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27.5.2017 : 9:54 : +0200

Typen

(aus: DVD Reihe Essential Integral course 6, zusammengestellt von Michael Habecker)

Einführung

Typen oder Typologien sind einer der fünf Grundbausteine von Ken Wilbers integraler Perspektive und Weltsicht. Sie sind damit, neben den Quadranten, Entwicklungsebenen, Entwicklungslinien und Zuständen, ein unverzichtbarer Bestandteil des Verstehens von Wirklichkeit. Doch was genau sind Typen, und welchen eigenständigen Beitrag leisten diese zum integralen Gesamtbild? Diese Frage hat Wilber bisher nur allgemein beantwortet, die Typen sind das in seinem bisherigen Werk am wenigsten beschriebene Element, und es konnte der Eindruck entstehen, sie wäre ein „fünftes Rad am Wagen“. Mit der Veröffentlichung der DVD Reihe Essential Integral zu Beginn 2009 ändert sich das nun. Eine der insgesamt acht DVDs (course 6) beschäftigt sich ausschließlich mit den Typen, und der Inhalt dieser DVD soll im folgenden Beitrag vorgestellt werden.

Typen sind Varianten, unterschiedliche Orientierungen und horizontale, d. h. heterarchische Unterschiede ganz allgemein. Wenn wir uns eine beliebige Entwicklungsebene und ihre Strukturmerkmale vorstellen, dann beschreiben uns diese Merkmale die generellen Charakteristiken dieser Ebene, z. B. die soziozentrische Orientierung der bernstein Entwicklungsstufe, oder die Charakteristik des grünen Mems, doch die Menschen, die sich z. B. auf der grünen Entwicklungsstufe befinden, denken, lieben, handeln, arbeiten und spielen auf ganz unterschiedliche Weisen. Der Beschreibung dieser Unterschiedlichkeiten widmen sich die Typen. Typologien sind, technisch gesprochen, ein Ausdruck horizontaler Varianz. Im oberen linken Quadranten finden wir sie als Charakteristiken, Gewohnheiten und Eigenschaften, die sich gruppieren oder kategorisieren lassen (und die von anderen AQAL Komponenten noch nicht abgedeckt sind.) Typologien haben Oberflächen- und Tiefenmerkmale und können daher, wie die anderen AQAL Elemente auch, sowohl zur Beschreibung von Unterschieden wie auch von Ähnlichkeiten/Gleichheit der Menschen herangezogen werden. Es geht dabei darum zu verstehen und anzuwenden, wie Menschen (und nicht nur Menschen, sondern auch andere Phänomene) sowohl ähnlich/gleich wie auch unterschiedlich sind, und zwar auf allen Entwicklungsebenen und in allen Perspektiven. Das Erkennen von Ähnlichkeiten erlaubt Vergleiche zu ziehen, und das Erkennen von Unterschieden vermeidet Schubladendenken. Dadurch kann das Verständnis darüber vertieft werden, warum Menschen fühlen und handeln, wie sie handeln. In diesem Sinne runden Typologien das integrale Repertoire ab. Sie ermöglichen es uns, in die wunderschönen Verbindungen zwischen Menschen hineinzufühlen.

Dabei stehen wir gleich zu Beginn der Thematik vor einer großen Herausforderung, die in der großen Anzahl von Typologien besteht. Es gibt viele 2er, 3er, 4er, 5er usw. Typologien. Die integrale Landkarte hat selbst keine „eigene“ Typologie, sie macht hingegen Raum für alle typologischen Kategorisierungen. Weil es so viele unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten gibt, gibt es so viele unterschiedliche Typologien, von denen sich nur wenige in eine Beziehung zueinander setzen lassen. Bei der Arbeit mit Typologien ist daher eine zentrale Frage: Was möchte ich lernen/verstehen (Unterschiede, Gleiches oder beides), und welche Typologie ist für diese Fragestellung am besten geeignet?

Theorie

Typen sind unterschiedliche Stimmen oder Essenzen, die als Potenziale in jedem von uns (unabhängig von unserer Struktur- und Zustandsentwicklung) angelegt sind (OL). Wir können nicht jeden Typ verkörpern. Die meisten Menschen sind innerhalb eines Systems einem Typus zuzuordnen. Einige Typen gehören zu bestimmten Entwicklungsbereichen (ein Säugling kann nicht einem Persönlichkeitstypus zugeordnet werden, und ein Kind kann noch keinem Freud’schen Charaktertyp zu geordnet werden, wenn es sich noch nicht zu der Stufe entwickelt hat, auf welcher erst die Eigenschaften, die von einer Typologie beschrieben werden, hervortreten.) Typen sind verfügbar, wenn die Ebenenkapazitäten, welche die Typologie beschreibt, verfügbar sind. (Ausnahmen gibt es meist auf den ganz frühen oder den höchsten Entwicklungsebenen). Die Diversität von Typen und Typologien entspricht der Diversität menschlicher Ausdrucksmöglichkeiten, welche die Typologien zu beschreiben versuchen.

Die Existenz von Typen ist ein Tiefenstrukturmerkmal des Kosmos (wie Ebenen, Linien, Zustände und Quadranten). Doch es gibt keine Mastertypologie oder universelle Typologie, die alles beschreibt. [1] Wir werden mit den Typologien nicht so etwas wie (genau) vier Quadranten oder fünf Hautzustände finden.

Typen sind ganz allgemein unterschiedliche Aspekte, Dinge oder Arten, die in allen Quadranten und auf jeder Ebene verfügbar sind. Dies führt uns zu unserem ersten Prinzip:

Typologien gibt es in jedem Quadraten. Typologien sind weiterhin unabhängig von der Zustands- und Strukturentwicklung verfügbar (mit den erwähnten Ausnahmen).

