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23.3.2017 : 9:16 : +0100

Zu Steve McIntoshs Wilber Kritik

Steve McIntosh auf einem Vortrag in San Francisco

Michael Habecker

In seinem in Kürze auch auf Deutsch erscheinenden Buch Integrales Bewusstsein: Wie die integrale Weltsicht Politik, Kultur und Spiritualität transformiert (Phänomen Verlag) erläutet der Autor seine Sicht von Integralität. Dabei formuliert er auch, neben seiner Bewunderung für Ken Wilber, Kritikpunkte an dessen Werk, von denen eine längere Passage hier besprochen werden soll[1]

Der Verlag kündigt diese Kritik wie folgt an: „Doch noch mehr als das liefert McIntosh eine höchst wichtige Kontextualisierung und von persönlicher Idiosynkrasie freie Kritik an dem führenden Autor der Integralen Bewegung, Ken Wilber, was dabei hilft, die Integrale Philosophie als Ganzes einem größeren Publikum zugänglich zu machen und die Bedeutung, Funktion und Tiefe der Integralen Philosophie zu verstehen.“

Schauen wir uns diese Kritik anhand des Appendix B des Buches (S. 329 f.) näher an. Dazu brauchen wir einige Vorabinformationen betreffen Wilbers Holon Theorie. (Ein Holon ist nach Wilbers Definition ein Teil/Ganzes von was auch immer). Wilber unterscheidet vier Arten unterschiedlicher Kategorie von Dingen oder Entitäten[2]:

a)     individuelle Holons

b)    soziale Holons

c)     Haufen

d)    Artefakte

Individuelle Holons sind „empfindenden Wesen“ wie Menschen, Tiere, Pflanzen, usw. bis – nach Wilber –  ganz nach unten zu den subatomaren Teilchen, denn „wo ein Außen ist, ist auch ein Innen, und umgekehrt“.

Soziale Holons sind Gemeinschaften individueller Holons, also Beziehungen, Nationen, Herden, Vogelschwärme, Korallenriffe, auch wieder – nach Wilber – bis ganz nach unten, denn „wo ein Individuelles/Ich ist, da ist auch ein Kulturelles/Wir, und umgekehrt“.

Artefakte sind materielle oder immaterielle Produkte individueller und sozialer Holons wie Kommunikationssysteme, Sprache, Vogelnester, Häuser usw.

Haufen sind lose Zusammentreffen von Dingen wie ein Blätterhaufen oder eine Wasserpfütze.

Diese vier Entitäten lassen sich nun unterscheiden hinsichtlich ihrer Teil/Ganzes Beziehung, oder hinsichtlich dessen was „Bewusstseins“ jeweils  bedeutet. Die Teil/Ganzes Beziehung ist für ein individuelles Holon ist am stärksten. Wilber verwendet dafür das Beispiel eines Hundes der sich entscheidet von A nach B zu laufen, und alle seine Zellen müssen mit. Individuelle Holons haben ein Ich-Bewußtsein und eine Intentionalität (das sich nach unten auf der Entwicklungsskala immer weiter gewissermaßen verdünnt). Bei sozialen Holons gibt es kein Ich-Bewußtsein, sondern die Bewusstheit ist auf die am sozialen Holon beteiligten Mitglieder verteilt, sie ist inter-subjektiv, und Wilber spricht von einem „Nexus“. Dieser Nexus kann sehr stark ausgeprägt sein, und von den Individuen als Gruppendruck empfunden werden, doch das Individuum hat, anders als die Körperteile des Hundes, immer noch die Wahl, teilzunehmen oder nicht.

Ein Artefakt als Ganzes besteht auch aus den Teilen aus denen es zusammengesetzt ist, doch hier gibt es weder ein Ich-Bewußtsein noch eine Intersubjektivität. Was hinsichtlich eines Artefaktes an Bewußtheit existiert, ist die Intention der inviduellen und sozialen Holons, die zu seiner Erschaffung geführt haben, also die Intention der Vogeleltern ein Nest zu bauen, oder die Intention der Mitglieder einer Gemeinschaft zu kommunizieren und Sprache zu schaffen.

Bei einem Haufen, der auch aus seinen „zusammengewürfelten“ Einzelteilen besteht, existiert keine Bewusstheit und keine Intentionalität, außer der die den Gesetzmäßigkeiten innewohnt, die den Haufen gebildet haben (der Windstoß der zum Blätterhaufen führt).

So weit eine Kurzfassung  meines Verständnis dieser vier von Wilber eingeführten Kategorien.

Steve McIntosh beginnt im Appendix B seines Buches mit der Würdigung von Wilbers Quadranten-Modell. Er formuliert dann als Kritik die Aussage:

„ ... enthält das Quadranten-Modell bestimmte Verzerrungen und Schwächen, die verhindern, dass es als zentrale Grundlage des Wirklichkeitsrahmens der integralen Philosophie dienen kann. Wie durch die Argumente in diesem Appendix gezeigt werden wird, erhöht Wilbers Modell die von Menschen geschaffenen Artefakte auf eine Ebene mit natürlichen Holons, weil er auf einem besonderen „interobjektiven“ äußeren Bereich natürlich entstehender holonischer Systeme in der sozialen Evolution des Menschen besteht.“ 

Diese Aussage enthält wesentliche Grundannahmen von McIntosh über Wilbers Arbeit, die eine nähere Betrachtung verdienen, da der Autor auf ihnen seine weitere Argumentation aufbaut.

