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18.11.2017 : 12:59 : +0100

Typologien (Typen)

Typologien (oder Typen) sind, neben Quadranten, Entwicklungsebenen, Entwicklungslinien und Zuständen, das fünfte Element des Integralen, und stehen für Vielfalt, Breite und Varianz der manifesten Welt. Typologien sind das wahrscheinlich älteste Klassifizierungssystem der Menschheit, als ein früher "integraler" Versuch, in der Vielzahl der sich ständig ändernden Erscheinungen Regelmässigkeiten und Systematiken zu erkennen, die es einem Erlauben inmitten all der Unsicherheiten des Lebens etwas Verlässliches und Vorhersehbares zu entdecken. Auf den Frühling folgt der Sommer, darauf kann man sich verlassen, ebenso wie darauf dass die Psychologie eines Menschen einer Kategorieklasse oder einem Temperament folgt wir phlegmatisch, cholerisch, melancholisch oder sanguinisch.

Es gibt eine große Anzahl von Typologien, basierend auf unterschiedlichen Merkmalsausprägungen, von Zweiertypologien wie yin und yang bis hin zu dem Bachblütensystem mit 38 Varianten. Das Integrale hat keine spezielle Typologie, sondern bedient sich je nach Zweck und Nutzen aus dem typologischen Erfahrungsschatz der Menschheit. Dabei können die Typologien in Verbindung mit den Quadranten, dem Entwicklungsgedanken und den Zuständen heute auf eine neue Weise entdeckt und bereichert werden. 

Typologien öffnen uns für die horizontale Breite der Vielfalt der Erscheinungen, und geben uns eine Hilfestellung bei deren Klassifizierung.

 

Übersicht über die Beiträge zu diesem Thema:

Psychologische Typen und C. G. Jung

Psychologische Typen und C. G. Jung

Michael Habecker

I'm a bitch, I'm a lover
I'm a child, I'm a mother
I'm a sinner, I'm a saint
I do not feel ashamed

Meredith Brooks – Bitch

Die psychologische Typologie hat keineswegs den an sich ziemlich belanglosen Zweck, Menschen in Kategorien einzuteilen, sondern sie bedeutet vielmehr eine kritische Psychologie, welche eine methodische Untersuchung und Ordnung von seelischen Erfahrungsmaterialien ermöglichen soll. In erster Linie ist sie ein kritischer Apparat für den psychologischen Forscher, welcher zur Ordnung einer beinahe chaotischen Fülle individueller Erfahrungsmassen bestimmter Gesichtspunkte und Richtlinien bedarf.

Es ist ein schon in der frühen Wissenschaftsgeschichte bekanntes Unternehmen des nachdenklichen Verstandes gewesen, zwischen den Polen der absoluten Ähnlichkeit und Unähnlichkeit menschlicher Wesen Zwischenstufen einzuschalten, sogenannte Typen, oder – wie man sie früher nannte – Temperamente, welche Gleichheit und Ungleichheit in gesetzmäßige Formen fassten.

Wenn ich also von psychologischer Typologie spreche, so handelt es sich um die Formulierung seelischer Strukturelemente ... Das von mir in Vorschlag gebrachte, auf praktischer Erfahrung beruhende typologische System ist ein Versuch, der bisher vorherrschenden schrankenlosen individuellen Variation in der psychologischen Auffassungsbildung eine Grundlage und einen Rahmen zu geben.  

C. G. Jung

 

Typologien gehören zu den ältesten Klassifizierungssystemen der Menschheit. Irgendwann in unserer Vorzeit begannen Menschen sich für ihr Inneres zu interessieren und wurden auf die Vielfalt der dort stattfindenden Phänomene und Zustände aufmerksam – dies war die Geburtsstunde von Meditation und Kontemplation. Gleichzeitig bestand aber auch schon früh das Bedürfnis, die unglaubliche Vielzahl und Verschiedenheit menschlicher Erfahrungen zu ordnen und Ähnliches zu Kategorien zusammenzuführen, um so Einheit in der Vielfalt, und damit auch Orientierung zu finden. Man suchte, mit anderen Worten, nicht nur nach phänomenologisch Unterschiedlichem, sondern auch nach den (erst einmal) verborgenen Strukturen, die außerhalb, aber vor allem auch innerhalb des Menschen am Wirken sind. Dies war die Geburtsstunde typologischer oder struktureller Untersuchungen.