Weitere Prinzipien, die für alle Typologien zuzutreffen scheinen, sind:

  • Typen zeigen sich typischerweise in einem System „Typologie“.
  • Typen können als Optionen für eine horizontale Varianz von Ausdrucksmöglichkeiten angesehen werden. (Typen sind keine Ebene, sie haben keine vertikale Dimension, ein Fehler der oft gemacht wird.)
  • Typen drücken sich unterschiedlich auf unterschiedlichen Ebenen aus, manchmal sogar sehr unterschiedlich, doch sie selbst haben kein vertikales, transformatives Element.
  • Typen in Typologien und zwischen Typologien könne sich überlappen, oder auch gänzlich unvereinbar miteinander sein.
  • Typen haben gesunde und ungesunde Ausdrucksmöglichkeiten. Bei einem Vergleich zwischen den Quadranten müssen wir vorsichtig sein. Typen von Wolkenformationen im unteren rechten Quadranten sind auf eine ganz andere Weise gesund oder ungesund wir Typen im oberen linken Quadraten.
  • Typologien zeigen eine große Varianz über die folgenden Faktoren: Merkmalsbereite (2 wie yin/yang, 9 wie Enneagramm, 36 wie Bachblüten) Geltungsbereich (beziehen sich nur auf eine spezifische Dimension oder auf verschiedene); Gültigkeit (manche scheinen ausgedacht, andere erforscht); Anwendbarkeit (manche funktionieren für Business oder Beziehungen, andere nicht); Integration (mehr oder weniger kohärent als ein System).

Beispiele für Typologien in allen Quadraten:

  • Unten Links – Typen von Beziehungen: m/m, f/m, f/f, oder Enneagramm-Kombinationen in Beziehungen; Typen von Religion: exoterisch, esoterisch, oder Naturreligion, Hinduismus, Buddhismus, Islam, Judentum, Christenheit; Typen philosophischer Schulen: analytisch, kontinental, epikurisch, stoisch, skeptisch, neoplatonisch, positivistisch, hermeneutisch, postmodern; Gendertypen: maskulin, feminin, androgyn; Managementstile;
  • Oben Rechts – Typen von Physiologie und Verhalten: männlich, weiblich; Körpertypen (endomorphisch, mesomorphisch, ektomorphisch); bioenergetische Typen (nach Alexander Lowen); Blutgruppen (a, b, ab 0), Geschlechtstypen (xx, xy).
  • Unten Rechts – Typen von Kommunikationsaustausch: Zeichen- und Energieaustausch (grobstofflich und subtil), Körpersprache; Regierungstypen: Anarchie, Kapitalistisch, Kommunistisch, Demokratie, Diktatur, Monarchie, Republik, totalitärer Staat, transitional, revolutionär, föderalistisch; Typen von Ökosystemen: Korallenriffe, Eiswüsten, Tundra, Taiga, Regenwald, Wüste Savanne; Systeme (offen, geschlossen, dynamisch, organisch, adaptiv, autopoietisch, psychisch, interaktiv, sozial, lebendig); Sprachtypen (bezogen in diesen Quadranten auf die konkret gesprochenen oder geschriebenen Worte: indioeuropäisch, romanisch, nadja-kongo, austraeanisch, sinotibetisch, englisch, spanisch, deutsch, japanisch;
  • Oben Links – Bewusstseins- und Persönlichkeitstypen: maskulin, feminin, Enneagramm (9 Persönlichkeitstypen), Myers Briggs (16 Persönlichkeitstypen), freud’sche Charaktertypen, (oral, anal, phallisch, genital); Lernstile. Weniger erforscht, aber weit verbreitet sind: astrologische Wissenschaft, die vier Temperamente (cholerisch, sanguin, melancholisch, phlegmatisch); aryuvedische Körper-Geist Typen (vata, pitta, kapha)

[Der Kurs Essential Integral widmet sich danach schwerpunktmäßig den OL Typologien, weil diese am hilfreichsten sind, wenn es darum geht, menschlichen Ausdruck zu verstehen.]

Die Typologie maskulin - feminin

Hierbei handelt es sich um die wahrscheinlich grundlegendste und universellste Typologie.

Maskuline und feminine universelle Prinzipien oder Essenzen sind die wohl komplementärsten oder einander entgegengesetzten Kräfte des Kosmos.

Maskulin und feminin ist nicht das Gleiche wie Sexualität oder Gender, das ist wichtig zu unterscheiden. Es sind energetische Essenzen des oberen linken Quadranten. Maskulin und feminin existieren von Beginn des Universums an, zu allen Zeiten, in allen Kulturen, sowohl im individuellen wie auch im kollektiven Bereich. Einige Metaphern und Analogien für maskulin und feminin:

Leere und Form

absolut und relativ

Sein und Werden

Eros und Agape

Yin und Yang

Himmel und Erde

Osiris und Isis

Shiva und Shakti

Parusha und Pakriti

Animus und Anima

Objektiv und Subjektiv und sogar

individuell und kollektiv

 

Wenn wir diese Entsprechungen nicht zu eng sehen [hold them lightly], dann ist es leicht zu erkennen, wie grundlegend die kosmischen Energien diese Essenzen sind.

Für unseren Zweck der Untersuchung von maskulin und feminin als eine Typologie im oberen linken Quadranten zeigen sich diese Essenzen sowohl auf gesunde wie ungesunde und funktionale wie dysfunktionale Weisen.

Es ist ganz wichtig zwischen maskulin/feminin einerseits und männlich/weiblich andererseits zu unterscheiden. Letzteres bezieht sich auf biologische Unterschiede, Ersteres bezieht sich auf Essenzen, die von Menschen beiderlei Geschlechts verkörpert werden können. Dennoch tendieren mehr Männer dazu eine maskuline Essenz zu haben, wohingegen mehr Frauen zu einer femininen Essenz tendieren. Da wir es hier aber mit einem Kontinuum zu tun haben, besteht keine Ausschließlichkeit. Wir kennen Männer wie Frauen, die beide Essenzen in sich verkörpern.

Die meisten typologischen Merkmalsausprägungen können sowohl in gesunden wie auch in ungesunden Formen auftreten. Die folgenden Beschreibungen beschäftigen sich mit den gesunden und den ungesunden Ausprägungen sowohl des Maskulinen wie des Femininen. Man/Frau kann beim Lesen in eine fühlende Resonanz mit diesen Beschreibungen gehen, und so eine Eigenerfahrung bezüglich der Frage machen: Auf welche Weise lebe ich meine maskuline und feminine Essenz? 

