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Aufbauwissen

Das Wort integral bedeutet umfassend, einschließend, nicht marginalisierend, umarmend. Integrale Ansätze versuchen in jedem Feld genau das zu sein: so viel wie mögliche Perspektiven, Stile und Methodologien in eine kohärente Sicht des Gegenstands einzubeziehen. In gewissem Sinn sind integrale Ansätze „Meta-Paradigmen“ oder Wege eine bereits existierende Anzahl verschiedener Paradigmen in ein wechselbezügliches  Netzwerk sich gegenseitig bereichernder Ansätze zusammen zu bringen.

-Ken Wilber 

 

Die integrale Theorie und Praxis, wie sie hier im Rahmen des Integralen Forums vorgestellt wird, ist historisch gesehen noch sehr jung. Als ihr Geburtsdatum kann das Jahr 1995 angesehen werden, mit der Veröffentlichung von Ken Wilbers Buch Eros Kosmos Logos. Und natürlich hat die integrale Theorie und Praxis, als ein Versuch, das in einer Zeit verfügbare Menschheitswissen zusammenzufassen und praktisch zur Verfügung zu stellen, eine lange sowohl methodische als auch philosophisch-wissenschaftliche Tradition. 

Neben der Ausarbeitung der Grundlagen des Integralen werden, auf diesen Grundlagen aufbauend, auch laufend weitergehende Theorien und Anwendungen entwickelt. Ken Wilber selbst hat dazu mit der Phase V seines Werkes eine Fülle von Anstößen gegeben, aber auch zahlreiche andere Theoretiker und Praktiker, fasziniert oder auch interessiert am Integralen, machen sich Gedanken darüber wie es damit weitergehen kann.

Einige der weiterführenden Konzepte des Integralen stellen wir hier unter der Rubrik "Aufbauwissen" vor. 

Bewusstseinszustände

Bewusstseinszustände

Ken Wilber

Übersetzung: Michael Habecker

(aus: Essential Integral, lesson 5 states Nr. 70 Ken on stateswww.coreintegral.com)

 

(Ein Hinweis: zur besseren Lesbarkeit wurden Zwischenüberschriften in den Text eingefügt)

 

Unser Thema heute sind die Zustände des Bewusstseins, und Zustände sind eines der vier Hauptelemente im AQAL Rahmenwerk. Die kontemplativen Traditionen haben Bewusstseinszustände beschrieben, und viele der kontemplativen Traditionen, einschließlich des Vedanta, des Hinduismus und des tibetischen Buddhismus, sagen, dass mindestens drei Dimensionen oder Aspekte benötigt werden, um Bewusstsein zu verstehen. Sowohl Vedanta als auch der tibetischen Buddhismus sprechen von drei, vier oder fünf natürlichen Bewusstseinszuständen, zusammen mit fünf Hüllen und drei Körpern. Weniger als diese drei Aspekte zu nennen, lässt etwas Wichtiges aus, wenn es darum geht Bewusstsein, Meditation, Entwicklung, Wirklichkeit usw. zu verstehen. Viele der Lehrer, die sich an die östlichen Traditionen anlehnen, verwenden oft nur eine oder zwei dieser Dimensionen, was zu einer stark verkürzten Sichtweise der großen östlichen esoterischen Traditionen führt.

Die Hauptzustände und die „Hüllen“ (Strukturen) der Traditionen

Es wird in diesen Traditionen gesagt, dass alle Menschen über vier oder fünf Hauptzustände des Bewusstseins verfügen. Diese sind der Wachzustand, der Traumzustand, der tiefe traumlose Tiefschlaf, und dann ein vierter Zustand, als ein reines, nicht-qualifizierbares leeres Gewahrsein, das auch als Zeugenbewusstheit beschrieben wird, oder als der Zeuge. Im Sanskrit ist der Ausdruck für „Viertes“ turiya, und dann gibt es noch einen fünften Zustand, turiyatita, und das ist der reine, endgültige nicht-duale Zustand, ein Zustand der Einheit von turiya, oder Leerheit, mit der Welt der Formen, dem Grobstofflichen, Subtilen und Kausalen (Wachen, Träumen, traumloser Tiefschlaf) – turiyatita ist die Einheit von Leere und Form.

