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25.9.2017 : 18:56 : +0200

Integrale Postmetaphysik

Bild: IntegralLife.com

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Rekonstruktion der Weisheitstraditionen

Rekonstruktion der Weisheitstraditionen

Bild: IntegralLife.com

- Ken Wilber

Integrale Postmetaphysik und ihr Pendant, Integraler Methodologischer Pluralismus, sind wichtig, wie ich meine, aus vielerlei Gründen. Zuallererst und am wichtigsten, weil ein System (spirituell oder andersartig), das sich nicht auseinandersetzt mit modernem Kantischen Denken und postmodernem Heideggerschen Denken, nicht darauf hoffen kann, mit irgendeiner Form von intellektueller Respektabilität zu überleben (stimme mit Ihnen überein oder nicht, sie müssen adressiert werden)  - und das bedeutet, dass alle Spiritualität in gewisser Hinsicht post-metaphysisch sein muss.

Zweitens, ebenso wie die Einsteinsche Physik, wenn sie auf Objekte angewandt wird, die sich langsamer als mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, zurück in Newtonsche Physik kollabiert, kann eine Integrale Post-Metaphysik all die essentiellen Elemente prämoderner und metaphysischer Systeme generieren doch ohne ihr mittlerweile diskreditiertes, ontologisches Gepäck

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Integrale Post-Metaphysik

Integrale Post-Metaphysik

Metaphysische Philosophien und Systeme (z.B. Platon, die philosophia perennis, die große Kette des Seins) postulieren vorgegebene ontologische Entitäten ("Substanzen", "Level des Seins", "ewige Ideen" etc.) , die aus moderner und postmoderner Sicht fraglich erscheinen. Da diese metaphysischen Systeme philosophisch diskreditiert sind (”der Mythos des Gegebenen”, “Metaphysik = Denken ohne Beweise”), sind auch die damit assoziierten spirituellen und religiösen Erfahrungen aus post-/moderner Sicht anrüchig und verdächtig geworden: Spiritualität passt nicht mehr durch das Nadelöhr der Post-/Moderne. 

Integrale Post-Metaphysik ist Wilbers Reformulierung der Erkenntnisse der spirituellen Traditionen, die den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht: derselbe GEIST, doch in zeitgemäßer Form. Spirituelle Erkenntnis wird mit Praxis und Injunktionen verknüpft.

Setzt man in die AQAL-Matrix die Parameter der mythischen Ära ein, so kann man daraus klassische metaphysische Systeme rekonstruieren (ähnlich der Relativitätstheorie, die in die alte Newtonsche Physik kollabiert, sobald man bestimmte Masse-Parameter einsetzt). Zudem werden die vorgegebenen ontologischen Entitäten durch ”kosmische Gewohnheiten” ersetzt – eine evolutionäre Sichtweise.

Perspektiven

Perspektiven

Perspektiven spielen bei Wilber-V eine entscheidende Rolle. Was auch immer geschieht, alles ist immer schon eingebettet in Perspektiven der 1., 2. und 3. Person. Philosophien, die mit der reinen Perzeption (Wahrnehmung) beginnen, sind Wilber zufolge bereits einen Schritt zuviel gegangen, denn ”Wahrnehmung” selbst erfordert, dass zuvor eine 1. Person (ein ”Ich”) eine 2. Person (ein ”Du”) , bzw. eine 3. Person (ein ”Es”) wahrnimmt.

Somit ist auch der Satz ”ein Subjekt nimmt ein Objekt wahr” bereits eine Abstraktion, die die entscheidende Tatsache überspringt, dass eine 1. Person in Relation zu einer 2. Person (bzw. 3. Person) steht. Wahrnehmungen sind nur innerhalb von Perspektiven möglich, weshalb Wilbers radikaler Schritt zu einer Post-Metaphysik in einer Ersetzung von Wahrnehmungen durch Perspektiven besteht.

Kosmisches Karma und Kreativität

Kosmisches Karma und Kreativität

Jeder Moment ist zugleich eine Mischung aus alten Elementen und neuen Elementen, aus Vergangenem und Aktuellen, aus Karma und Kreativität. Jeder neue Moment schließt den vorhergehenden Moment ein und transzendiert ihn.

Dies gilt in Wilbers Sicht in allen Quadranten: U.L. gibt es die kollektiven Strukturen des Bewußtseins, die vererbt werden und gleichzeitig weiter evolvieren, (z.B. die vMemes nach SD), für O.L. eine individuelle Geschichte des Bewußtseins, für die beiden rechten Quadranten (äußerlich) dasjenige, was Rupert Sheldrake Felder ”morphischer Resonanz”  (gestaltbildende Felder) nennt – jeweils individuell oder kollektiv eine Geschichte der evolvierenden äußerlichen Formen.

Neue Formen in der AQAL Matrix werden als kosmische Gewohnheitsmuster weitergegeben und bilden (je nach Grad der Wiederholung) einen mehr oder weniger starken Wahrscheinlichkeitsraum für zukünftige Phänomene. So entstehen ‚kosmische Trampelpfade’ von denen zwar abgewichen werden kann, dies jedoch mit der Zeit immer unwahrscheinlicher. Auf diese Weise können auch die physikalischen Gesetzmäßigkeiten als uralter kosmischer Habitus re-interpretiert werden, der selber kurz nach dem Big Bang evolviert ist. Hier geht die Kreativitätskomponente zwar mittlerweile gegen Null – ist aber nicht gleich Null (d.h. physikalische Gesetze geben Auskunft über sehr große Wahrscheinlichkeiten bezogen auf das Verhalten fundamentaler Holons wie Atome und Moleküle, jedoch sind das keine vollständig determinierten Aussagen, wie man bisher häufig annahm).