Zuerst einmal gilt es festzuhalten, dass es nicht nur von Menschen geschaffene Artefakte gibt, (siehe Einführung). Weiterhin differenziert Wilber klar zwischen Artefakten, individuellen Holons und sozialen Holons, und drittens ist der interobjektive Beriech diesbezüglich nichts besonderes, sondern ergibt sich aus der Unterscheidung von innerlich/äußerlich und individuell/kollektiv.

McIntosh weiter:

„Und durch diesen Versuch interobjektive Systeme (wie diejenigen, die wir in der biologischen Evolution vorfinden) im Bereich der menschlichen Gesellschaft zu lokalisieren, wird das Quadranten-Modell mit einem Kategorienfehler belastet.“

Die Formulierung interobjektiver Systeme ist etwas, was alle Systemtheoretiker tun, und zwar schon lange vor Wilber. Wenn McIntosh recht hätte, dann wäre jegliche Systemtheorie ein „Kategorienfehler“.

McIntosh kommt dann auf „Probleme mit der Kontinuität von Wilbers evolutionären Zeitpfeilen“ zu sprechen:

„Sobald sich die menschliche Kultur entwickelt und sobald wir über die biologisch begründeten objektiven Ordnungszusammenhänge der Familie (oder sogar des Stammes) hinausgehen, werden die äußerlich sichtbaren Strukturen, die das Ergebnis der sozialen Evolution sind, immer weniger holonisch und zunehmend ein Produkt menschlicher Gestaltung.“

Was McIntosh hier als einen Widerspruch darlegt ist keiner, weil auch menschliche Gestaltungen holonisch im Sinne Teil/Ganzes sind. Im übrigen betrifft das nicht nur den unteren rechten, sondern auch den unteren linken Quadranten (und die oberen Quadranten auch). Zusammen mit den materiellem menschlichen Gestaltungen (unten rechts) treten gemeinschaftliche geistige Gestaltungen unten links auf, das Wir der Menschheit, von Clan zu Stamm zu Nation. Und das ist in der Evolution nichts Neues, das gab es schon von Anfang an.  

„Vor dem Entstehen der menschlichen Kultur zeigt Wilbers vierfacher Zeitpfeil der Entwicklung, der die Evolution von kosmologischen und biologischen Strukturen verfolgt, Systeme, die tatsächlich interobjektive Holons sind. Diese vormenschlichen evolutionären Strukturen sind natürliche, selbstorganisierende Systeme, die ihrer Natur nach kollektiv und gleichzeitig äußerlich sichtbar sind. Diese äußeren Strukturen sind zweifellos authentische Holons – Ergebnisse des natürlichen Prozesses der Evolution. Beispiele solcher äußeren, interobjektiven Strukturen finden wir in Ordnungsformen, wie zum Beispiel ein Gänseschwarm oder eine Affenfamilie.“ 

Und auch in diesen „natürlichen“ Systemen gibt es bereits jede Menge Artefakte, die von Tieren geschaffen werden. (Sauriernester, Biberbauten, Ameisenhügel, Sprachen und Verständigungsformen). Es hat den Anschein, als wäre das Auftreten des selbstreflexiven Menschen für den Autor etwas Unnatürliches. 

„Aber es verändert sich etwas an der „Schwelle der Reflexion“ (ein Begriff, den wir uns von Teilhard leihen werden) und wir können das sowohl im oberen rechten als auch im unteren linken Quadranten sehen. Wie [in einer Abbildung] sichtbar wird, ist die Evolution neuer biologischer Strukturen im menschlichen Gehirn mit dem ‚komplexen Neokortex’ beendet.“ 

Das ist keineswegs das was Wilber sagt. Ein Entwicklungsende gibt es, wenn überhaupt, nur für die Grobstrukturen des menschlichen Gehirns, und nicht für die Feinstrukturen. Die müssen sich – äußerlich – weiterentwickeln, und tun dies auch, wenn es eine – innerliche – Weiterentwicklung gegen soll. (Genauer gesagt entwickeln sich alle vier Quadranten miteinander).

„Trotzdem zeigt Wilbers Modell weitere Evolution durch „SF1, SF2, und SF3“ (wobei SF für Strukturfunktionen im menschlichen Gehirn steht).“

Ja, und genau das sind Begriffe für die sich entwickelnden, und noch nicht oder nur wenig erforschten Feinstrukturen des Gehirns. Von einem Ende der Entwicklung biologischer Strukturen im Gehirn kann also keine Rede sein. Die Entdeckung und Untersuchung derartiger Feinstrukturen und Selbstorganisationsprozesse des Gehirns sind Gegenstand der kognitiven Biologie und Neurowissenschaften[3]

„Indem er diese Entwicklungen des Gehirns zum „postkomplexen Neokortex“ in seinen Zeitpfeil der Evolution mit einbezieht, versucht Wilber zu zeigen, wie die Entstehung neuer kultureller Weltsichten zu einer messbaren Zunahme der elektrischen Gehirnaktivität führt.“

Die Komplexifizierung der Gehirnstrukturen kann alles mögliche sein, und muss nicht nur elektrisch sein. Sie kann chemisch, elektrisch, strukturell oder feinstofflich/energetisch oder eine Kombination davon sein.

