oft unter der Herrschaft des pluralistischen Relativismus geschehen, der uns den postmodernen Turm zu Babel an allzu vielen Fronten hinterlassen hat. Es genügt eben nicht, nur zu wissen, auf wie viele Weisen wir uns voneinander unterscheiden. Wir müssen darüber hinausgehen und beginnen zu erkennen, in wie vieler Hinsicht wir uns ähnlich sind. Sonst tragen wir einfach zum Haufen-ismus bei, nicht zum Holismus. Aufbauend auf der vom pluralistischen Relativismus angebotenen reichen Vielfalt, müssen wir den nächsten Schritt tun und jene Stränge zu einer holonischen Spirale vereinheitlichender Verknüpfungen zusammenweben, zu einem verwobenen KOSMOS wechselseitiger Vernetzung. Wir müssen, kurz gesagt, vom pluralistischen Relativismus zum universalen Integralismus übergehen - wir müssen nach dem ?Einen in der Vielfalt" suchen, das die Form des KOSMOS selbst ist.

Das ist meines Erachtens der Grund, warum wir versuchen sollten, derartige integrative Anschauungen zu finden. Wird uns das jemals vollständig gelingen? Niemals. Sollen wir es trotzdem weiter versuchen? Immer. Warum? Weil die Absicht, das Eine in der Vielfalt zu finden, unser Herz und unseren Kopf auf das Eine in der Vielfalt einstimmt - jenes Eine, das der GEIST selbst ist, wie er sich strahlend in der Welt manifestiert.

04/2004 -mf/mh-