Das gesunde Feminine (in Männern und Frauen)

Das gesunde Feminine ist beziehungsbetont, Beziehungen spielen eine wichtige Rolle. Verbindungen und das Nähren anderer definieren den femininen Typ. Stärke wird durch Kommunion gefunden, als das miteinander Teilen von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen. Das Verhalten im femininen Typus ist weniger direktiv, und der Wunsch bestimmte Ergebnisse zu erzielen steht im Zusammenhang mit deren Auswirkungen auf andere. Die feminine Essenz ist sich der wechselseitigen Verbindung von Individuen bewusst und kultiviert diese. Emotionen und Selbstempfinden sind beeinflusst und in vielerlei Weise ein Ergebnis der Verbindung zu anderen. Individuen mit einer femininen Essenz erleben sich in der Fülle – Fülle in Beziehungen, Verbindungen, im emotionalen Ausdruck und in den Gefühlen. Praktiken wie Hingabe, Tanz und Kunst und eine erfüllte und authentische Verkörperung, als eine absteigende Bewegung der Liebe, nähren die feminine Essenz. Weitere Charakteristiken des Femininen sind: organisch, nicht zu sehr differenziert, beziehungsorientierte Motivationen und Antriebe. Es gibt eine gesunde, aber nicht zu starke Abgrenzung, und eine flexible Individualität. Das gesunde Feminine ist spielerisch, nicht überrational, spontan, offen für das Unerwartete, nachgebend und interessiert, manchmal rebellisch, schelmisch, und oft ekstatisch.  

Das ungesunde Feminine (in Männern und Frauen)

Das ungesunde Feminine verliert sich in Beziehungen, hat Angst vor dem Alleinsein, und ist unfähig außerhalb einer Beziehung zu leben. Typische Symptome sind: Co-Abhängigkeit, Symbiose, emotionale Verschmelzung, die Unfähigkeit die eigenen Emotionen von denen der Partner zu unterscheiden, Verlust von Individualitätsgefühl. Eine Differenzierung von anderen fällt schwer. Ängste treten auf bei der Vorstellung autonom zu existieren und Entscheidungen alleine zu treffen. Emotionen und Handlungen geraten leicht aus der Kontrolle, und es besteht eine Tendenz zu Depression, Gefühlstaubheit und einer abgestorbenen Libido. Das ungesunde Feminine ist unfähig, sich aus einer Gemeinschaft herauszubewegen. 

Das gesunde Maskuline (in Männern und Frauen)

Das gesunde Maskuline betont Autonomie, als eine Freiheit von äußerlicher Kontrolle oder äußerem Einfluss. Es handelt nach objektiven Moralmaßstäben und nicht unter dem Einfluss von Wünschen und Wollen. Stärke wird durch Agenz gefunden, und es geht mehr um das Tun als um das Sein. Das Handeln ist ergebnisorientiert, und Unabhängigkeit und Unbeeinflussbarkeit sind wesentlich. Das Selbstverständnis kommt aus sich selbst heraus und nicht von äußeren Einflüssen. Freiheit bedeutet dabei auch die Freiheit von Kontrolle und dem, was andere wollen oder nicht wollen. Das gesunde Maskuline ist auf dem Aufstiegsweg unterwegs, mit dem Ziel der Befreiung von relativen Bedingtheiten, Egoanhaftungen und Leiden. Es bestehen eine gesunde Durchsetzungsfähigkeit und die Tendenz zu Differenzierungen, zum Schaffen von Ordnungssystemen, zu Unterscheidungs- und Urteilsfähigkeit und zur Vernunft.

Das ungesunde Maskuline

Das ungesunde Maskuline tendiert zu Entfremdung und Trennung von anderen, zu Isolation und Depersonalisation. Die Selbstempfindung ist gestört und verzerrt, Emotionen sind unterdrückt. Eine Überbetonung von Agenz führt zu dominantem Kontrollzwang und zu destruktiver Aggression. Zielorientiertheit wird zum Zwang, eine Überbetonung von Unabhängigkeit führt zu Beziehungs- und Bindungsangst. Es besteht die Unfähigkeit sich auf andere zu beziehen (in intimen Beziehungen). Die Überbetonung von Freiheit kann zu Selbstzerstörung durch Drogen, Alkohol und Verbrechen führen. Zielgerichtetes Verhalten auf Kosten des Lebens führt zur Ausbeutung der Natur. Die Unfähigkeit die Perspektiven anderer einzunehmen führt zu Rücksichtslosigkeit, aus Kreativität wird Destruktion.   

Reflektion:

  • Wer bist du im Herzen deines Wesens, im Besten wie im Schlimmsten? (Eine sichere Methode dies herauszufinden ist, den Partner oder die Partnerin zu fragen. J) 
  • Wie verläuft das Kontinuum des Selbstausdrucks von Maskulin zu Feminin und von ungesund zu gesund bei dir?
  • Welche Umstände lösen welchen Typus bei dir aus, wie ist deine typologische Dynamik, und was ist dauerhaft?

(In einer weiteren Differenzierung wird die maskulin/feminin Typologie in ihren gesunden und ungesunden Ausprägungen mit einer weiteren Typologie kombiniert, von „statisch“ und „dynamisch“, als einem Beispiel für eine Kombination von Typologien mit insgesamt 8 Merkmalsausprägungen. Ein weiteres Beispiel einer Kombinationstypologie wäre die von Myers Briggs, bei der die vier Funktionstypen (Denken/Fühlen, Sensorik/Intuition), mit den Attributen introvertiert/extravertiert und rational/irrational kombiniert werden.)

Typen und Stufen

Die Kombination von Typologien mit Entwicklungsmodellen führt zu sehr viel umfassenderen Aussagemodellen, und „befreit“ sowohl die Typologien wie auch die Entwicklungsmodelle von den Begrenztheiten ihrer Möglichkeiten.

Das Wesentliche, die Essenz einer Typologie bleibt auf jeder der Entwicklungsstufen erhalten, verändert sich jedoch substantiell auf jeder der Stufen. An einem einfachen Beispiel der drei Entwicklungsstufen traditionell, modern und integral:

Stufe 1: Traditionell: strenges Festhalten an Geschlechterrollen Die maskuline Essenz (hier fast immer männlich) tendiert in den öffentlichen Bereich, und die feminine Essenz (hier fast immer weiblich) tendiert zum privaten Bereich.

Stufe 2: Modern: Es erfolgt eine Differenzierung von den Co-Abhängigkeiten und Machtkämpfen der Stufe 1, zu einem gesunden Maskulinen und Femininen. Das Geschlecht spielt dabei immer weniger eine Rolle, und es entstehen Co-Unabhängigkeit und Kooperation.