„Wie wir im 4. Kapitel untersucht haben, führt die stufenweise Evolution des Bewusstseins tatsächlich zu einer zunehmenden elektrischen Aktivierung im Gehirn und Wilbers Modell gibt dies in seinen vorausgesehenen „Strukturfunktionen“ korrekt wieder.“ 

Genau.

„Aber es gibt einen Unterschied zwischen zunehmender elektrischer Aktivität im Gehirn und dem Entstehen neuer biologischer Strukturen der Evolution.“

Ja, das eine sind Grob- und das andere sind Feinstrukturen, und beides ist Bestandteil des oberen rechten Quadranten.

„Die Wissenschaft ist sich darin einig, dass die Biologie des menschlichen Gehirns in den letzten 10.000 Jahren keine neuen Strukturen entwickelt hat.“ 

Der Autor meint wahrscheinlich Grobstrukturen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das menschliche Gehirn nicht (feinstrukturell) weiter entwickelt.

„Was immer diese Strukturfunktionen sein mögen, sie sind keine neue evolutionäre Erscheinung von biologischen Strukturen (so wie jene, die auf dem Zeitpfeil im oberen rechten Quadranten unterhalb des „komplexen Neokortex“ gezeigt werden).“ 

Doch, es sind neue, emergente, biologische Feinstrukturen. Auch Feinstrukturen sind Strukturen. Ebenso könnte man sagen, dass Moleküle nicht Neues sind zu Atomen, da sie ja aus diesen bestehen und insofern nicht Neues entsteht, sonder sich Vorhandenes nur anders gruppiert.  

„Deshalb sehen wir eine Art Diskontinuität, sobald der Zeitpfeil die Schwelle der Reflexion passiert – die Biologie des Gehirns zeigt wenig oder keine strukturellen Veränderungen, aber eine neue Art von Entwicklung, die als zunehmende neurologische Gehirnaktivität beschrieben wird, ist einfach in den Zeitpfeil der Entwicklung aufgenommen worden.“

Ja, weil im oberen rechten Quadranten alle Strukturen aufgeführt werden, Grob- und Feinstrukturen. Die „Diskontinuität“ besteht lediglich darin, dass die Veränderungen immer feiner werden. Doch dass ist im Verlaufe der Evolution nichts Neues. Bestehende Materialien werden immer wieder neu kombiniert und verfeinert. 

„Aber auch wenn diese Verbindung von zwei Arten der Entwicklung zu einem kontinuierlichen Zeitpfeil die Evolution zu sehr vereinfacht, denke ich nicht, dass es besonders problematisch für die Richtigkeit des Vier-Quadranten-Modells ist.“

Es ist nur dann ein Problem, wenn man in einem groben Absolutismus gefangen ist, der darauf besteht dass äußerliche Veränderungen immer im Groben stattfinden müssen. Aber die Evolution arbeitet auch im Feinen.

Der Autor wendet sich dann den unteren Quadranten zu, und stellt fest, dass mit dem Auftreten des Menschen diese „bewusst ihre sozialen Ordnungsformen zu gestalten“ beginnen. Man könnte noch hinzufügen, dass dies auch für die innerlichen kulturellen Formen, den unteren linken Quadranten zutrifft, und natürlich auch für die oberen Quadranten.

„Als Beispiel für den Unterschied zwischen einem von Menschen gestalteten Artefakt und einem natürlichen Holon können wir zum Beispiel die äußere Struktur eines Nationalstaates wie den USA anschauen. Die äußere Organisation der Vereinigten Staaten ist ein Artefakt mit einer bewusst geformten Gestalt – es ist eine Struktur des Rechts, die von einer Verfassung begründet wird. Aber obwohl die äußerliche rechtliche Struktur der USA ein nicht-holonischer Artefakt ist ...“

Wenn man holonisch mit Teil/Ganzes definiert, dann ist ein Artefakt auch ein Holon. Wenn man mit Holon jedoch ein individuelles oder soziales Holon meint, dann ist ein Artefakt kein individuelles Holon, und auch – für sich – kein soziales Holon, es ist aber ein Teil sozialer Holons. Das ist aber nicht neu. Schon in den Sauriergemeinschaften gab es Artefakte, wie z. B. Sauriernester. Oder, noch wieter zurück, die ersten Kommunikationsformen zwischen Einzellern durch Austausch von Signalstoffe lassen sich als ein (sprachliches) Artefakt sehen.