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Typologischer Absolutismus

Typologischer Absolutismus

Michael Habecker

Wie den anderen Elementen des integralen Ansatzes bleibt auch den Typen oder Typologien das Schicksals ihrer Verabsolutierung nicht erspart: als Versuch die gesamte Wirklichkeit ausschließlich typologisch zu erklären. Da Typologien das wahrscheinlich älteste Klassifikationssystem der Menschheit sind (das Integrale der Frühzeit gewissermaßen, bei dem auf eine magische Weise alles zusammenpasst), finden wir hier auch die ältesten Beispiele für Absolutismen, wobei wir uns aus heutiger Perspektive vor einer historischen Arroganz hüten sollten. So wie das alte Wissen oftmals die Spitze der Erkenntnis zu seiner Zeit darstellte, so stellt auch unser heutiges Wissen lediglich eine Momentaufnahme unserer besten Möglichkeiten dar, die später, aus der Perspektive der uns Nachfolgenden, als überholt – und vielleicht auch in anderer Weise absolutistisch – bezeichnet werden muss.

Kurz vor der Zeitenwende entstand in China unter der Leitung von Liu An (180 – 122 v. Chr.) das Huainanzi, ein klassisches Werk der chinesischen Philosophie. Es behandelt vielfältige Themen wie alte Mythen, zeitgenössische Regierungskunst, didaktische historische Anekdoten, Astronomie, Philosophie, Metaphysik und Mystik. Die kosmologischen Spekulationen des Huainanzi sind die des Daoismus: Das Ursprungsqi soll sich in ein reines und klares Qi, das den Himmel bildet, sowie ein dunkles und schweres Qi, das die Erde bildet, geteilt haben, als ein erster typologischer Scheideweg. Darüber hinausgehend zeigt das Werk Einflüsse des Yijing, der Yin und Yang-Schule und der Schule der Fünf-Elemente Lehre, und vereinigt somit gleich drei typologische Systeme.

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Ken Wilber über Typologien

Ken Wilber über Typologien

(aus: Integral Naked, Typology and Social Evolution Mitschnitt von einem Integral Sustainability Seminar vom 14.9. 06)

Einleitung der IN Redaktion

Ken spricht in diesem Beitrag über die Bedeutung von Typen, dem „fünften Element“ des AQAL Modells, was Typologien einschließt wie maskulin/feminin, Myers-Briggs, das Enneagramm und sogar Astrologie. Das Erlernen dieser Typologien kann, wie Ken erläutert, das Verständnis der Welt um uns herum verfeinern und unsere Aufmerksamkeit schärfen für die unterschiedlichen Muster, die sich auf jeder der Entwicklungsstufen ereignen können. Danach erläutert Ken die Evolution der unterschiedlichen techno-ökonomischen Modalitäten im geschichtlichen Verlauf und wie sie alle ihren Einfluss auf die menschliche Kultur und das Bewusstsein ausübten. 

Transkript

Frage: Ich möchte eine Frage zu den Typen stellen. Ich habe das Gefühl, dass man sich um die Typen des AQAL Modells am wenigsten kümmert. Können Sie mir sagen, worum es bei Typologien geht und warum sie mit aufgenommen wurden?

KW: Erinnern wir uns dabei zuerst daran, dass die fünf AQAL Elemente lediglich die fünf wichtigsten Elemente darstellen. Man kann natürlich noch weitere hinzufügen. Diese fünf sind jedoch unserer Meinung nach das Minimum, das man berücksichtigen sollte, wenn man integral sein möchte. Wir stellen fest, dass üblicherweise 1, 2, 3 oder 4 dieser Elemente nicht berücksichtigt werden.

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