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26.3.2017 : 0:34 : +0100

Psychologie / Therapie

Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse (Quelle: Wikipedia)

Psychologie ist eine Wissenschaft die sich mit der menschlichen Psyche beschäftigt. Was ist die menschliche Psyche (oder Seele oder das Gemüt, wie die Psyche früher auch bezeichnet wurde?) Wir betreten hier den Bereich von Innerlichkeit und Geisteswissenschaft, die Innenseite von Wirklichkeit, Kosmos und Schöpfung, und ein zentrales Anliegen einer integralen Theorie und Praxis ist es, den Menschen, das heißt uns selbst auch von innen her immer besser zu verstehen. Jegliches Verstehen, so könnte man sagen, beginnt bei uns selbst, unserem Wesen und unserer Natur. Wenn wir uns selbst nicht verstehen, wie wollen wir dann andere verstehen, oder gar die Welt als Ganzes?

(Siehe hierzu auch die Inhalte unter "Bewusstsein", sowie "Schatten")

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Mikrogenese

Mikrogenese

Ken Wilber (eine Zusammenstellung von Michael Habecker aus zwei Veröffentlichungen von Ken Wilber)

Mikrogenese ist die Entfaltung einer Sequenz von Augenblick zu Augenblick. 

Ken Wilber

 

Einleitung

Das Thema Mikrogenese ist eines der vielen Perlen oder Schätze, auf die Wilber im Verlauf seines Schaffens gestoßen ist, und die es lohnt, aus Fußnoten und Audioveröffentlichungen hervorzuholen, um sie im eigenen Leben für sich und andere nutzen zu können.

Dabei geht es um eine bestimmte Perspektive des Verstehens dessen, was sich im eigenen Bewusstsein – von Augenblick zu Augenblick – abspielt. Die Mikrogenese ist nichts Geringeres als die kreative Wiederholung und damit individuelle Neuschöpfung des gesamten Schöpfungsvorganges im eigenen Bewusstsein, von Moment zu Moment. Diese alte Erkenntnis, die von den Traditionen oft mit dem Atemzyklus in Zusammenhang gebracht wird, ist von Wilber aufgegriffen und vor dem Hintergrund der integralen Theorie neu betrachtet worden.

 

Dazu werden im Folgenden zwei Texte vorgestellt:

Der erste Text ist eine Fußnote des Buches Integrale Psychologie (S. 276, Fußnote 35, veröffentlicht im Original im Jahr 2000). Dort erläutert Wilber die Vorstellung von „Mikrogenese“ unter Heranziehung eines Entwicklungsmodells mit den Begrifflichkeiten von Jean Piaget (Konop, Formop). Für die höheren Strukturstufen verwendet Wilber den Begriff „subtil“ oder „psychisch“.

Im zweiten Text, einem Audiotalk aus dem Jahr 2011, der von Core Integral im Rahmen der Reihe the loft series veröffentlicht wurde, differenziert Wilber (entsprechend Wilber V) einen Strukturstufenweg von einem Zustandsstufenweg, und verwendet für die Bezeichnung der Strukturstufen die Farben des durch Kunstbegriffe wie „Bernstein“ und „Türkis“ erweiterten Regenbogenspektrums.

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Tarot ein abendländisches Kulturgut mit integralem Potential

Tarot ein abendländisches Kulturgut mit integralem Potential

von Matthias Thiele (Tarotkarten: © Ordo Templi Orientis 2012)

 

In „Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis“[1] habe ich zu zeigen versucht, dass sich in den Großen Arkana des Tarot (jene geheimnisvollen 22 „Zusatzkarten“ mit archetypischen Motiven) ein implizites Entwicklungsmodell verbirgt, das erstaunlicherweise recht präzise dem integralen Modell entspricht. Die entsprechenden Belege dafür, Darstellungen des Vergleichsmaterials (z.B. des integralen Modells, aber auch der Modelle von Freud, Piaget, Gebser, Aurobindo, Timothy Leary u.a.) und Kartenbeschreibungen aus traditioneller und integraler Sicht finden sich dort zur Genüge. Doch der Wert einer Theorie zeigt sich unter anderem in ihrer Anwendbarkeit, oder wie Karl Popper es formulierte, in ihrer Potenz, Probleme zu lösen. Wenden wir uns also der Frage zu, wie wir den Tarot als abendländisches Kulturgut aus einer integralen Sicht nutzen können. Der praktische Wert dieser Untersuchung lässt sich in mehrere Bereiche teilen:

Der erkenntnistheoretische Wert für die Psychologie

Der Befund, dass sich die Großen Arkana in ihrer Reihenfolge mit den integralen Modellen der Bewusstseinsentwicklung decken, wirft interessante Fragen auf. Zur Zeit der Renaissance kannte man keine Entwicklungspsychologie, und dennoch zeigt sich hier eine bildhafte Illustration von allgemeinen Entwicklungsfeldern[2]. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass im Menschen ein implizites Wissen um seine Entwicklungsmöglichkeiten vorhanden sein muss, unabhängig davon, ob es in der entsprechenden Kultur bereits eine explizite Theorie der Entwicklung gibt. Außerdem offenbart der Befund das ungeheure Potential, das in dem ganzen Themenbereich „Projektion“ steckt. Insofern warten noch eine Reihe weiterer kultureller Hervorbringungen der Vergangenheit auf eine tiefere Untersuchung.