„ ... besteht sie auch aus einer intersubjektiven kulturellen Wirklichkeit, die in der Tat ein inneres holonisches System darstellt (im unteren linken Quadranten) und mit ihrer äußeren nationalen Struktur koexistiert. Und weil die soziale Realität von Nationalstaaten wie den USA aus einer kombinierten inneren holonischen und äußeren artefaktischen Struktur besteht, ist es leicht beide zu verwechseln.“

Die Verwirrung besteht hier meines Erachtens allein auf Seiten von McIntosh. Mit dem Auftauchen des Menschen entstehen menschliche Artefakte, sowohl geistige (Ideen) wie auch materielle (Produkte). Die findet man auch in den Kulturen wie auch in den Systemen, und daher auch in den Quadranten.

„Ein weiteres Beispiel einer kombinierten inneren holonischen und äußeren artefaktischen Struktur finden wir in einem Wirtschaftsbetrieb. Die äußere objektive Struktur einer Firma entsteht nicht autopoietisch wie ein Ökosystem, ihre Struktur wird von Anwälten gestaltet und geschaffen, die sich nach den Vorschriften der Gesetzgebung richten.“

Das nennt Wilber (nach Luhmann) soziale Autopoiese.  

„Und wenn die Firma ihre Arbeit aufnimmt, sind die Elemente ihrer Struktur (wie sie im Organigramm erkennbar ist) das Ergebnis bewusster Planung des Managements der Firma. Obwohl das äußere Design der Struktur einer Firma mit Sicherheit artefaktisch ist (das schließt sowohl die Struktur des Designs der Organisation als auch die materiellen Gebäude und Informationssysteme mit ein), ist die innere Kultur der Firma und die Art und Weise, wie sie vom Markt wahrgenommen wird, holonisch.“

Auch die innere Kultur enthält jede Menge menschliche Artefakte, wie Ideen, gemeinsame Vorstellungen, Ziele usw.

„Die Gestaltung des Managements kann die Firmenkultur beeinflussen, aber die Meinungen und Stimmungen der Mitarbeiter der Firma entstehen aus ihrer tatsächlichen Erfahrung und aus der Qualität der Beziehungen, die sie miteinander und den Führungskräften der Firma haben.“

Plus ihrer geistigen Artefakte, wie z. B. Sprache. 

„Der Geist einer Organisation ist ein holonisches, selbstorganisierendes, kulturelles System, das beeinflusst, aber nicht direkt gestaltet und geschaffen werden kann, wie es bei der äußeren Organisationsstruktur möglich ist.“

Es wird mit-gestaltet von den Mitgliedern.

McIntosh erläutert dann anhand einer Textstelle, wie Wilber die Artefakte explizit als Teile sozialer Holons betrachtet, und bemängelt dann: 

„Obwohl Wilbers neueste Schriften nun die Rolle der Artefakte anerkennen, wurden in den grafischen Diagrammen seines Modells keine Veränderungen vorgenommen, um diese wichtige Neuorientierung zum Ausdruck zu bringen.“

Der Einbezug der Artefakt in das Wilber’sche Modell ist nicht neu, sondern etwa 10 Jahre alt. 

Eine Änderung der Modells der vier Quadranten ist dadurch jedoch nicht notwendig, weil bereits in EKL, wo Wilber auf S. 161 die 4 Quadranten erstmals vorstellt, im unteren rechten Quadranten „sozial (System)“ steht, und nicht mehr. Dort lassen sich die Artefakte und vieles andere mehr problemlos unterbringen, d. h. alles was äußerlich-kollektiv ist.

McIntosh bringt dann das Wilber-Beispiel eibes Gänseschwarms, und bezeichnet die „individuellen und kollektiven Aspekts des „Gans-seins““ als „vollkommen natürlich und holonisch.“ Doch auch Gänse bauen Nester und kommunizieren sprachlich miteinander, und schaffen damit Artefakte. Wir finden also auch in diesen von McIntosh so genannten „natürlichen holonischen Gemeinschaften“ immer schon Artefakte, und nicht erst beim Menschen.

„Ich möchte noch einmal sagen, dass das Quadranten-Modell sehr gut funktioniert, wenn wir uns die biologische Evolution anschauen. Aber wenn wir uns die evolutionären Strukturen anschauen, die wir im Zeitpfeil des Modells nach dem 10. Drehpunkt vorfinden (wo ungefähr die Schwelle der Reflexion liegt), dann werden die äußeren, sichtbaren, objektiven Merkmale der kollektiven sozialen Ordnungsformen zweifellos artefaktisch.“ 

Artefaktisch sind bereits schon die sozialen Kulturne und Systeme lange bevor der Mensch auftritt. Auch Korallen bauen Riffe, und schon Bakterien haben eine art von Sprache, mit der sie sich verständigen.

„Nachdem wir in unserer Untersuchung der Zusammensetzung der sozialen Systeme des Menschen die äußeren Artefakte und die inneren intersubjektiven Holons, die zusammen diese Systeme ausmachen, richtig identifiziert haben, wird die zusätzliche Postulierung eines selbstorganisierenden äußeren Holons überflüssig.“

Wieso? Das äußerlich Kollektive ist nun mal existent, und seine Selbstorganisation auch. Niklas Luhmann hat darüber ausführlich geschrieben.