Stufe 3: Integral: Auf dieser Stufe entsteht eine wahrhaft trans-konventionelle Beziehung zwischen Maskulinem und Femininen. Die maskuline Hingabe an eine Mission und das Feminine Verlangen zu lieben ergänzen sich. Beide Essenzen können eine starke Polarität bilden und fließen frei und ungehindert.

Ein Beispiel der femininen Eigenschaft „Kultivierung von Beziehung [interdependance] für die Entwicklungsstufen egozentrisch, ethnozentrisch und weltzentrisch: 

Stufe 1: egozentrisch: es geht um meine Beziehung und Interdependenz. Es geht um die eigenen Bedürfnisse durch die Beziehung mit anderen.

Stufe 2: ethnozentrisch: Beziehung und Interdependenz stehen im Dienst von „unseren“ Bedürfnissen.

Stufe 3: weltzentrisch: die Kultivierung von Beziehung und Interdependenz umfasst „uns alle“. Es besteht eine Verbindung zu allen Menschen.

Auf eine ähnliche Weise lassen sich alle Typencharakteristiken darstellen, was ihnen ihre Eindimensionalität nimmt, und ihre Entfaltung im Entwicklungsstrom verdeutlicht. 

Quadrantenorientierung

Als ein weiteres Beispiel einer typologischen Anwendung stellt der Kurs die Quadratenorientierung vor, bei der die Quadranten als eine Vierertypologie angewendet werden. Entwickelt wurde diese Übungspraxis von Integral Coaching Canada. (Siehe hierzu die Ausgabe 20 des Online-Journals mit dem Themenschwerpunkt „Integrales Coaching“ und einer Vorstellung der Quadrantenorientierung. Dabei handelt es sich um Typologien von (und nicht in) Quadranten, nicht als ein Absolutismus oder Reduktionismus, sondern als eine Präferenz). Ein Quadrantentyp ist in der Sprache der integralen Theorie eigentlich ein Quadrivium [2], als eine Perspektive, von der aus wir instinktiv aus dem Augenblick heraus Bedeutung finden, egal ob es sich um ein Streitgespräch mit dem Partner, eine Geschäftssituation, oder das Betrachten der Nachrichten im Fernsehen handelt. Es ist eine Typologie, die Menschen nach ihrer bevorzugten Quadrivium Perspektive (zur Bedeutungsfindung) einteilt.

Die Ausgangsfrage dabei ist: Welcher Einschätzungstyp wird bevorzugt, wenn man Phänomenen begegnet?

Man kann jedes Ereignis oder Phänomen durch die vier Perspektiven sehen, z. B. einen Raum (OR) aus einer ästhetischen Perspektive, als eine OL ästhetische Einschätzung über ein Objekt, welches im OR Quadranten oder Bereich hervorgerufen [enactet] wird. Für den OL Quadranten wäre die Aussage „meine Gedanken fühlen sich unangenehm an“ ein Beispiel. 

Reflektion: Woraus orientierst du dich instinktiv?

 

Die folgende Darstellung gibt Beispiele für die vier Quadranten: Wenn wir eine Präferenz für einen der Quadranten haben, dann setzen wir alles in Bezug zu ...

 

Die eigene Quadrantenorientierung ist meist unbewusst. Hier ein paar Beispiele für das Schauen aus einer Präferenzperspektive auf alle vier Perspektiven:

Das Schauen durch OL

Die Einschätzungspräferenz ist: Persönliche Bedeutung, persönliche Werte, innerliche Erfahrungen, individuelle Motivation und das, was für einen selbst von tieferer Bedeutung ist.

  • Durch OL auf OR: Was würde es bedeuten dies zu tun? „Ich muss mir über meine Absichten klar werden, bevor ist weiß, was ich zu tun habe.“
  • Durch OL auf UR: Gibt es eine tiefere Bedeutung darin, wie die Ereignisse in der Welt zusammenpassen?
  • Durch OL auf UL: Ist diese Beziehung von Bedeutung? Wenn nicht, dann bin ich daran nicht interessiert. Sinnvolle Beziehungen sind inspirierend.
  • Durch OL auf OL: Sind die Gefühle und Gedanken, die ich erlebe, von Bedeutung?

Das Schauen durch UL

Die Einschätzungspräferenz ist: gemeinschaftlicher Bedeutung, Vision und Resonanz; gemeinsame Verbindungen; Zugehörigkeit, Kameradschaft; unsere Sichtweise ist wichtiger als meine Sichtweise.

  • Durch UL auf OL: Was für mich von Bedeutung ist, wird klar, wenn ich verstehe, was die Gruppe darüber fühlt. Meine Bedeutung entstammt der gemeinschaftlichen Bedeutung. Was ist die Bedeutung dessen, was ich fühle, für uns alle?
  • Durch UL auf OR: Ich tue, was für die Gruppe notwendig ist. Meine Prioritäten definieren sich über die Gruppenprioritäten. Meine Arbeitsenergie nimmt zu, wenn ich weiß, wie das, was ich tue, anderen nützt. Wie fühlen wir uns gegenüber unseren individuellen Handlungen? Welchen für uns bedeutungsvollen Einfluss hat das Verhalten eines jeden Einzelnen?
  • Durch UL auf UR: Mich interessieren Systeme, Rollen und Abläufe, wenn ich erkennen kann, wie wir dadurch besser zusammenkommen können. Ergebnisse spielen eine Rolle, wenn sie mir zeigen, wie „wir“ dabei abschneiden.
  • Durch UL auf UL: Was mich interessiert ist, was wir über unsere Beziehung fühlen. Stimmen wir in dem überein, was wir fühlen?

Das Schauen durch UR

Die Einschätzungspräferenz ist: Alles wird gesehen und in Verbindung gebracht mit einer systemischen Sichtweise – wie alles miteinander zusammen hängt. Es geht um die Ziele, Prozesse, Rollen, und Ergebnisse der Gruppe, und deren Unterstützungsstrukturen.