 

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Ken Wilber aus dem Roman Boomeritis

Ken Wilber aus dem Roman Boomeritis

„Die Schattenseiten des 2nd Tier können beträchtlich sein, da jede Ebene ihre eigene Pathologie hat... Je heller das Licht, desto dunkler der Schatten.

Megastämme und Superclans können sich um panoramische Visionen herum bilden.

 

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Die (Psycho)Dynamik des Bösen und Tonglen

Die (Psycho)Dynamik des Bösen und Tonglen

Michael Habecker (mit Texten von Ken Wilber und Chögyam Trungpa)

Ich kenne keinen einzigen Impuls des Bösen, der nicht mit einer Weigerung beginnt, ein anderes menschliches Wesen zu berühren.

Ken Wilber, 2006 auf Integral Naked

Aber wenn man eine so blutige Aktion ausführen will, muss man sich auf das sorgfältigste vorbereiten. Man muss eine Strategie der Entmenschlichung verfolgen. Wenn man den Gegner nicht entmenschlicht, kann man ihn nicht töten, wenn man ihm gegenübersteht.

Anders Breivik, der Massenmörder von Oslo in einer Aussage vor Gericht 2012

Einleitung

Zu den großen, ja ungeheuerlichen Freiheiten und Fähigkeiten des Menschen gehört die Fähigkeit sich abzuwenden, von sich selbst, von anderen Menschen, vom Leben, von allem. Wie ist das möglich in einem Universum, das zu sich selbst erwacht und damit zu immer höheren Formen von Bewusstheit und Komplexität, zu immer höheren Formen von Individualität und Gemeinschaft? Es wird darüber debattiert, ob ein Massenmörder wie Anders Breivik normal oder psychisch krank ist, und die Gutachter sind sich nicht einig. Doch eines ist klar: Wir bleiben auf dem Entwicklungsweg immer auch Individuen, mit Intentionen, Motivationen und auch Freiheiten. Zu diesen Freiheiten, die wir haben, gehört auch die Freiheit, sich abzuwenden.

Dies wurde schon früh erkannt in den spirituellen Traditionen und Religionen – den frühen Menschheitsordnungen für ein ethisches Leben. Es wurden Praktiken entwickelt, angeboten und auch vorgeschrieben, die dieser menschlichen Tendenz entgegenwirken, sich von sich selbst, voneinander und vom Leben abzuwenden. Hierzu gehören alle Praktiken des Mitgefühls und der Nächstenliebe, wie z.B. der buddhistischen Tonglen Praxis.

Es ist eine schreckliche Tatsache (und Entscheidung), dass wir uns abwenden können, aber es ist eine gute Nachricht, dass wir uns auch uns selbst, einander und dem Leben, so wie es sich uns zeigt, mit allen schönen und schrecklichen Seiten, zuwenden können. Die Liebe des Universums ist so groß, dass sie sogar Raum lässt für die Wahl zwischen beidem. 

 

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James Mark Baldwin (1861 – 1934) – eine Entdeckung

James Mark Baldwin (1861 – 1934) – eine Entdeckung

von Michael Habecker

 

Ken Wilber bezeichnet ihn als den “wahrscheinlich größten Psychologen Amerikas” und widmet ihm in Integrale Psychologie im Kapitel 7 Einige wichtige moderne Pioniere” einen eigenen Abschnitt. Dieser Abschnitt beginnt mit den Sätzen:

Von diesen vieren [James Mark Baldwin, Jürgen Habermas, Sri Aurobindo und Abraham Maslow] ist James Mark Baldwin der zentralste, und es kann gut sein, dass die Geschichte ihn einmal als Amerikas größten Psychologen sehen wird. Baldwin, ein Zeitgenosse von James und Peirce, schuf eine integrale Psychologie und Philosophie, deren Weite ihres Horizontes und deren Tiefe man erst jetzt erkennt. Er war der erste Entwicklungspsychologe der modernen Geschichte. Er war der erste, der klar eine Entwicklungsstufe definierte. Er wollte introspektive Phänomenologie und wissenschaftliche evolutionäre Wissenschaftstheorie integrieren. Er glaubte, dass die drei großen Formen der Erfahrung die ästhetische, die moralische und die wissenschaftliche sind (die Großen Drei!), und er erkannte detaillierte Entwicklungsstufen in jedem dieser Bereiche (mit anderen Worten, er war einer der ersten, der Entwicklung in allen Quadranten beobachtete) ... (97) 

 

In den Telefondialogen zum Buch Integrale Spiritualität erwähnt Wilber Baldwin bei der Entdeckung der Entwicklungsstrukturen der menschlichen Psyche[1]:

Diese Strukturen können jedoch nur dann gut gesehen werden, wenn man einen Schritt zurücktritt, und Gruppen von Menschen über längere Zeiträume beobachtet, Fragen stellt und schaut, was passiert. Diese evolutionären Studien nahmen ihren Anfang mit den deutschen Idealisten, die damit begannen evolutionäres Bewusstsein zu studieren, und damit meine ich speziell Fichte, Schelling und Hegel. Darwin und Wallace wendeten diese Ideen auf die Biologie an, und der erste große Entwicklungspsychologe war der Amerikaner James Mark Baldwin. Er beschrieb erstmals Bewusstseinsstrukturen ...