McIntosh kommt dann auf die oberen Quadranten zu sprechen.

„Die obere Hälfte von Wilbers Modell, also die teilweise unabhängige systemische Wirklichkeit von Körper und Geist kann eindeutig darin gesehen werden, wie jedes dieser holonischen Systeme einen Grad von Autonomie zeigt. Wenn ich zum Beispiel im Koma liege und meine Gehirnwellen buchstäblich flach sind, kann mein Körper weiterhin funktionieren. Und andererseits, wie in vielen Nahtoderfahrungen aufgezeichnet wurde, kann mein Geist auch dann, wenn mein Körper biologisch tot ist, noch Erfahrungen machen (dies ist in verschiedenen Büchern gut dokumentiert, zum Beispiel in Jenny Wades Changes of Mind).“

Hier wäre es sinnvoll und wichtig, auf die Theorie der drei Körper zu sprechen zu kommen, denn damit lassen sich die angesprochenen Phänomene erklären.

„Aber im Fall intersubjektiver kultureller Systeme und objektivem Verhalten, in dem sie sich zeigen, gibt es einen Mangel an systemischer Unabhängigkeit auf Seiten des Verhaltens.“

Das sehen die SystemforscherInnen anders. Allgemein kann man sagen, jeder Quadrant, also auch der untere rechte Quadrant, hat eine gewisse Autonomie, aber alle hängen voneinander ab. 

„ ... wenn wir die Idee der Interobjektivität dadurch untermauern müssen, dass wir uns auf „Schnittstellen des Verhaltens“ zurückziehen, um zu versuchen, die angeblich vorhandenen natürlichen, selbstorganisierenden, objektiven Systeme zu lokalisieren, die dieses Modell voraussetzt, dann wird es schwer den „einfachen Ort“ dieser postulierten selbstorganisierenden Systeme zu finden.“ 

Die Idee der Interobjektivität ergibt sich zuallererst aus der einfachen Unterscheidung von innerlich/äußerlich und individuell/objektiv. Was die selbstorganisierenden Systeme betrifft ist Wilber nicht der einzige oder erste der davon spricht, sondern die Soziologen und SystemtheoretikerInnen tun dies praktisch von Anbeginn am.

„Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, dass es im Bereich der Biologie, wie wir beim Beispiel des Gänseschwarms gesehen haben, durchaus eine Innen-Außen-Symmetrie in den kollektiven Ordnungsformen gibt, die die Innen-Außen-Symmetrie des objektiven Körpers und des subjektiven Bewusstseins, dass wir in Individuen finden, wiederspiegelt. Aber wenn sich die Menschheit über ihre biologischen Wurzeln hinaus entwickelt, wenn die Biosphäre von der Noosphäre transzendiert wird, beruht diese neue Form der Evolution auf der Konstruktion menschlicher Artefakte, um die äußeren und objektiven Ausdrucksformen ihrer fortschreitenden intersubjektiven Entwicklung zu gestalten.“

Ja, aber das ist kein Problem für die Integrale Theorie von Ken Wilber, sondern das was Wilber selbst sagt. Mit der Entwicklung der menschlichen Kultur spielen die menschlichen Artefakte ein immer größere Rolle. Doch auch bereits vorher haben Artefakte eine bedeutende Rolle in der Evolution gespielt.

„Aber diese offensichtliche und erstaunliche materielle Komplexität unserer sich entwickelnden Gesellschaft finden wir nicht in der eher obskuren und unfassbaren Idee der „Schnittstellen des Verhaltens“, die an einer „sozialen Autopoiesis“ teilhaben.“

Doch auch. Soziale Autopoiese gibt es auch, und dabei spielt das Artefakt „Sprache“ eine entscheidende Rolle.

McIntosh fasst zusammen:

„ ... sobald Artefakte ein unleugbarer wichtiger Faktor in der Evolution der menschlichen Kultur jenseits ihrer biologischen Wurzeln werden, begann die die elegante holonische Symmetrie auseinanderzubrechen.“

Keineswegs. Die Symmetrie ist nach wie vor gegeben, was jedoch hinzukommt sind menschliche Artefakte (zu den bereits seit langer Zeit existierenden tierischen Artefakten).

„Wie im Bild ... gezeigt, verfolgt der Zeitpfeil im oberen rechten Quadranten die zunehmende elektrische Aktivität im menschlichen Gehirn, die, wie wir gesehen haben, in der tatsächlichen Evolution im Allgemeinen nicht gefunden werden kann.“

Was ist „tatsächliche“ Evolution? Die Verfeinerung von Energie oben rechts ist auch „tatsächliche“ Evolution. Was sollte sie sonst sein?

„Zudem ist es wichtig hier anzumerken, dass Artfakte sowohl individuell als auch kollektiv sind, deshalb können sie nicht einfach ausschließlich im kollektiven Quadranten des Modells eingeordnet werden.“

Das hat auch niemand getan. Ein Artefakt hat selbst, anders als ein individuelles Holon, keine Quadranten als Perspektiven die es selbst einnehmen könnte (es hat kein Ich-Bewußtsein), aber es kann, wie jedes Ereignis, von allen vier Quadranten aus betrachtet werden.