 

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Ken Wilbers Methodenpluralismus – die Zonen 5 und 7 (und 2 und 4)

Ken Wilbers Methodenpluralismus – die Zonen 5 und 7 (und 2 und 4)

von Blaine A. Snow/Michael Habecker

Mit der Veröffentlichung der Exzerpte A, B, C, D und G in 2003 begann Wilbers aktuelle Schaffensphase V, in der er unter anderem auch einen Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP) vorstellt, als eine Möglichkeit, alle Erkenntnismethodiken der Menschheit in einen Gesamtrahmen zu stellen, wobei deren

  1. Größe (und Geltungsbereich, worüber die Methodiken etwas aussagen können),
  2. Grenzen (worüber die jeweiligen Methodiken nichts aussagen können), und
  3. der Gesamtzusammenhang aller Methodiken untereinander

erkennbar werden.

Grundlage dieser Zusammenschau ist das Modell der vier Quadranten (mit den Unterscheidungen innerlich/äußerlich und individuell/kollektiv), erweitert um eine weitere Differenzierung innen/außen in jedem der Quadranten, was zu insgesamt 8 Hauptmethodologie oder Erkenntnis-„Zonen“ führt.

 

Abb.: die 8 Hauptzonen oder grundlegenden Erkenntnisperspektiven des IMP

 

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Nicht-Dualität

Nicht-Dualität

Was ist Sein und Wirklichkeit letztendlich und dem Wesen nach? Eine Antwort auf diese Frage ist die Lehre (und Praxis) der Nichtdualität. Demnach bestehen Sein und Wirklichkeit aus zwei Aspekten die voneinander unterschieden, aber nicht voneinander zu trennen sind, und in unterschiedlichen Begriffspaaren sowohl von den kontemplativen Traditionen wie auch von der Philosophie beschrieben werden:

Absolut           Relativ

Leere              Form

Transzendent Immanent

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Quadranten / Quadrivia

Quadranten / Quadrivia

Artwork: Dennis Wittrock

Die vier Quadranten, als eine Verbindung der innerlichen, äußerlichen, individuellen und kollektiven Aspekte eines jeden Augenblicks sind sowohl von einer verblüffenden Einfachheit wie auch von einer enormen Komplexität und Reichweite. 

Wilber differenziert zwischen den vier Quadranten, bzw. Dimensionen die jedes Holon hat und vier Perspektiven oder vier Sichtweisen, die Holons auf andere Ereignisse in der Welt einnehmen können: Quadrivia.

Mit den Beiträgen dieser Page werfen wir einen genaueren und vertiefenden Blick auf (und durch) die Quadranten. 

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Die fünf Phasen von Wilbers Werk

Die fünf Phasen von Wilbers Werk

Ken Wilbers Werk kann in fünf Phasen unterteilt werden (diese Einteilung stammt von ihm selbst, vgl. Das Wahre, Schöne, Gute, 1999, und die Vorworte zu den Collected Works Band 1 und 2).

Phase 1: romantisch-jungianische Phase

Phase 2: evolutionäre Orientierung

Phase 3: Ebenen und Linien

Phase 4: AQAL integral

Phase 5: Integrale Postmetaphysik

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Wilber-Combs Matrix

Wilber-Combs Matrix

Die Wilber-Combs Matrix

Die Wilber-Combs Matrix (benannt nach ihren Urhebern Ken Wilber und Allan Combs) beschreibt die Relation von Zuständen und Strukturen des Bewusstseins zueinander.

Während  Strukturen des Bewusstseins (vertikale Achse) jahrelanges Wachstum voraussetzen und permanente Errungenschaften darstellen, ist das ganze Spektrum der Zustände des Bewusstseins (horizontale Achse) jederzeit erfahrbar. Wachzustand-grobstofflich, Traumzustand-subtil und Tiefschlafzustand-kausal werden bekanntermassen von jedem Menschen in einem täglichen Rhythmus durchlaufen. Sie sind somit allgegenwärtige Energien, zu denen man in einem veränderten Zustand Zugang hat, was insbesondere auch für den allgegenwärtigen Zustand des Zeugen, sowie des nondualen "Einen Geschmacks" gilt.