  • Durch UR auf OR: Wie beeinflussen meine Handlungen das gesamte System? Ich brauche eine umfassende Landkarte, die mir aufzeigt, wo ich im Bezug zum großen Ganzen stehe.
  • Durch UR auf OL: Meine eigenen Werte und Visionen werden deutlich, wenn ich den Gesamtzusammenhang erkenne. Bedeutung entsteht für mich, wenn ich zuerst das Ganze sehe und dann meinen Teil darin, mich selbst und meine Werte.
  • Durch UR auf UL: Konversationen sind der Bereich um zu besprechen, wie Dinge funktionieren. Interaktion ist dann interessant für mich, wenn es ein gemeinsam geteiltes Wissen gibt, das mein Verständnis der Dinge erweitert.
  • Durch UR auf UR: Funktioniert unser gegenwärtiges System? Das Verständnis darüber, wie alles miteinander funktioniert, wird am besten erreicht durch einen strukturierten Prozess sorgfältiger Überlegungen.

Das Schauen durch OR

Die Einschätzungspräferenz basiert auf individueller Aktion und Verhalten, dem Wert dessen, was erreicht und produziert wird, und der Menge an zur Verfügung stehender Energie.

  • Durch OR auf OL: Was muss ich tun, um meine Bewusstheit zu vertiefen? Wie kann ich meine Bestimmung feststellen, meine Absichten und das, was für mich von Bedeutung ist?
  • Durch OR auf UL: Was sollten wir tun? Produktivität tut mir gut, und ich möchte produktive Menschen in meinem Team. Was ist mein Beitrag zu unseren gemeinsamen Anstrengungen?
  • Durch OR auf UR: Das Erkennen größerer Zusammenhänge lässt mich meine Aufgabe darin erkennen, und wie sie zum Ganzen beiträgt. Die Arbeit in einer angenehmen Umgebung ist energetisierend.
  • Durch OR auf OR: Was muss ich tun, um meine Handlungsfähigkeiten zu steigern? Gebe ich wirklich alles bei der Erledigung einer Aufgabe?

 

In einer Verfeinerung dieser Quadrantentypologie werden dann noch ein primärer Quadrant (wo ich herkomme) und ein sekundärer Quadrant (wo ich hingehe) voneinander differenziert. Dies führt zu einer 16er Typologie von primären und sekundären Quadranten.

Weitere Untersuchungsfragestellungen in diesem Zusammenhang wären:

  • In welcher Beziehung stehen unterschiedliche Typen zueinander? (z. B. die Essenzen maskulin/feminin und die Quadrantenorientierung)
  • Wie wirken sie sich in unterschiedlichen Situationen aus?
  • Wie zeigen sie sich auf den unterschiedlichen Entwicklungsebenen?

Anwendung

Wie lassen  sich typologische Modelle konkret anwenden?

Dabei gilt es, sich zuerst darüber klar zu werden, welches Thema mit welcher Typologie in welcher Komplexität behandelt werden soll.

Aus der Wahl des Themas ergibt sich, welche typologischen Systeme dafür geeignet sind. Fragen zur Komplexität können die anderen AQAL Elemente betreffen: sollen z. B. die Ebenen mit einbezogen werden, und wenn ja, unter Hinzuziehung welches Entwicklungsmodells?

Ein einfaches Anwendungsbeispiel einer Typenanalyse mit einem Beziehungsthema und dem Typus maskulin/feminin (eine M/F Typenanalyse ist ideal für private oder berufliche Beziehungen). Bei dieser Übung geht es darum, verborgende Einsichten oder Dynamiken ans Licht zu bringen.

Stelle dir dazu einen Partner (privat oder beruflich) vor, mit dem du in Beziehung stehst. Die Beziehung kann gleich- oder gegengeschlechtlich sein.

Schritt 1: Wähle dein Thema, und definiere es „vom Herzen her“ klar und deutlich.

  • Welch(e) Person(en) spielt/spielen dabei eine Rolle?
  • Welche Person hauptsächlich (mit der du die Übung machst)?
  • Worin bestehen das Problem, das Thema oder die Herausforderung?
  • Beschreibe in einigen wenigen Sätzen das Wesentliche der Situation.
  • Wann und wo tritt das Problem vorrangig auf?
  • Beschreibe den Kontext der Situation und Thematik.

Schritt 2: Maskulin oder feminin?

  • Ziehe zwei Linien auf einem Blatt Papier, welche visuell das Spektrum maskulin/feminin repräsentieren (maskulin links und feminin rechts). Schreibe deinen Namen an eine der Linien, und den Namen der anderen Person an die andere Linie.
  • Versuche die Kernessenz, maskulin oder feminin, zu nennen, die du und die andere Person verkörpern, und markiere ihre Position auf der Linie. (Wir befinden uns auf einem Kontinuum, doch Menschen tendieren dazu jeweils das eine oder andere mehr zu verkörpern, es gibt nur sehr wenige ganz ausgewogene 50/50 Typen). Dazu kannst du dir die folgende Frage stellen: Bin ich im Herzen meines Wesens her mehr maskulin oder mehr feminin, oder beides ausgewogen? Stelle dir dann die gleiche Frage in bezug auf den anderen Menschen.
  • Ziehe dann noch zwei weitere Linien auf feinem Blatt Papier, die das Spektrum von „ausgewogen“ bis „klar maskulin“ bzw. „klar feminin“ repräsentieren. Markiere dann noch deine Position so, wie du sie für dich erlebst auf diesem Spektrum. Tue das gleiche dann auch für die andere Person.

Schritt 3: Reflektion

  • Gehe die Ergebnisse der Übung durch.
  • Gibt es eine Polarisierung maskulin/feminin zwischen euch?
  • Befindet ihr euch in der gleichen Essenz, und wenn ja, wo genau steht ihr jeweils in den Spektren?
  • Was ist energetisch gleich, was steht sich polarisierend gegenüber, was ergänzt sich?

Schritt 4: Gesund oder Ungesund? 

  • Stelle dir die Frage für jeden der beiden Beteiligten und auf das Thema bezogen: Verbringen die Beteiligten ihre Zeit überwiegend eher im ungesunden oder im gesunden Typus? (Zur Erinnerung: Maskulin: unterdrückend, trennend, destruktiv oder zielgerichtet, bestimmt und kraftvoll? Feminin: chaotisch, ängstlich und ohne Kontakt zu sich selbst oder gemeinschaftlich, spontan und fürsorgend?)
  • Mache dir dabei auch den Kontext und die Situation bewusst, wo diese Eigenschaften auftreten. Kannst du auch die Auslöser und Knöpfe erkennen, die euch beide jeweils zu mehr gesundem oder ungesundem Selbstausdruck führen?

