Sie sind hier: IF-HOME > Meditation > 3 Körper Erfahrung
DeutschEnglishFrancais
13.12.2017 : 19:59 : +0100

Ken Wilber: Eine 3 Körper Erfahrungsübung

Aus: Gross, subtle, causal, pointing out instructions, ein Audiomitschnitt von einem Seminarwochenende 2003 mit Ken Wilber, http://www.formlessmountain.com/audio.html


Moderator: Ken, vielleicht können wir hier auch - wie bereits vorgeschlagen - erfahrungsorientierte Übungen machen, über die Bewusstseinszustände, wärst du dazu bereit?

KW: Sicher, wer hat Drogen dabei [lachen]...

Erinnern wir uns an die Hauptzustände - grobstofflich, subtil und kausal -... das ist immer unsere Grundlage. Diese 3 Zustände entsprechen den 3 Körpern Buddhas [trikaya],  Nirmanakaya, Sambhogakaya und Dharmakaya, und zu jedem dieser Körper gibt es einen entsprechenden Geist [mind]... wenn wir mit dem trikaya im Kontakt sind - alle drei Körper gleichzeitig -, dann empfangen wir die volle Bandbreite unsere eigenen Seins...

Es geht darum, uns an das zu erinnern, was wir sowieso die ganze Zeit mit uns herumtragen.

Wir beginnen mit dem, was einfach und offensichtlich bereits in unserem Bewusstsein erscheint - alles worauf wir hier hinweisen, ist bereits in deinem Bewusstsein gegenwärtig - das ist das, worum es bei diesen 'pointing out' Hinweisen geht, ein Hinweisen auf etwas was bereits gegenwärtig ist. Es gibt niemandem in diesem Raum, der nicht bereits zu 100% dasjenige besitzt, worüber wir jetzt sprechen. Das letzte worum man sich dabei sorgen oder kümmern sollte ist, zu einem Ort zu gelangen wo man etwas erreicht - das ist gar nicht möglich, weil wir all dies bereits haben. Es geht um das Hinweisen, und das Bemerken. Für manche Menschen kann das dramatisch sein, meistens ist es das jedoch nicht, es geht um Dinge über die wir schon gesprochen haben - wir nähern uns dem Schicht für Schicht.

Was hier und jetzt in deinem Bewusstsein erscheint, anstrengungslos, leicht und spontan, sind physische Objekte, die einfach da sind. Was wir also machen ist, wir erden uns in unserem physischen Körper, wir spüren unseren Körper, du entspannst dich, du atmest, natürlich und einfach, und du bist dir einfach all dessen bewusst.

Du bist in deinem physischen Körper gegründet, das ist die Basis, das ist der Nirmanakaya, das ist das Gefährt, durch welches mittels deines Verhaltens Mitgefühl in der Welt zum Ausdruck kommt.

Du bist jetzt im Kontakt damit, du hast einen grobstofflichen Körper, er taucht hier und jetzt in deinem Bewusstsein auf, und trägt dazu bei wie du dich im physischen Bereich orientierst. Dieser physische Körper ist der grundlegendste Körper den du hast, kümmere dich gut um ihn, bleib mit ihm in Kontakt, gib ihm deine Aufmerksamkeit. Fühlst du irgendwo Spannungen im Körper, dann entspanne dich dort, spürst du Bereiche der Unaufmerksamkeit, dann wende dich ihnen zu - entspanne dich in deinen Körper hinein, und das ist es -, es ist eine Hülle, ein Gefährt, etwas was dich und die tieferen Zustände umgibt, die wir gleich ansprechen.

Unmittelbar hinter bzw. unter dem was du als das Physische fühlst, gibt es eine großes Feld von Gefühlen. Du verfügst über ein großes, vitales, empfindendes, vibrierendes, lebendiges, warmes, liebendes, berührendes und sorgendes Meer von Emotionen, die du fühlst. Das ist etwas Außerordentliches, wenn man die Aufmerksamkeit dort hinwendet. Wir alle haben dieses Empfinden von lebendig sein, das individuelle Fühlen und Sein, mit Verlangen und Emotionen, in mancherlei Weise ein traumähnlicher Zustand, der uns alle miteinander verbindet. Und ihr alle könnt miteinander und ineinander atmen, jeder Mensch in diesem Raum spürt seine Individualität, als ein Gefühl, und du bist dir eines jeden Menschen in diesem Raum bewusst, du kannst jeden in deinen Atem hineinnehmen, seine Essenz einatmen. Mit jedem Einatmen teilen wir miteinander dieses emotionale Feld, wir können es einatmen, das ist die Verbindung, so kommunizieren wir, durch dieses intersubjektive Feld von Gefühlen. Und es befindet sich unmittelbar an der Innenseite dieser physischen Hülle, der wir uns auch bewusst sind. Ein Teil dessen was wir tun wollen, ist immer mit unserem Atem die Verbindung zu halten zu diesem emotionalen Feld.