James Mark Baldwin, einer der Gründer von Entwicklungsstudien, sah die Entwicklungsstufen nicht so starr und streng, nicht nur als ein Zugeständnis an den Postmodernismus, sondern weil Stufen tatsächlich Wahrscheinlichkeitswolken sind, und eine technische Beschreibung sie mehr als Wolken oder Wellen definieren würde, und nicht als Ebenen. Daher zögere ich immer, wenn ich von Leitersprossen spreche, weil das so leicht falsch verstanden wird ... James Mark Baldwin hatte 5 oder 6 multiple Intelligenzen [Entwicklungslinien], einschließlich derer, welche die sich auf das Wahre, das Gute und das Schöne beziehen. Er hat Ästhetik mit aufgenommen, kognitive Studien und moralische Entwicklung, und alle diese Linien entwickeln sich bei ihm durch sechs oder sieben Ebenen, bis hin zu etwas, was einem kosmischen Bewusstsein entspricht, und das sind seine Worte: ‚kosmisches Bewusstsein’. Er war ein Genie, doch er wurde, wie auch sein Zeitgenosse William James, durch den Behaviorismus in diesem Land [USA] verdrängt. In seinen letzten Jahren lehrte Baldwin in Paris, und einer seiner Studenten war Jean Piaget. Die Entwicklungsforscher im Gefolge von Piaget und Kohlberg hatten dann jedoch ein besseres Verständnis davon, was Strukturalismus wirklich bedeutet, und wie man Entwicklung weniger starr und streng betrachten kann – Forscher wie Carol Gilligan, Howard Gardner, Robert Kegan, Clare Graves, Kurt Fischer, Jenny Wade ...

 

Wer war oder ist James Mark Baldwin, und worüber hat er geschrieben? Die Suche bei einem großen Internetbuchhändler nach deutschsprachigen Ausgaben seines Werkes verläuft ergebnislos. Die Suche bei einem Internet Antiquariat ergibt einige wenige deutschsprachige Ausgaben, welche jedoch nur antiquarisch (und zu entsprechenden Preisen) erhältlich sind.

Erfreulicherweise hat ein amerikanischer Verlag (Kessinger Publishing) einige der Bücher von Baldwin als Reprints herausgebracht, so dass diese zumindest auf Englisch zugänglich sind. Die Titel sprechen bereits Bände: 

  • Dictionary Of Philosophy And Psychology
  • Fragments in Philosophy and Science Being. Collected Essays and Addresses
  • Genetic Theory Of Reality
  • Handbook Of Psychology: Feeling And Will
  • Handbook Of Psychology: Senses And Intellect
  • History Of Psychology, A Sketch And An Interpretation
  • Mental Development In The Child And The Race: Methods And Processes
  • Social And Ethical Interpretations In Mental Development: A Study In Social Psychology
  • The Psychological Review, July 1901
  • The Psychological Review, May 1901
  • The Story Of The Mind
  • Thought And Things: A Study Of The Development And Meaning Of Thought, Or Genetic Logic (1906) V1-3

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Psychodynamik und Spiritualität

Psychodynamik und Spiritualität

Die Begegnung mit unseren Schatten eröffnet den Weg zur Entfaltung unseres „Einzigartigen Selbst“

 

von Helmut Dörmann

Meditation öffnet die Büchse der Pandora und wir werden mit unseren Schatten konfrontiert.

 

In diesem Aufsatz möchte ich die Beziehung von Psychodynamik und Spiritualität vor einem integralen Hintergrund beleuchten. Unter Psychodynamik verstehe ich die Wechselwirkung innerlicher, psychischer bzw. seelischer Prozesse im Menschen, unbewusst, bewusst werdend und auch bewusst.

Unter Spiritualität verstehe ich einen Erfahrungs- und Erkenntnisweg, der sowohl die Erfahrung des „Ursprungs allen Seins“ als auch die Verwirklichung im ganz gewöhnlichen Leben zum Ziel hat. Eine integrale Spiritualität beinhaltet die beiden Aspekte gleichermaßen.

In Anlehnung an Ken Wilber können wir drei Hauptperspektiven gegenüber dem Göttlichen unterscheiden, die „drei Gesichter Gottes“:

Das dritte Gesicht Gottes ist vielen auch als „Naturmystik“ bekannt. Beispiel: Es ist Nacht. Ich liege unter einem klaren Sternenhimmel. Über mir das Universum in seiner ganzen Schönheit und Weite. Man erkennt in diesem Schauen das Gewebe des Universums als drittes Gesicht Gottes.

Das zweite Gesicht Gottes: Das kosmische „DU“, als Quelle, als Urgrund oder „Gottheit“ wie Meister Eckhart (1260-1328) es nennt. Diesem „DU“ kann ich mich hingeben. Ich bin nicht getrennt davon. Eckhart spricht von „Gottwerdung des Menschen als Menschwerdung Gottes“.