Schritt 5: Statisch oder Dynamisch? (Dabei wird eine weitere typologische Unterscheidung hinzugefügt, die eine eigene Typologie darstellt, hier aber als Versionen des Maskulinen und des Femininen verstanden wird.

  • Hat die Essenz (die eigene oder die des oder der anderen) einen eher statischen (eigenwillig, beständig, bestimmt) oder dynamischen (fließend, wechselnd, lebendig) Geschmack?
  • Wie wird der Selbstausdruck (statisch/dynamisch) jeweils beim anderen wahrgenommen?

Schritt 6: Auf welcher Entwicklungsebene? (falls notwendig)

  • Von welcher Ebene kommen die Beteiligten? Was ist der jeweilige Bewusstseinsschwerpunkt?
  • Gibt es einen Bewusstseinssprung zwischen euch, und wenn ja zwischen welchen Ebenen?
  • Wie zeigen sich eure Ebenen in Bezug auf das Thema? Wie drückt sich das/euer Thema durch die unterschiedlichen Bewusstseinsschwerpunkte aus?

Schritt 7: Zusammenfassung

Gehe beide am Thema beteiligte Personen noch einmal durch:

  • Welcher Typus oder welche Essenz  ist im Spiel?
  • Ist die Ausprägung gesund oder ungesund?
  • Ist die Ausprägung eher statisch oder dynamisch?
  • Wo liegen die allgemeinen Bewusstseinsschwerpunkte der Beteiligten?
  • Reflektiere alles noch mal vor dem Themenhintergrund.
  • Was gibt es zu korrigieren?

Schritt 8: Welches sind die wichtigsten Einflussparameter?

  • Schaue dir die Notizen für beide Personen an.
  • Welche Faktoren tragen hauptsächlich zum Thema/Konflikt bei?
  • Kannst du aufgrund dieser Analyse erkenne, warum und wie das Problem entstanden ist?
  • Was sind die wichtigsten Einflussparameter, die du auf die Situation nehmen kannst?
  • Wo liegen Lösungswege?

Erfahrung

Im Erfahrungsteil des Kurses Essential Integral geht es um die Fähigkeit, den eigenen Typ in einer einem zusagenden Typologie zu erkennen, zu würdigen und damit zu leben. Es geht auch um das Erkennen der Dynamiken im eigenen Denken, Verhalten und „wie man ist“, im Hinblick auf die horizontale Varianz in Typen, und vor dem Hintergrund des eigenen Bewusstseinsschwerpunktes. Dabei wird noch einmal betont, dass es aus integraler Sicht nicht die perfekte Typologie gibt.

Als ein typologisches Erfahrungsbeispiel wird eine Praxis zur Bestimmung der eigenen Quadrantenorientierung vorgestellt, wie sie von Integral Coaching Canada entwickelt wurde. Diese Praxis verhilft einem zu erkennen, wie man sich typischerweise die Dinge erklärt [meaning making] und sich verhält.

Dazu werden in 8 Aussagen unterschiedliche Szenarien präsentiert, bei denen es darum geht die eigene Antwort darauf finden, und diese im maximal 2 Sätzen zu formulieren. Beschreibe, was du in dem nachfolgenden Szenarien jeweils spontan als erstes tun würde. (Ein Beispiel: Du verlierst deinen Job, was würdest du als erstes – spontan - machen?

  1. einen Freund anrufen
  2. meinen Lebenslauf auf den aktuellen Stand bringen
  3. einen trinken gehen

Frage 1: Du erlebst gerade eine schwierige finanzielle Situation und möchtest mehr Geld verdienen. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 2: Du wachst an einem Sonntag auf, ohne etwas geplant zu haben, und überlegst dir, was du mit dem Tag anfängst. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 3: Du möchtest mit einem Freund oder einer Freundin zum Essen gehen, und er/sie fragt dich, wo du hingehen möchtest. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 4: Du möchtest noch mehr herausfinden, was dein Lebenszweck und dein Beitrag für die Welt ist. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 5: Du möchtest innerhalb der kommenden drei Monate drei Kilogramm abnehmen. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 6: Du möchtest die Kommunikation mit deinem Partner oder deiner Partnerin verbessern. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 7: Du stellst ein gesundheitliches Problem bei dir fest, um das du dich kümmern musst. (Was würdest du als erstes – spontan – machen?)

Frage 8: Du hast gerade eine wichtige Projektbesprechung bei der Arbeit hinter dir und hast das Gefühl, dass dies ein gutes Meeting war, weil ... (was würdest du als erstes – spontan – sagen?)

Wenn du deine Antworten aufgeschrieben hast, lies dir die folgenden 4 Beispielantworten pro Frage durch. Schaue welche davon deiner Antwort am nächsten kommt (dabei geht es um das Wesentliche deiner Antwort). Schreibe dir den zu deiner Antwort dazugehörigen Buchstaben auf.

Frage 1: Du erlebst gerade eine schwierige finanzielle Situation und möchtest mehr Geld verdienen.

  1. Ich rede mit einem beruflich erfolgreichen Freund und Kollegen darüber.
  2. Ich ermittle, wie viel Geld ich brauche, mache mir meine Qualifikationen bewusst, erkunde Möglichkeiten am Arbeitsmarkt und erstelle einen Plan.
  3. Ich erstelle eine Liste von Dingen, die ich tun könnte, um mehr Geld zu verdienen.
  4. Ich überlege mir, was mir wirklich am Herzen liegt, und wie ich damit Geld verdienen könnte.

Frage 2: Du wachst an einem Sonntag auf, ohne etwas geplant zu haben, und überlegst dir, was du mit dem Tag anfängst.

  1. Ich stelle mir vor, wie mein idealer Tag aussehen sollte: spielerisch, faul sein, aktiv sein, draußen unterwegs sein, zu Hause sein, mit der Familie oder Freuden zusammensein usw.
  2. Ich überlege mir, was ich alles machen könnte, und wähle etwas davon aus, das zu der Energie, die ich fühle oder haben möchte, passt. 
  3. Ich mache mir bewusst, was alles noch an Aufgaben in der nächsten Woche vor mir liegt (e-mails, Arbeit, Besorgungen usw.) und überlege mir dann, was ich davon alles machen werde.
  4. Ich tausche mich mit meiner Familie und Freunden aus, um zu sehen, was wir zusammen machen können. 