Mit dem Einatmen kannst du die Emotionen vor dir herunter fließen lassen, mit dem Ausatmen entspannst du dich, lässt los, die Gefühle können in die Unendlichkeit abgegeben werden.

Mit dem Einatmen fühlst du die emotionale Energie in dich eintreten, mit dem Ausatmen schließt sich der Kreis, der Atem kehrt zurück und befreit. Wir alle teilen das Miteinander, wir atmen uns gegenseitig ein, und ein Teil dieser Kommunikation ist das sich gegenseitige emotionale Berühren, ein sensorisches Berühren.

Wenn ich euch anschaue und zu euch spreche, und wenn ihr mich anschaut und mit mir sprecht, fühlen wir uns einander von innen her. Das äußere Betrachten ist auch wichtig, aber es gibt dieses Fühlen, wir nehmen einander in uns hinein. Es ist etwas sehr Intimes, wenn wir uns so berühren. Teil einer effizienten Kommunikation besteht darin, dass man nicht vor diesem Gefühl zurückschreckt. Vielen Menschen ist das unangenehm, sie wollen nicht in Kontakt treten, sie wollen einem anderen nicht so nahe kommen. Also schauen wir nur auf die Oberfläche, wechseln ein paar Worte, wir schrecken zurück vor diesem Meer liebender, warmer, emotionaler Gefühle, das Kommunikation ermöglicht.

Beides erscheint in deinem Bewusstsein - der grobstoffliche Körper und der subtile Körper. Beides ist offensichtlich - du bist dir deiner Gefühl hier und jetzt bewusst, und der Objekte. Und hinter all dem, was immer es auch sei, ist das Bezeugen all dessen was ist.

Und dieser Zeuge ist unbewegt.

Dieser Zeuge ändert sich nie - er ist unberührt von allem.

Er ist das, was du als dein Selbst erkennst, das große ICH BIN, welches du immer gewesen bist.

Es gab niemals eine Zeit, wo du nicht du warst. Du kannst dich an keinen Zeitpunkt erinnern, wo dieses ICH BIN nicht war. Und dafür gibt es einen Grund -  es gab niemals eine Zeit, wo das ICH BIN nicht anwesend war.

Es ist das einzige, was sich nicht ändert.

Es ist die einzige Konstante in deinem Bewusstsein.

Es ist das Einzige, was sich mit der Zeit nicht ändert.

Jeder von uns hat dieses bezeugende ICH BIN.

Und es ist identisch in jedem von uns.

Es gibt nur EINES davon in diesem Raum, nur Eines - und es ist das gleiche was du hier und jetzt fühlst.

Wenn wir damit Kommunizieren, betrachten wir nicht nur die äußeren Objekte, die wir alle sind, und wir fühlen nicht nur das Meer emotionaler Fürsorge, das wir alle haben, wir berühren diesen tiefsten Punkt in uns, der gleiche Punkt in jedem von uns.

Wenn wir uns gegenseitig einander mit diesen 3 Körpern bewusst sind, dann tun wir all dies: wir betrachten die physischen Form, und achten sie; fühlen uns ineinander hinein, und lieben das, und wir sind identisch in diesem Bewusstsein, in welchem all dies von Augenblick zu Augenblick erscheint. Diese radikale Einheit erlaubt uns, überhaupt miteinander zu kommunizieren.

Was wir nun machen wollen ist, alle drei Körper im Bewusstsein zu halten, weil sie bereits schon da sind - alles das worauf ich hingewiesen habe ist bereits schon da, ich habe nichts hinzugefügt. Vielleicht hast du etwas bemerkt, was du vorher nicht bemerkt hattest, aber du hast es nicht erschaffen. Die Kommunikation findet also nicht irgendwo in einem entkörperten Raum statt, sondern im Körper von trikaya, den 3 Körpern des Buddha, die wir alle haben. Und damit wird es einfach, weil es sowieso bereits geschieht. Alles was erforderlich ist, ist die einfache Anerkennung dessen, womit du bereits schon im Kontakt bist. Und so können wir jeden dieser 3 Körper für unsere Kommunikation nutzen, für das was wir kommunizieren wollen...