 

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Enneagramm integral

Vom Schubladendenken zu wahrer Erkenntnis und Entwicklung - Das Enneagramm aus integraler Perspektive

von Veit Lindau

Das Enneagramm ist ein macht­volles Werkzeug der Erkenntnis. Doch jede starke Medizin kann sich in den falschen Händen in Gift ver­wandeln. Der Mainstream-Umgang mit dem Enneagramm ist ein gutes Beispiel für eine klassische Prä-Trans-Verwechs­lung. Ursprünglich ein radikaler Weg der Selbsterkenntnis, führt es, wenn von ei­nem unreifen Ego gelesen oder gehört, nicht zu einer Lösung aus der Egozentrik, sondern lediglich zu verstärktem Schub­ladendenken: „Ah, du bist also eine Eins! Deswegen bist du immer so...“ Anstatt unsere Identifikation mit dem Ego zu erschüttern, werden die Informationen vom Ego benutzt, um die Rollenbilder noch mehr zu verfestigen. Eine integrale Perspektive hingegen würdigt nicht nur die Stärken des Systems im Hinblick auf typologische Einordnungen, sondern er­öffnet tiefgreifende Erkenntnisse für die mit den Entwicklungsebenen innerhalb der Typen verbundenen Dimensionen des Wachstums.

 

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Aspekte einer integralen Psychologie - Die Rehabilitation der Innerlichkeit

Aspekte einer integralen Psychologie - Die Rehabilitation der Innerlichkeit

Die materialistisch orientierten Wissenschaften der vergangenen Jahrhunderte haben im Rausch ihrer grandiosen Ergebnisse die diversen Arten der Innerlichkeit und Innenweltbetrachtung des Menschen in die Selbstrechtfertigung getrieben. Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft dominieren noch immer das heutige Weltbild und halten sich in einer Weise für einzig real, die der Kunst und Literatur, dem Seelischen, Geistigen und Spirituellen die Rolle der Aufhübschung von Feierabend und Freizeit zuweist. Auch die Psychologie – eigentlich Wissenschaft der Seele – hat die Einseitigkeit solcher Überbewertung der Außenwelt zu spüren bekommen. Dem setzt seit der Jahrtausendwende die neue Bewegung der Integralen Psychologie, die sich stark auf Ken Wilber bezieht, ein Menschenbild entgegen, in dem Innen- wie Außenwelten gleichermaßen zur Geltung kommen

 

von Michael Habecker

 

Irgendwann vor sehr langer Zeit muss es passiert sein. Ein Mensch oder ein früher Vorfahre des Menschen ist sich zum ersten Mal, wenn auch vielleicht nur ganz vage und unbestimmt, seiner eigenen Innerlichkeit bewusst geworden. Möglicherweise hat dieser Mensch etwas Ähnliches gespürt wie »Da ist etwas in mir«, ohne dies jedoch schon so formulieren zu können.

Innerlichkeit existiert natürlich schon viel früher. Wenn man Ken Wilber glauben möchte, dann ist ein Innen (oder Bewusstsein) im Universum von Anfang an angelegt. Wilber vertritt einen Pan-Inner-ismus (oh je!). Für ihn beginnt Innerlichkeit schon ganz unten auf der Entwicklungslinie: Sie fängt bei subatomaren Teilchen an und reicht bis ganz nach oben, in etwa nach dem Motto: »Wo ein Außen ist, da ist auch ein Innen«.

Innerlichkeit

Doch das Angelegtsein von Innerlichkeit ist das eine. Das Sich -Bewusst-Werden derselben ist etwas anderes. Irgendwann in früher Vorzeit muss das zum ersten Mal geschehen sein. So wie es auch in der Frühgeschichte der Erde einen Zeitpunkt gegeben haben muss, zu dem zum ersten Mal etwas blühte. Auch in der individuellen Biografie und Entwicklung eines jeden Menschen gibt es einen Punkt, wo er oder sie zum ersten Mal selbst-bewusst wird, im Sinne von » Ich erlebe mich als ein empfindendes Wesen«. Das ist individuell wie kollektiv ein großartiger Augenblick – eine Schöpfung! Es ist auch die Geburtsstunde der Geisteswissenschaften, verstanden als der Summe aller Methoden der Erforschung dieses Innen-Erlebens. Insbesondere in einer Zeit und Welt ist das interessant, in der materialistisc e (Geistes!) Strömungen, Innerlichkeit oder Bewusstsein als etwas Eigenständiges und Reales leugnen.

 

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Schattenspiele - die drei Arten des Unbewussten nach Ken Wilber

Schattenspiele - die drei Arten des Unbewussten nach Ken Wilber

Von Sabine Uhlen

 

Erst seit Freud sickert allmählich ins Allgemeinwissen, dass wir ein Unbewusstes haben – und dass das Unbewusste vielleicht auch uns hat. Dass wir nicht souveräne HerrIn unseres eigenen Denkens und Handelns sind, war eine der drei großen Kränkungen der Menschheit – neben dem Fakt, dass wir „vom Affen abstammen“ und dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Oft wird das Unbewusste umgangssprachlich mit dem Begriff „Schatten“ gleichgesetzt. Jedoch beschreibt dieser Begriff in unterschiedlichen Zusammenhängen unterschiedlich Konzepte.