„ ... wenn die menschlichen Artefakte sich im Laufe des gesellschaftlichen Fortschritts auf dem Zeitpfeil der Evolution entwickeln und wenn ein Verständnis der Artefakte für jede Theorie der kulturellen Evolution wichtig ist, dann spielen die von Menschen geschaffenen Strukturen eine andere Rolle im Entwicklungsprozess als Holons, und sie müssen als verschieden von den Holarchien der natürlich entstehenden Holons erkannt werden, die Wilber versucht zu kartografieren.“

Was der Autor hier wohl nicht versteht ist, dass das was Wilber mit den vier Linien in den Quadranten darstellt, lediglich, wie Wilber selbst in EKL (S. 243) sagt „einige Details“ der vier Quadranten darstellt. McIntosh tut so, als wenn mit diesen wenigen Linien bereits die Quadranten ausgeschöpft wären, doch das ist nicht der Fall.

„Warum fährt Wilber damit fort darauf zu bestehen, dass die äußeren Aspekte der kollektiven Kultur des Menschen interobjektive Systeme selbstorganisierender „Es“-Entitäten sind? Die Antwort ist meines Erachtens, dass er versucht die Arbeit der Systemwissenschaftler und ihrer Theorien der „Sozialen Handlungssysteme“ zu würdigen.“

Ja, und das ist das was eine integrale Theorie tut, die Erkenntnissen anderer würdigen, in ihrer Größe und in ihren Grenzen, und es schließt die Berücksichtigung von Artefakten doch nicht aus.

McIntosh kommt dann auf die Theorie sozialer Handlungssysteme zu sprechen, und erwähnt Talcott Parsons und Niklas Luhmann.

„Obwohl Lumann die zentrale und kreative Rolle der Kommunikation in der Bildung sozialer Systeme richtig erkannte, hielt ihn seine materialistische Weltsicht davon ab, die inneren und intersubjektiven Bereiche jedes sozialen Systems des Menschen zu erkennen. Diese Blindheit für das Innere brachte ihn dazu zu versuchen, die Selbstorganisation dieser Systeme im äußeren Bereich zu lokalisieren, der für ihn der einzige existierende Bereich war. Luhmanns Theorie erforderte also demnach die Existenz ontologischer, materieller und äußerer – aber irgendwie auch autopoietischer – sozialer Systeme. Und heute setzt Wilber in der Nachfolge von Luhmann dieses theoretische Postulat in der Konstruktion des interobjektiven Quadranten seines Modells fort.“ 

Dies ist das was Wilber mit „Absolutismus“ meint, die Verabsolutierung einer bestimmten Sichtweise, in diesem Fall der Sichtweise der Systemtheorie. McIntosh tut so, als würde Wilber dem Luhmann’schen Absolutismus folgen, dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Wilber hat derartige Absolutismen erst aufgedeckt, und durch Modelle wie das der vier Quadranten explizit gemacht. McIntosh profitiert von dieser Einsicht und macht davon Gebrauch, doch anstatt dem Leser zu sagen, von wem er, McIntosh, diese Einsicht hat, macht er daraus eine Wilber-Kritik.

„Mit anderen Worten haben wissenschaftliche Systemtheoretiker wie Parsons und Luhmann den Unterschied zwischen einem inneren (nichtmateriellen) System, wie zum Beispiel die menschlichen Beziehungen, und einem äußeren (materiellen) System, wie zum Beispiel einem biologischen Organismus oder einem Ökosystem, nicht vollständig erkannt.“

Genau. Und dass wir das jetzt so genau erkennen können verdanken wir auch der Quadrantendiffenrenzierung von Wilber.

„Das heißt, in einer materialistischen Weltsicht sind im Grunde alle Systeme materiell – die Idee eines inneren Universums wird nicht bedacht oder erkannt. Diese Theoretiker können nicht sehen, dass die wirklichen Systeme der menschlichen Beziehungen, die sie versuchen zu beschreiben, im Grunde nicht materiell sind. Aber wie wir in diesem Buch immer wieder gesehen haben, ist die Essenz der menschlichen Beziehung im Grunde innerlich und intersubjektiv.“

Das wäre das andere Extrem, eine idealistischer (innerlicher) Absolutismus („im Grunde innerlich und intersubjektiv“). Menschliche Beziehung hat – nach Wilber – mindesten vier Hauptaspekte, die alle auf ihre Weise „essentiell“ sind. Ohne Außenbeziehung keine Innenbeziehung, ohne Äußerliches kein Innerliches.

McIntiosh wiederholt dann den Flachland-Gedanken und den „subtilen Reduktionismus“, wie ihn Wilber schon in EKL beschrieben hat, ohne allerdings zu erwähnen, dass er sich hier der Ideen Wilbers bedient. Er verwendet sogar ein konkretes Beispiel von Wilber, und zwar die Gesichtszüge eines Menschen als Ausdruck seiner Innerlichkeit.