Der Schlüssel zum Verständnis der Relation von Struktur-Stufen zu Zuständen des Bewusstseins ist die Erkenntnis, dass Menschen auf jeder (vertikalen) Stufe der Entwicklung jede Form mystischer Einheitserfahrung (horizontal) machen können, diese aber notwendigerweise durch die Augen ihrer jeweiligen Stufe interpretieren. Dies ergibt auf der folgenden Abbildung eine Matrix von 6 X 4 = 24 Typen spiritueller Erfahrung

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Integraler Methodologischer Pluralismus - IMP

Integraler Methodologischer Pluralismus - IMP

Frühe IMP Skizze von Ken Wilber mit repräsentativen Erkenntnis-Methodologien in acht "Zonen"

Wie wäre es, wenn es einen Erklärungsrahmen gäbe, der Platz hat für alle Erkenntnismethodiken der Menschheit, diese einander gegenüberstellt und herausarbeitet

a) welche Erkenntnisgröße jede der Methoden hat (was sie erkennen kann)?

b) welche Erkenntnisgrenzen jede der Methoden hat (was sie nicht erkennen kann)?

c) wie alle Methoden zusammen hängen und zusammen wirken, um das Wesen und die Dimensionen und Aspekte von Wirklichkeit zu beschreiben?

Willkommen bei dem von Ken Wilber entwickelten Integralen Methodologischen Pluralismus (IMP).

Ein IMP (in welcher Form auch immer, und unter welchem Namen auch immer) ist das Herzstück einer jeden Wissenschaft und Philosophie. Er macht deutlich, worauf jemand seine Theorie und Praxis gründet, und wie er oder sei sich die Welt erklärt. Dabei werden "die Karten auf den Tisch gelegt", und es wird nachvollziehbar (und auch methodisch nachprüfbar), woher die Ergebnisse zur Welterklärung kommen, und wie sie überprüft, verifiziert und falsifiziert werden können.

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Entwicklung (Vertiefung)

Entwicklung (Vertiefung)

Das Thema "Entwicklung" ist von einer enormen Komplexität, und die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens, dass wir in einem sich entwickelnden Universum leben, und wir selbst auch ein Produkt dieser Entwicklung sind, hat wissenschaftshistorisch erst vor relativ kurzer Zeit begonnen. Was in vielen Kulturen der Welt über Jahrhunderte durch den Mythos einer Heldenreise überliefert worden ist, als eine frühe Intuitionen des menschlichen Entwicklungsweges, können wir unter Zuhilfenahme der modernen Wissenschaften immer besser verstehen.

Einige Aspekte davon sind:

  • der Transzendenz des Entwicklungsweges (und des Bewahrens von Bewährtem) hin zu immer höheren Entwicklungsstufen und Dimensionen,
  • die wichtige Unterscheidung zwischen Zustands- und Stufenentwicklung, als eine Differenzierung des mystischen Entwicklungsweges und des psychologischen Strukturweges
  • die ebenso bedeutende Unterscheidung unterschiedlicher Linien oder Kompetenzen der Entwicklung
  • die Aufdeckung von Schattenaspekten, die auf dem Entwicklungsweg individuell und kollektiv zurückgelassen wurden, als einer „Reise in die Unterwelt“ und des Unbewussten
  • die perspektivische Differenzierung von individueller, kollektiver, innerlicher und äußerlicher Entwicklung (den Quadranten) und
  • die typologische Reise hin zu mehr „horizontaler“ Vielfalt auf allen Entwicklungsebenen

Diese und andere Themen werden durch die Beiträge dieser Unterseite vertiefend behandelt.

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Kritik / Erweiterung

Kritik / Erweiterung

Diskussions-Panel u.a. mit Frank Visser (2.v.l.) auf der ITC 2010

Der Niederländer Frank Visser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wilber Kritikern weltweit auf der www.integralworld.net ein Forum einzurichten. Dabei reicht das "Spektrum der Wilber Kritiker" von "stark positiv" (im Sinne von zustimmend) bis "stark negativ" (im Sinne von ablehnend),  siehe die Tabelle unter folgendem Link:  http://www.integralworld.net/visser11.html

Wenn man sich eine Überblick über (vor allem, aber nicht ausschliesslich) inhaltliche Kritik an Wilbers Werk verschaffen möchte, dann ist die Visser Page ein guter Einstieg. Dies sagt jedoch noch nichts über die Qualität der dort geäußerten Kritik aus. Vieles von dem was dort geäußert wird basiert unserer Meinung nach auf ungenauen Wiedergaben von dem was Wilber schreibt, aber in jedem Fall ist es aus mindestens zwei Gründen wichtig sich mit der Kritik an Wilbers Werk (und auch seiner Person) auseinanderzusetzen, und zwar

a) im Rahmen einer kritisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung, und

b) als einen Teil eigener Schattenarbeit, im Sinne von "warum regen mich Wilber Kritiker oder Wilber-Kritik auf?"

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