Erstmals wurde der Begriff von C. G. Jung, ehemals „Kronprinz“ von Freud, formuliert: „Der Schatten ist die Person, die Sie lieber nicht wären.“ Da aber nicht nur unsere schlechtesten, sondern oft auch unsere besten Eigenschaften im „Schatten“ liegen, musste der Begriff ausgeweitet werden. Später entwickelte Jung das Konzept des archaischen oder kollektiven Unbewussten (die frühesten primitivsten Strukturen, präverbal und oft auch sub-human, das phylogenetische Phantasie-Erbe, angeborene Muster von inneren Bildern). Persönliches und kollektives Unbewusstes zusammen sind auch die Inhalte des Freud´schen Unbewussten, des Es.

 

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Wilber zu Wilhelm Reich

Wilber zu Wilhelm Reich

Wilhelm Reich - Orgon - subtile Energien

Transkription und Übersetzung Monika Frühwirth

Wilhelm Reich, 24. 3. 1897 - 3. 11. 1957 war der „Entdecker“ des „Orgons“, eine sich auf alle Lebensbereiche auswirkende Bio-Energie. Darauf aufbauend entwickelte er die (wissenschaftlich nicht anerkannte) Orgontherapie. Diese Energieform sei nach Reich und seinen Anhängern die biophysikalische Grundlage für die Wirksamkeit der Psychotherapie, wirke bakterizid, töte Krebszellen und sei in so genannten Akkumulatoren speicherbar. Ein Verbot dieser „Orgon-Kästen“ sowie die Verfügung, diese Kästen selbst sowie alle seine Bücher zu vernichten, ließ Reich an der Kompetenz des Gerichts in Sachfragen zweifeln, und führte 1956 zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts. Während der Haft starb Reich an plötzlichem Herztod. Seine Orgontheorie wird oft in geistiger Nähe zu vermeintlichen oder tatsächlichen Entdeckungen Nikola Teslas bezüglich einer universellen Ätherenergie gesehen.

(aus: Wikipedia)

 

Da Ken Wilber sich schon früh mit dem Thema „subtile Energien“ auseinandergesetzt hat, und diesem Thema in seinem angekündigten 2ten Band der Kosmos Trilogie ein eigenes Kapitel widmen möchte, interessierte uns seine Meinung zu Wilhelm Reich, einem der Pioniere auf diesem Gebiet, und wir stellten Wilber auf unserem Kongress im Herbst 2004 eine entsprechende Frage.

Hier seine Antwort:

„Reich ist einer der ganz großen Pioniere, wie William James oder Carl Jung oder sogar Freud. Diese wirklich frühen Pioniere der westlichen Psychologie, oder wie ich es nennen würde, Psycho- Spiritualität sind allerdings nicht immer nur ein Segen. Ein Teil ihrer Arbeit ist jedoch derart wichtig und grundlegend, dass wir das wirklich anerkennen und ehren müssen, und natürlich wollen wir diese Teilwahrheiten auch integrieren.

Reich war sicher ein Pionier auf dem Gebiet der Bioenergetik und des pranamayakosha [der vital-emotionale Bereich] in all diesen Dimensionen der Existenz. Der Nachteil jedoch ist – wie auch bei Jung und William James -... ich benenne jetzt zuerst einmal das allgemeine Problem und dann können wir spezifisch über Wilhelm Reich sprechen.

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Es gibt ein Innenleben!

Es gibt ein Innenleben!

von Michael Habecker

 

Stellen wir uns folgendes vor: Man sitzt nichtsahnend am Frühstückstisch, vor sich die noch druckfrische Tageszeitung mit der Titelschlagzeile „Es gibt ein Innenleben!“ Oder stellen wir uns die Abendnachrichten vor, mit dem gleichen Aufmacher. Merkwürdig, nicht wahr, und doch wäre, angesichts der Abwesenheit dieser Thematik im allgemein-öffentlichen wie auch im persönlich-privaten Leben ein Hingucker angebracht.

Wo ist Innerlichkeit?

Es gibt nicht nur eine Außenwelt, sondern auch eine Innenwelt, es gibt nicht nur ein Leben in den äußeren Umständen, es gibt auch ein Leben voller Innerlichkeit und Bewusstheit. Was ist ein Innenleben? Der Zugang dazu ist so unmittelbar, dass er gar nicht als solcher bewusst wahrgenommen wird. Das, was Sie jetzt gerade spüren – Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen oder anderes –, ist Innerlichkeit, Ihre Innerlichkeit. Das in sich Hineinspüren ist dabei nur ein erster Schritt in ein unermessliches Universum von subjektiv und zwischenmenschlich empfundenem Da-Sein. Die Tür dazu steht weit offen, und doch hat das öffentliche Bildungsangebot so gut wie gar nichts dazu zu sagen. Ich habe in den 70-er Jahren Ingenieurwissenschaften studiert, doch der/die Ingenieur/in als innerlich- empfindendes Wesen oder als kulturell-soziales Wesen wurde in dem gesamten Studiengang nicht ein einziges mal bewusst angesprochen, geschweige denn in seiner/ihrer Entwicklung unterstützt. Das gilt nach meiner Beobachtung für die meisten natur- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge, und es gilt sogar auch für geisteswissenschaftliche Ausbildungen. Man kann ohne weiteres Philosophie, Psychologie und Religionswissenschaften studieren, ohne auch nur einmal dazu angehalten zu werden, in einer meditativen Praxis das eigene Bewusstsein von innen her zu betrachten, um so psychologische, philosophische und auch religiöse Erkenntnisse unmittelbar und aus erster Hand zu erlangen.