Frage 3: Du möchtest mit einem Freund oder einer Freundin zum Essen gehen, und er/sie fragt dich, wo du hingehen möchtest.

  1. Ich mache einen Vorschlag entsprechend dem, worauf ich gerade Appetit habe.
  2. Ich antworte: „Ich bin flexibel. Wo möchtest du hingehen?“
  3. Ich stelle mir das Essen und die Atmosphäre vor, die sich für mich gut anfühlt, entsprechend meiner momentanen Stimmung.
  4. Ich gehe die unterschiedlichen Variablen durch, wie Essen, das wir beide mögen, die Summe von Geld, die wie ausgeben möchten, die Atmosphäre, die zu unserem Anlass passt, und die Erreichbarkeit des Restaurants.

Frage 4: Du möchtest noch mehr herausfinden, was dein Lebenszweck und dein Beitrag für die Welt ist.

  1. Ich beginne mit meinen gegenwärtigen Vorstellungen und entwickle diese dann weiter, in einem Workshop, mit einem Coach oder durch Lektüre, in der Hoffnung herauszufinden, wie das, was ich möchte, in die Welt passt.
  2. Ich behalte meine Intentionen im Hinterkopf und achte auf die Augenblicke in meinem Leben, in denen ich Klarheit, Leidenschaftlichkeit und Sinn erlebe.
  3. Ich würde mich mit anderen über meinen Lebenszweck austauschen und deren Meinungen dazu einholen.
  4. Ich würde etwas tun, was mich öffnet und inspiriert (in der Natur sein, meditieren, Yoga oder etwas andere praktizieren), und darauf achten, was dabei an Einsichten hochkommt. 

Frage 5: Du möchtest innerhalb der kommenden drei Monate drei Kilogramm abnehmen.

  1. Ich würde meine Motive dafür untersuchen und mir dieses Ziel nur setzen, wenn es einen Sinn für mich hat.
  2. Ich versuche einen meiner Freunde davon zu überzeugen, dies mit mir zu machen, so dass wir uns gegenseitig beim Abnehmen unterstützen können.
  3. Ich würde mich mehr bewegen und weniger essen.
  4. Ich würde einen Plan erstellen, wie ich dieses Ziel erreichen könnte – einschließlich Bewegung und Ernährung, mit Meilensteinen und Zwischenetappen.

Frage 6: Du möchtest die Kommunikation mit deinem Partner oder deiner Partnerin verbessern.

  1. Ich würde mich im aktiven Zuhören, Augenkontakt und dem Gegenwärtigsein üben, wenn ich mit meinem Partner oder meiner Partnerin kommuniziere.
  2. Ich würde vorschlagen zusammen regelmäßig Zeit zu verbringen, um daran zu arbeiten, und auch versuchen, mehr Wissen über das Thema zu erhalten (z. B. in einem Workshop oder durch Lektüre).
  3. Ich würde über meine gegenwärtigen Kommunikationserfahrungen nachdenken, dem was gut läuft, und dem, was wir verbessern könnten.
  4. Ich würde mit meinem Partner oder meiner Partnerin Ideen durchsprechen, wie wir die Kommunikation verbessern könnten, in der Hoffnung etwas zu finden, was für uns beide stimmt.

Frage 7: Du stellst ein gesundheitliches Problem bei dir fest, um das du dich kümmern musst.

  1. Ich spreche zu Menschen meines Vertrauens darüber und erfahre ihre Unterstützung.
  2. Ich mache mir die Alternativen klar, die ich habe um mir selbst zu helfen, von Verhaltensänderungen und Ernährungsumstellungen bis zu einem Arztbesuch.
  3. Ich untersuche die Symptome. die ich habe, um genauer zu sehen, in welchem Zustand ich bin, und was ich tun kann.
  4. Ich mache mir bewusst, wie dieser Gesundheitszustand meine Sicht auf mich selbst und mein Leben verändert, mit der Möglichkeit dies als eine Gelegenheit zu mehr Bewusstheit und Wachstum zu sehen.

Frage 8: Du hast gerade ein wichtige Projektbesprechung bei der Arbeit hinter dir und hast das Gefühl, dass dies ein gutes Meeting war, weil ...

  1. Wir haben gemeinsam einen Aktionsplan für das Projekt verabschiedet (wer macht was wann), aus dem auch hervorgeht, wie dieses Projekt zu den anderen Aktivitäten im Unternehmen passt.
  2. Die für mich wichtigsten Themen des Projektes wurden besprochen und auf eine für mich stimmige Weise gelöst.
  3. Wir haben uns alle darüber ausgetauscht, wie es uns mit dem Projekt geht, und sind zu einer Übereinkunft darüber gekommen, worauf wir uns in Zukunft konzentrieren sollten.
  4. Ich weiß jetzt genau, was ich zu tun habe, als meiner Aufgabe in diesem Projekt, und wie ich es tun werde.

 

Die Auflösung dieser Übung wird wie folgt angegeben: 

  

Noch ein weiteres Szenario

Du und deine Freunde beschließen gemeinsam in Urlaub zu fahren. Bei einem Essen besprecht ihr die Reise. Welche der folgenden Antworten trifft auf dich am ehesten zu?

  1. Ich finde die Idee aufregend, mit euch allen auf diese Reise zu gehen. Ich denke, das ist eine gute Gelegenheit einmal ganz auszuspannen. Ich war in letzter Zeit sehr angespannt und gestresst. Dese Reise wird mir helfen, dass es mir wieder gut geht.
  2. Bevor wir uns überlegen, wie wir vorgehen, lasst uns über die unterschiedlichen Einflussfaktoren sprechen, wie die Frage wie viel Geld wir ausgeben wollen, wie lange wir unterwegs sein möchten, welcher Zeitraum für uns alle passt, mögliche Reiseziele usw. Das müssen wir uns erst einmal anschauen, um herauszufinden, was für uns alle passt.
  3. Lasst uns entscheiden, wohin wir wollen und wann. Im Urlaub möchte ich sowohl Entspannung als auch Aktivitäten. Vielleicht können wir irgendwo ans Meer fahren.
  4. Ich finde es wunderbar, dass wir das zusammen erleben werden. Wir sollten uns darüber austauschen, was wir von dieser Reise erwarten, so dass sie zu einem einmaligen Erlebnis für jeden von uns wird.