Schließlich kommt er zu der Einsicht:

„Die Erkenntnis des Unterschieds zwischen sozialen Holons und individuellen Holons ist wichtig für die integrale Theorie, und es ist genauso wichtig, dass wir eindeutig den Unterschied zwischen interobjektiven biologischen Holons und von Menschen geschaffenen Artefakten erkennen.“

Genau diesen Unterschied hat Wilber gemacht: Individuelle Holons, soziale Holons, Artefakte und Haufen. Und noch einmal: Artefakte gibt es nicht nur von Menschen, sondern von allen empfindende Wesen. Doch das unterschlägt McIntosh.

Nach diesen kritischen Erläuterungen bietet McIntosh „eine vereinfachte, alternative Erklärung“ an.

„Eine alternative Erklärung, die das artefaktische Äußere der kulturellen Handlungen des Menschen besser erklärt, besagt einfach, dass alle inneren Holarchien mit dem objektiven Bereich verbunden sind – jede evolutionäre Handlung ist in irgendeiner Weise mit der materiellen Wirklichkeit verbunden.“

Wo ein Innen dann ein Außen, wo ein Außen da ein Innen. Das ist keine „vereinfachte, alternative Erklärung“, sondern einmal mehr bei Wilber abgeschrieben.

„Das subjektive Bewusstsein ist auf jeder Ebene mit materiellen, objektiven Strukturen, wie zum Beispiel biologischen Organismen, verbunden. Und intersubjektive Beziehungen und Kulturen sind auch immer mit objektiven Strukturen verbunden.“

Das sind die vier Quadranten.

„Vor dem Erscheinen des Menschen war die intersubjektive Kultur der Tiere mit selbstorganisierenden Ökosystemen und natürlichen materiellen Gruppenbildungen, wie dem Schwarm oder der Herde, verbunden.“

Plus den Artefakten der Tiere, wie deren Sprache und deren Bauten wie Nester. Die „vergisst“ McIntosh.  

„Aber wenn die intersubjektive Kultur des Menschen über ihre biologischen Wurzeln hinausgeht, verbindet sie sich immer mehr mit den wachsenden Strukturen der Artefakte und von Menschen geschaffenen Ordnungsformen. Der Punkt dabei ist: Jedes Innere hat ein Äußeres, aber das „äußere“ Universum, das mit den Sinnen wahrgenommen werden kann, ist nur objektiv.“

Es ist äußerlich und kann objektiv wahrgenommen werden. Aber es ist nicht nur äußerlich im Sinne von „losgelöst von aller Innerlichkeit“, weil alle Quadranten immer miteinander erscheinen. 

„In diesem objektiven Bereich der Evolution finden wir immer ein äußeres Gegenstück der inneren Evolution, sowohl individuell als auch sozial.“

Die vier Quadranten.

„Wir müssen nicht darauf bestehen, dass jede menschliche Kultur immer mit einem holonischen System „dynamischer Es-Entitäten“ verbunden sein muss – wir brauchen das falsche Konzept des sozialen Handlungssystems nicht, um die Existenz eines inneren intersubjektiven Systems zu rechtfertigen; ... “

Soziale Systeme „rechtfertigen“ nicht intersubjektive Kulturen, sie sind die Außenseite dieser Kulturen. 

„ ... alles, was wir brauchen, sind die Artefakte der Kommunikation, wie zum Beispiel die Sprache, die Kunst oder absichtsvolle Handlungen. Unter Verwendung von Ockhams Rasiermesser (das die einfachste Erklärung favorisiert) in unserem Verständnis der kulturellen Evolution des Menschen können wir den interobjektiven Quadranten weglassen und trotzdem das Äußere der intersubjektiven Systeme berücksichtigen.“ 

Wie soll das gehen? Wo soll das Äußere der intersubjektiven Systeme denn hin?

„Diese vereinfachte Erklärung erfüllt die Aufgabe besser uns zu helfen zu erkennen, wie von Menschen geschaffene Artefakte als äußere Formen der sich entwickelnden Kultur des Menschen dienen und tatsächlich ein Ersatz für die fehlende weitere biologische Evolution im Zeitpfeil der menschlichen Geschichte sind. 

Die biologische Evolution „fehlt“ nicht, sondern ist weiterhin die Grundlage für alles andere. Wenn sie fehlen würde, würde alles Darüberliegende zusammenbrechen. Und sie geht natürlich immer weiter, und verfeinert sich immer mehr. Artefakte allein bewirken noch keine Bewusstseinsentwicklung, auch wenn sie eine bedeutende Rolle dabei spielen. Wenn sich die Feinstrukturen des Gehirns nicht entwickeln, dann nützt auch ein Wort-Artefakt wie „Buddha Mind“ oder Christusbewusstsein wenig. Um diesen Buddha Mind oder das Christusbewusstsein zu verwirklichen, braucht es Entwicklung in allen Quadranten, und nicht nur neue Artefakte.