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Wahrhaftigkeit / Schatten

Wahrhaftigkeit / Schatten

Ken Wilber im Gespräch mit Marc Gafni

(Aus: Integral Naked, Ambiguous Voices: God or Mom?)

[Im Gespräch mit Rabbi Marc Gafni diskutieren Ken und Marc die Problematik der Interpretation spirituell/religiöser Texte. In diesem Zusammenhang erörtert Wilber das Thema der Interpretation der eigenen Innerlichkeit.]  

Zusammenfassung der IN Redaktion:

Die Art und Weise, wie wir die Bedeutung von Worten interpretieren, ist ähnlich der Art und Weise, wie wir unsere Gedanken und Handlungen von Augenblick zu Augenblick interpretieren. Doch wenn es um die Interpretation der eigenen Innerlichkeit geht, wie wahrhaftig bist du dann? Kommen die Stimmen in dir von deinem höchsten Selbst oder deiner neurotischen Mutter?


KW: Wenn man sich der eigenen inneren Stimmen bewusst wird und sie hört – dann stellt sich die Frage: Ist es die Stimme von Gott oder die Stimme einer verdrehten Vaterfigur? Hört man die Stimme einer Göttin, handelt es sich wirklich um den femininen GEIST in einem selbst oder um die Stimme einer neurotischen Mutter, die einem dreijährigen Kind etwas ins Ohr flüstert? Wie kann man diese Stimmen voneinander unterscheiden? Das ist ein Teil der Schwierigkeiten, vor denen wir stehen und mit denen wir permanent zu tun haben. Wann immer man nach innerer Führung, Weisheit und Handlungsanweisungen Ausschau hält, stellt sich die Frage: Kommt das dann vom Höchsten in einem oder vom Niedrigsten? Die Stimmen hören sich manchmal sehr ähnlich an, das ist eine der Schwierigkeiten dabei ... Dazu gehört auch die prä/trans Verwechselung. Das prä-Rationale und das trans-Rationale können sich sehr ähnlich anhören, wenn man erstmals diese Stimmen hört. Sie sind beide nicht-rational,  nicht-konventionell und sehr un-gewöhnlich. Einige davon sind nicht sehr weit entwickelt, andere hingegen schon. Hier kommt die Hermeneutik des eigenen Selbst ins Spiel. Man muss das eigene Selbst gegenüber sich selbst interpretieren und übersetzen. 

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Quantenwirklichkeit und Aufstellungsarbeit

Quantenwirklichkeit und Aufstellungsarbeit

Einleitung der OJ-Redaktion

Seit Ken Wilbers Quantum Questions, erschienen 1985, haben diejenigen, die den Versuch unternehmen, die Gesetze der Quantenwirklichkeiten auf etwas anderes zu übertragen als auf die Quantenwirklichkeiten selbst, einen schweren Stand – vorausgesetzt, sie nehmen Wilbers Argumente zur Kenntnis[1]

Diese Kenntnisnahme ist kürzlich durch die Zeitschrift praxis der systemaufstellung erfolgt, nachdem in dieser Zeitschrift (2/2007), herausgegeben von der Gesellschaft für Systemaufstellungen, ein Artikel zum Thema abgedruckt wurde[2].

Der Artikel wird von der Redaktion der Zeitschrift wie folgt vorgestellt (s. 15):

Die Redaktion hält den folgenden Artikel von Michael Habecker für sehr lesenswert, auch wenn er sich kritisch und ablehnend zu Punkt drei unserer Leitlinien und dem Vorhaben äußert, die repräsentierende Wahrnehmung im Licht der Quantenphysik zu betrachten. Habecker argumentiert unter Berufung auf Ken Wilber klar, verständlich und einleuchtend. Unserer Meinung nach macht aber seine Gedankenführung weder den Versuch überflüssig, in Bezug auf das Verstehen des Aufstellungsphänomens bei der Physik und in ihr bei der Quantenphysik als einer Grundlagenwissenschaft für das Verstehen von Wirklichkeit nachzufragen, noch betrifft sie die entscheidenden Aussagen der Quantenphysik (die allerdings auch unter Physikern sehr unterschiedlich in ihrer Reichweite und Konsequenz gedeutet werden).

 

Nachfolgend der Artikel zum Thema.

Quantenwirklichkeit – Systemische Aufstellungen - Mystik

Michael Habecker

In seinem 1985 erschienenen Buch „Quantum Questions“ hat der amerikanische Autor Ken Wilber das seinerzeit sehr populäre Thema einer Ähnlichkeit oder gar Gleichheit der Aussagen der Quantenphysik mit den Aussagen der spirituellen Traditionen („Das Tao der Physik“) aufgegriffen und dargelegt, dass derartige Gleichsetzungen oder Vergleiche auf eine katastrophale Weise verkehrt sind und sowohl der Quantenphysik als auch der Mystik erheblichen Schaden zufügen.