(Auflösung: A: OL, B: UR, C: OR, D: UL.)

Am Ende der Übungsvorstellung erfolgt erneut der Hinweis, Übungen wie diese nicht zu eng/ernst [hold it lightly] zu sehen. Worum es dabei geht, ist die Erweiterung der Selbstwahrnehmung für ein größeres Selbstverständnis. Es wird empfohlen, spielerisch mit der Quadrantenorientierung umgehen und damit im Alltag zu experimentieren.

Die Bedeutung der Bewussterdung hinsichtlich der eigenen Quadrantenorientierung und der Orientierung anderer liegt darin, dass wir dabei auf das erste Quadrivium hingewiesen werden, durch das wir schauen, um uns zu orientieren und unsere Erfahrungen einzuordnen. Daraus resultieren dann weitere Schlussfolgerungen und Handlungen. Über unsere Quadrantenorientierung sehen wir Wirklichkeit und stehen wir mit der Wirklichkeit in Beziehung. Durch sie „sehen“ wir auch die anderen AQAL Elemente in uns auftauchen. Eine grüne Entwicklungsstruktur, von dem oberen linken Quadranten (Quadrivium) aus gesehen, hat beispielsweise einen anderen „Geschmack“, als wenn sie vom unteren rechten Quadraten/Quadrivium gesehen wird.

Wie zeigt sich deine Quadrantenorientierung in deinem Leben? Private Beziehungen, berufliche Beziehungen ...

Befrage andere Menschen deines Vertrauens hinsichtlich der eigenen Orientierung! Wie schätzen sie dich diesbezüglich ein?

Zusammenfassung

  • Typen können innerhalb des AQAL unterschätzt werden.
  • Typen geben uns Informationen, welche wir nicht oder kaum aus den anderen AQAL Elementen bekommen.
  • Typen sind einzigartige Stimmen, Eigenschaften, Gewohnheiten und Essenzen, die wir alle als Potenziale in uns haben. Sie repräsentieren die Einzigartigkeit, wie wir im Kontakt mit der Welt sind, egal auf welcher Entwicklungsstufe wir uns befinden.
  • Typen sind unterschiedliche Aspekte, Arten oder Essenzen in jedem Quadranten und ganz allgemein auf jeder Ebene.
  • Typen gibt es in typologischen Systemen (Typologien). Es gibt sehr viele Typologien, und es gibt nicht die AQAL Typologie.
  • Typen in Typologien können sich überlappen oder auch unvereinbar sein, auch wenn sie die gleichen Phänomene beschreiben.
  • Typen kommen allgemein in Strukturen und Zuständen vor. Auch wenn Typen auf allen Entwicklungsebenen existieren, so existieren individuelle Typen nicht notwendigerweise auf allen Ebenen. Persönlichkeitstypen sind beispielsweise auf präpersonale Säuglinge nicht anwendbar, und archaische Gesellschaften können keinen Typus einer postmodernen Philosophie hervorbringen.
  • Typen speziell im oberen linken Quadraten existieren in einem Kontinuum von gesunden zu ungesunden Ausdrucksformen.
  • Unterschiedliche Typologien variieren über unterschiedliche Faktoren, wie Umfang (wie viele Typen umfasst ein System?), Breite (der Bereich der Phänomene, die erklärt werden), Gültigkeit (wie genau und verlässlich das System ist), Integration (wie schlüssig eine Typologie ist), und Anwendbarkeit (für welche Situationen und Kontexte die Typologie angewendet werden kann).
  • Typen gibt es in jedem Quadranten. Beispiele: OL: Myers-Briggs, Enneagramm, Astrologie, maskulin und feminin, Lernstile; UL: Beziehungstypen, philosophische Schulen, Gendertypen, Glaubensrichtungen; UR: Typen von Wettersystemen, Regierungsformen, Wirtschaftssysteme, Landschaften; OR: Körpertypologien, Geschlecht, Gehirnwellen, Blutgruppen.
  • Maskulin und feminin sind eine Typologie mit nur zwei Merkmalen, die enorm verbreitet ist und sich in allen Traditionen findet.
  • Die Quadratenorientierung ist eine neue Typologie, basierend auf perspektivischen Einschätzungen. Dabei kann in einer Verfeinerung zwischen primärer und sekundärer Quadrantenorientierung unterschieden werden. Primär ist dabei die Perspektive auf jegliches Ereignis oder jeglichen Vorgang in der Welt, und sekundär ist, wohin ich mich dann orientiere, z. B. in einer Handlung. Die Quadranten noch einmal kurz zusammengefasst: OL: persönliche Bedeutung, persönliche Werte, innerliche Erfahrungen, individuelle Motivation, und was für einen Menschen zutiefst von Bedeutung ist. UL: gemeinschaftliche Bedeutung, Vision und Resonanz, Verbundenheit, Zugehörigkeit, Kameradschaft, unsere Sichtweise ist vorrangig. UR: wie alles zusammenpasst, die Ziele, Prozesse, Rollen und Ergebnisse der Gruppe, die Struktur und wie sie Unterstützung leisten und Dinge möglich machen kann. OR: individuelle Handlung und Verhalten, Wert entsteht dadurch, dass Dinge getan werden, Quantität verfügbarer Energie.  

Die Kraft der Typen liegt in ihrer großen Flexibilität. Jeder der zahlreiche Typologien kann uns zu einem tieferen Verständnis von den Unterschieden und den Gemeinsamkeiten von Phänomenen verhelfen, die von den anderen AQAL Elementen nicht erkannt werden. Entscheidend ist herauszufinden, welche Typologie für welche Situation am besten zur Anwendung kommt. 

Fußnoten

[1] Dies unterscheidet beispielsweise die integrale Herangehensweise an das Thema von der Vorgehensweise eines Ruediger Dahlke, der als einer der bekanntesten deutschsprachigen Autoren auf diesem Gebiet gilt, und der der astrologischen Typologie einen zentralen Stellenwert beimisst, z. B. als „12 menschliche Archetypen“. 

[2] Orientiert man sich von einem Quadranten aus gegenüber der Welt, dann ist dieser Quadrant ein Quadrivium.