McIntosh kommt zum Schluss: 

„Wie wir im Laufe dieses Buches gesehen haben, gründet die integrale Philosophie auf der Erkenntnis der Evolution in den spezifischen Bereichen von Natur, Selbst und Kultur. Und diese drei grundlegenden Arten evolutionärer Entwicklung werden sichtbar durch die philosophischen Kategorien der objektiven, subjektiven und intersubjektiven Bereiche. Das sind die „Großen Drei“, die im Laufe der Geschichte von einer Vielzahl von bekannten Denkern und Visionären erkannt wurden.“

Das ist wieder Wilber O-Ton, doch Mc Intosh tut so als wenn das auf seinem Mist gewachsen wäre.

„Obwohl wir interobjektive Aspekte der Evolution in der Biologie auch vor dem Erscheinen des Menschen sehen können und obwohl unser Verständnis dieser evolutionären Kategorie hilfreich sein kann (besonders, wenn wir die Rolle der Artefakte richtig verstehen), ist der interobjektive Quadrant kein symmetrisches ontologisches Äquivalent zu den grundlegenderen und offensichtlichen Kategorien der objektiven, subjektiven und intersubjektiven Evolution.“

Warum nicht? Wie soll denn das Intersubjektive ohne eine äußerliche Interobjektivität aussehen? Dafür hat McIntosh kein einziges überzeugendes Argument geliefert.

„Trotzdem ist es leicht nachzuvollziehen, wie Wilber dazu kommen konnte, einen spezifischen interobjektiven Bereich anzunehmen, der ein symmetrisches Äquivalent zu den objektiven, subjektiven und intersubjektiven Bereichen der Evolution darstellt. Aber wenn wir die soziokulturelle Evolution anschauen, wenn wir Wilbers interobjektiven Quadranten wirklich genau untersuchen, sehen wir, dass er aus einer Hierarchie der Artefakte besteht, die mit dem fehlerhaften Konzept der sozialen Handlungssysteme vermischt ist.“

Im unteren rechten Quadranten ist weit mehr Artefakte. Dort ist die gesamte Außenseite des kollektiv Innerlichen. Alles entwickelt sich miteinander, Individuelles und Kollektives, Innerliches und Äußerliches, plus Artefakte.

„Wie jede Landkarte enthält auch das Quadranten-Modell Verzerrungen und Vereinfachungen, aber diese Probleme machen sie nicht vollkommen wertlos. Wie fast jeder Aspekt der integralen Philosophie ist Wilbers Landkarte der vier Quadranten wahr – aber eben nur teilweise wahr. Selbst nachdem wir die fehlerhafte Einschätzung korrigiert haben, dass in der Noosphäre „alle Holons vier Quadranten“ haben, bleibt das Quadaranten-Modell ein wichtiges konzeptuelles System, um das Innere und Äußere der individuellen und kollektiven Aspekte der Evolution zu verstehen. Wenn die integrale Philosophie sich aber entwickelt und auf  dem Marktplatz der Ideen eine größeren Stellenwert bekommt, müssen wir die Grenzen und Schwächen dieses wichtigen Modells kennen, damit wir uns nicht zu sehr darauf verlassen und die Glaubwürdigkeit der integralen Philosophie als Ganzes gefährden.“ 

Das ist richtig, aber dazu müssen diese Grenzen auch aufgezeigt werden, was McIntosh m. E. mit keinem seiner Argumente gelingt.   

„Deshalb habe ich in diesem Buch Wilbers Versehen zu korrigieren versucht und habe beschrieben, dass der integrale Wirklichkeitsrahmen aus den „Großen Drei“ (nicht vier) Bereichen von Natur, Selbst und Kultur besteht. Wie es schon von einigen der größten Denker und Theoretiker erkannt wurde, sind dies die drei offensichtlichen und grundlegenden Bereiche, in welchen sich jede evolutionäre Aktivität vollzieht.“ 

Das was McIntosh hier als Lösung anbietet, die „Großen Drei“, ist wieder ein Begriff von Wilber den dieser geprägt hat. Das allein will McIntosh gelten lassen. Doch die Frage stellt sich, wo dann mit die Außenseiten von Kulturen und Gemeinschaften bleiben sollen. Demnach dürfte es keine Wälder sondern nur Bäume geben, keine Gesellschaften sondern nur Ansammlungen (Haufen) von Individuen, keine Städte sondern nur Ansammlungen von Häusern usw., also lediglich unzusammenhängende Einzeldinge, und Worte wie „System“ müssten aus dem Sprachschatz gestrichen werden, da sie keine Wirklichkeitsrelevanz haben.

 

Quelle: Online Journal Nr. 20


[1] Für die Übermittlung dieser Passage bedanke ich mich beim Phänomen Verlag. 

[2] Siehe hierzu auch

a) den Beitrag On Critics, Integral Institute, My Recent Writing, and Other Matters of Little Consequence: A Shambhala Interview with Ken Wilber auf www.shambhala.com (Teil II) und

b) den Beitrag Holons, Haufen und Artefakte von Fred Kofman auf www.integralworld.net.

[3] Siehe dazu beispielsweise: Eric Kandel, Auf der Suche nach dem GedächtnisDie Entstehung einer Wissenschaft des Geistes.