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James Mark Baldwin (1861 – 1934)

James Mark Baldwin (1861 – 1934)

– eine Entdeckung 

Michael Habecker 

Ken Wilber bezeichnet ihn als den “wahrscheinlich größten Psychologen Amerikas” und widmet ihm in Integrale Psychologie im Kapitel 7 Einige wichtige moderne Pioniere” einen eigenen Abschnitt. Dieser Abschnitt beginnt mit den Sätzen:

“Von diesen vieren [James Mark Baldwin, Jürgen Habermas, Sri Aurobindo und Abraham Maslow] ist James Mark Baldwin der zentralste, und es kann gut sein, dass die Geschichte ihn einmal als Amerikas größten Psychologen sehen wird. Baldwin, ein Zeitgenosse von James und Peirce, schuf eine integrale Psychologie und Philosophie, deren Weite ihres Horizontes und deren Tiefe man erst jetzt erkennt. Er war der erste Entwicklungspsychologe der modernen Geschichte. Er war der erste, der klar eine Entwicklungsstufe definierte. Er wollte introspektive Phänomenologie und wissenschaftliche evolutionäre Wissenschaftstheorie integrieren. Er glaubte, dass die drei großen Formen der Erfahrung die ästhetische, die moralische und die wissenschaftliche sind (die Großen Drei!), und er erkannte detaillierte Entwicklungsstufen in jedem dieser Bereiche (mit anderen Worten, er war einer der ersten, der Entwicklung in allen Quadranten beobachtete) ...” (97)  

In den Telefondialogen zum Buch Integrale Spiritualität erwähnt Wilber Baldwin bei der Entdeckung der Entwicklungsstrukturen der menschlichen Psyche[1]:

"Diese Strukturen können jedoch nur dann gut gesehen werden, wenn man einen Schritt zurücktritt, und Gruppen von Menschen über längere Zeiträume beobachtet, Fragen stellt und schaut, was passiert. Diese evolutionären Studien nahmen ihren Anfang mit den deutschen Idealisten, die damit begannen evolutionäres Bewusstsein zu studieren, und damit meine ich speziell Fichte, Schelling und Hegel. Darwin und Wallace wendeten diese Ideen auf die Biologie an, und der erste große Entwicklungspsychologe war der Amerikaner James Mark Baldwin. Er beschrieb erstmals Bewusstseinstrukturen ...”

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Schattenboxen

Schattenboxen

Nicole Fegley

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind

(Quelle: integralLife.com, Sleeping With Your So-Called Enemy)

Nicole Fegley

Unter einer Decke mit deinem so genannten Feind ist eine Praxisübung, wie man über seine eigenen politischen Ansichten hinausgelangen kann, hin zu den “Anderen”. Die eigenen Perspektiven erweitern sich, werden so umfassend wie möglich, und ermöglichen damit die mitfühlendste Entscheidung des eigenen Lebens.

Wie kann ich mit all den Emotionen umgehen, im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wahl? Wie kann ich besser verstehen, warum einige Menschen eine völlig andere Meinung als ich zu wichtigen Fragen haben, die unser Land betreffen? Wie kann ich meine Widersacher besser verstehen und gleichzeitig leidenschaftlich für das eintreten, woran ich glaube?

Egal wie laut du schreist, und egal wie viel Schmerz und Emotionen du erlebst, es wird weiterhin Menschen geben, die eine völlig andere Meinung haben als du, und du wirst sie nicht überzeugen können.

Nehmen wir einen tiefen Atemzug, dies ist eine wirkliche Herausforderung. Es geht um die Schwierigkeiten dabei ... das, was weh tut, deine Erfahrungen von Ohnmacht, Zorn, Abgetrennt-Sein, Angst, Abscheu, Empörung, oder was immer du dabei erlebst. Es ist völlig normal und in Ordnung diese Gefühle zu haben, doch sie müssen dich nicht beherrschen oder lähmen. An diesem Punkt setzt die Praxis an. Wir hoffen, dass du dadurch mehr Freiheit für dich und dein Gefühlsleben erfährst, aber auch mehr Freiheit um dich zu engagieren, um zuzuhören, und letztendlich dabei weißt, dass, was auch immer am Ende auch geschieht, es wird OK sein – jedenfalls relativ OK. 

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Probleme integraler Beziehungen

Probleme integraler Beziehungen

Ken und Treya

(Quelle: IntegralLife.com, The Problems of Integral Relationships)

Vorwort der Integral Life Redaktion 

Ken untersucht einige der Probleme, die in “integralen Beziehungen” auftreten können, in Beziehungen von Menschen, die sich zu integralen Stufen ihrer Identität, ihrer Werte und ihrer Weltsichten entwickelt haben. Zuerst erläutert er allgemeine Pathologien, die sich auf integralen Stufen ereignen können und bei denen Aspekte unseres Wachstums nicht ausreichend im Selbst integriert wurden – eine vorangegangene Entwicklungsstufe, die gegenwärtige Stufe, oder eine höhere Stufe, die sich für uns zu öffnen beginnt, gegenüber der wir jedoch aus unterschiedlichen Gründen Widerstände haben können (die Umarmung des Lichts kann letztendlich ebenso schwierig sein wie die Umarmung des Schattens). Ken wendet sich dann den zwischenmenschlichen Verletzungen zu, welche – wie überraschend! – typisch sind für jede der Entwicklungsstufen: wie beispielsweise die Tendenz dem oder der anderen den Vorwurf zu machen „es nicht zu verstehen“ (oder, in diesem Fall, „nicht integral genug“ zu sein), und die Unfähigkeit zu erkennen, wie unterschiedlich sich maskuline und feminine Dynamiken in Beziehungen ausdrücken können. 

In diesem Clip verwendet Ken die Terminologie von Spiral Dynamics zu Beschreibung der unterschiedlichen Entwicklungsebenen. „Grün“ bezieht sich dabei auf die postmoderne/­pluralistische Entwicklungsstufe, und „Gelb“ bzw. „second tier“ beziehen sich auf die integrale Entwicklungsstufe.

Transkript

Frage: Wenn in integralen Gemeinschaften über unkonventionelle Beziehungen gesprochen wird, dann stellt sich sogleich die Frage, ob diese Beziehungen prä [konventionell] oder post [konventionell] sind. Worüber aber so gut wie gar nicht gesprochen wird, sind ungesunde integrale oder postkonventionelle Beziehungen. Wie sehen Sie das, wie sieht eine ungesunde integrale Beziehung aus? 

KW: [Lacht] Ich würde das gerne demonstrieren! [Lachen] Ich möchte dazu erst allgemein etwas sagen. Ich werde oft gefragt, was gelbe oder second tier Pathologie ist. Das scheint sich erst einmal zu widersprechen, weil second tier ja bedeutet, dass man alles integriert, und wie kann dann etwas pathologisch sein oder werden. Abstrakt gesprochen kann man sagen, dass es mindestens zwei Arten von Pathologien auf jeder Ebene gibt. Die eine ist, dass man auf der Ebene, auf der man sich befindet, die Elemente dieser Ebene nicht ausreichend aufnehmen und integrieren kann, das ist extrem verbreitet. Das kann  auf der gelben, der türkisen Ebene geschehen, oder, in den Begriffen Aurobindos, auf der Ebene des erleuchteten Geistes oder dem Übergeist [overmind]. Die Tatsache, dass man sich auf einer bestimmten Entwicklungsstufe befindet, bedeutet nicht, dass man das, was sich auf dieser Ebene zeigt, auch integrieren kann. 

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Genpo Roshi: Dreiecke

Genpo Roshi: Dreiecke

Dualistisch und Nicht-Dualistisch umfassen und übersteigen

Sonja Student

In dem folgenden Text aus seinem Buch „BIG MIND. Großer Geist – Großes Herz“, Aurum Verlag 2008, beschreibt der Zen-Meister und Erfinder des Big-Mind-Prozesses die Notwendigkeit, Schattenarbeit und spirituelle Praxis miteinander zu verbinden. Dabei hat er die Weisheiten des Buddhismus mit einigen der zentralen Entdeckungen der westlichen Psychologie – insbesondere dem „Voice Dialogue“ und „Teilpersönlichkeiten“ – verbunden. In seiner Einleitung zu dem Buch schreibt Ken Wilber:

„Der von Zen-Meister Dennis Genpo Merzel entwickelte Big-Mind-Prozess ist die wohl wichtigste und schöpferischste Entdeckung innerhalb des Buddhismus der letzten zwei Jahrhunderte.“ 

Der Big-Mind-Prozess ist ein einfacher und effektiver Weg, das Unendliche und die begrenzten Selbste zu integrieren. Den Big-Mind-Prozess kann man auf jeder Stufe der Entwicklung praktizieren und er fördert die Weiterentwicklung.“

Ziel des Prozesses ist es, ein Integrierter Frei-Wirkender Mensch zu sein, der das Absolute und das Relative (Menschsein) verbindet. 

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Psychosoziale Schattenarbeit

Psychosoziale Schattenarbeit

von Rolf Lutterbeck

Die systemische Aufstellungsarbeit erfreut sich seit Jahren zu Recht einer zunehmenden Beliebtheit. Bei allen Unterschieden in Methodik und Setting ist das Prinzip dabei ebenso einfach wie wirkungsvoll (vorausgesetzt, man weiß, was man tut): Innerliches (Erlebtes und Unbewusstes) wird in einer geeigneten äußeren Form „aufgestellt“ und damit sichtbar und gestaltbar gemacht. Doch welche Voraussetzungen müssen dabei gegeben sein, welche Arten von Unbewusstheit lassen sich so ins Bewusstsein heben, und wo und wie geht man am besten vor? Derartige Fragen beantworten sich aus der Aufstellungspraxis selbst und sind für (geistes)wissenschaftliche Untersuchungen offen. Wichtige Forschungen gibt es inzwischen an einigen Universitäten wie z.B. der privaten Universität Witten-Herdecke (Prof. Fritz B. Simon und die Dissertation von Dr. Peter Schlötter), an der Universität München (Prof. Matthias Varga von Kibéd) und vielen anderen. Dadurch wurde die Überbetonung von Gefühlen, zu der die Postmoderne neigt, durch wissenschaftliche Erkenntnisse relativiert. Aus integraler Sicht können die verschiedenen Aufstellungsformen in ihrer „Reife“ unterschieden werden in moderne, postmoderne und integrale Methodiken. Im folgendend Beitrag berichtet der Business-Coach und Aufsteller Rolf Lutterbeck aus seiner Aufstellungspraxis und illustriert die Möglichkeit, Unbewusstes bewusst zu machen. 

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